• 07. Juni 2022 · 14:19 Uhr

Wie es mit Daniel Ricciardo bei McLaren weitergeht

Daniel Ricciardo steht weiterhin klar im Schatten seines McLaren-Teamkollegen Lando Norris - Wann hört die Geduld der McLaren-Bosse auf?

(Motorsport-Total.com) - Als Daniel Ricciardo in Monaco ein weiteres enttäuschendes Formel-1-Wochenende für McLaren erlebte, waren die Vergleiche mit seiner Situation zwölf Monate zuvor kaum zu übersehen. Als der Australier im Jahr 2021 noch damit kämpfte, sich in seinem neuen Team bei McLaren einzugewöhnen, wurde sein Lieblingsrennen in Monaco zur Farce.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo sitzt bei McLaren nicht mehr fest im Sattel Zoom Download

Sein Teamkollege Lando Norris konnte sogar auf das Podium fahren, während Ricciardo mit Platz zwölf nicht einmal punkten konnte und dabei noch von seinen Teamkollegen überrundet wurde. Die Kluft, die damals zwischen den beiden herrschte, wurde in der letzten Staffel von Drive to Survive ziemlich brutal geschildert.

Damals ging es für Ricciardo darum, sich an die neue Atmosphäre in Woking zu gewöhnen. In Monza konterte er seine Kritiker mit dem ersten McLaren-Sieg seit fast neun Jahren und bewies, dass er "nie weg war", wie der Australier nach dem Rennen am Funk sagte.

Unsicherheiten bezüglich McLaren-Zukunft werden lauter

Das Wochenende in Monaco 2022 war allerdings wieder ein herber Rückschlag und erinnerte an die Anfangszeit des Vorjahres. Nach einem Trainingscrash am Freitag kam der Australier nicht über Platz 14 im Qualifying heraus. Im Rennen ging es nach dem Ausfall von Haas-Pilot Kevin Magnussen nur einen weiteren Platz nach vorne, während der Teamkollege als Sechster erneut glänzen konnte.

Ricciardo beendete damit eine Woche, die von Gerüchten über seine Zukunft dominiert wurde, auf eine Art und Weise, die wenig dazu beitrug, seinen angeschlagenen Stand bei McLaren zu verbessern. Der achtfache Formel-1-Rennsieger bleibt aktuell deutlich unter den Erwartungen des Teams und schafft es trotz seiner großen Erfahrung nicht, sich an das Team und das Auto zu gewöhnen.

Zwar hat der Australier auf dem Papier noch Vertrag bis Ende 2023 und damit auch für die kommende Saison, doch die jüngsten Aussagen vom McLaren-CEO Zak Brown lassen darauf deuten, dass man sich womöglich schon früher vom Monza-Sieger des Vorjahres trennen könnte.

Brown: "Mechanismen" in Ricciardos Vertrag

"Abgesehen von Monza wurden unsere Erwartungen bisher nicht erfüllt", sagte Brown bereits nach dem Rennen in Spanien. Als Ricciardo darauf in Monaco angesprochen wurde, stimmte er den Aussagen seines Chefs zu und betonte, dass niemand mehr über seine Leistung enttäuscht sei als er selbst.

Er stellte jedoch klar, dass er einen Dreijahresvertrag bei McLaren bis 2023 habe, ehe Brown enthüllte, dass es "Mechanismen" gebe, die dazu führen könnten, dass er das Team bereits vor Ablauf seines Vertrages muss.


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Die bisherige Formkurve in dieser Saison deutet jedoch nicht darauf hin, dass Ricciardo mit seiner Leistung bei McLaren viel weiter ist als noch vor zwölf Monaten. In sechs Rennen hat er nur einmal gepunktet, mit einem sechsten Platz bei seinem Heimrennen in Australien. Zudem wurde er Sechster im Sprintrennen von Imola, bevor ein Zusammenstoß mit Carlos Sainz in der ersten Runde seinen Sonntag ruinierte.

Teamchef Seidl bleibt ruhig

Sein Teamkollege Norris hat hingegen mehr als viermal so viele Punkte (48:11) und konnte bisher nur einmal überhaupt, beim Auftaktrennen in Bahrain, nicht punkten, wo beide McLarens katastrophal unterlegen waren.

McLaren-Teamchef Andreas Seidl ist immer pragmatisch, wenn es darum geht, mit schwierigen Situationen umzugehen. Nachdem Ricciardo am Samstag in Monaco in Q2 ausgeschieden war, rief er das Team dazu auf, "einfach den Kopf unten zu halten und weiter zu analysieren", was man auch mit dem MCL36 tun könne, damit der Australier besser zurechtkommt.

"Wir müssen in den Daten von Wochenende zu Wochenende sehen, was wir auch am Auto tun können, um Daniel mit einem klaren Ziel zu helfen, diese verlorenen Prozente zu finden, die am Ende fehlen", so Seidl. "Daniel ist engagiert und sehr erfahren. Wir sind entschlossen, das zum Laufen zu bringen."

Ricciardo: "Monaco war kein starkes Wochenende"

Ricciardo hat offen über seine Schwierigkeiten gesprochen, in dieser Saison nicht das Beste aus dem McLaren herauszuholen und gab in Monaco zu, dass er nicht genau weiß, wann es mit dem Auto Klick macht: "Manchmal kann ich es sehen, aber manchmal ist es weniger klar."

"Es ist immer noch ein bisschen schwierig für mich, immer zu 100 Prozent mit dem Auto zu harmonieren und das Gefühl zu haben, spektakuläre Runden fahren zu können", sagt Ricciardo. "Das klingt zwar etwas überspitzt, aber ich will es einfach meinen Hatern zeigen."

Neben dem fehlenden Vertrauen, was auf einer Strecke wie in Monaco besonders hinderlich ist, verzockte sich Ricciardo im Fürstentum zudem mit seiner Strategie, wie er nach dem Rennen selbst zugab. "Generell war es aber kein starkes Wochenende gewesen und wir waren nicht schnell genug, um die anderen Fahrer zu gefährden", resümiert er.

Seidl: Wollen eigentlich um Weltmeisterschaften kämpfen

Seidl nimmt seinen Fahrer nach dem Rennen erneut in Schutz, da es auch am Team liegt, "das Auto für beide Fahrer weiterzuentwickeln" und dabei zu helfen, sowohl aus Norris als auch aus Ricciardo jedes einzelne Wochenende das Beste herauszuholen.

"Wir sind alle nicht glücklich, wenn wir zum Beispiel im Qualifying auf Platz fünf landen", sagt Seidl. "Wir alle wollen Teil der Generation bei McLaren sein, die in Zukunft wieder um Rennsiege und Weltmeisterschaften kämpfen kann."

"Wir müssen einfach weitermachen, in allen Bereichen des Teams, in der Art und Weise, wie wir arbeiten, auch mit Daniel, und dann können wir hoffentlich weitere Schritte nach vorne machen", fügt Seidl hinzu.

Schlägt Ricciardo wieder erst nach der Sommerpause zurück?

McLaren kann natürlich auf einen Teil der Arbeit zurückgreifen, die bereits im vergangenen Jahr geleistet wurde, um Ricciardo dabei zu helfen, sich an das Vorjahresauto zu gewöhnen. Besonders zu Saisonende 2021 hatten sich seine Leistungen nicht nur mit dem Sieg in Italien deutlich verbessert.

Norris blieb zwar weiterhin der konstantere Fahrer, aber Riccardo konnte nach der Sommerpause 65 Punkte für das Team holen, während es für den Briten nur 47 waren. Allerdings muss man erwähnen, dass Norris vor allem in den Schlussrennen einiges an Pech hatte, was bessere Resultate verhinderte.

Es ist für Ricciardo dennoch zweifellos ein Wettlauf mit der Zeit. Sollte der McLaren-Pilot in den nächsten Rennen weiterhin große Probleme haben, wird sich das Team ernsthafte Gedanken um das Cockpit neben Lando Norris machen müssen. Selbst wenn man einen Vertrag hat, möchte man solche Spekulationen und die Ablenkung aus Fahrersicht dringend vermeiden.

Erste Risse im Team erkennbar?

Solche Situationen führen auch dazu, dass selbst kleinste Details als mögliche Anzeichen für Risse in der Beziehung zwischen Team und Fahrer noch detaillierter analysiert werden. Ein Beispiel hierfür ist Ricciardos Trainingsunfall in Monaco, als sein Renningenieur Tom Stallard umgehend fragte: "Ist das Auto okay?", woraufhin Ricciardo antwortete: "Ich bin okay, aber das Auto ist es nicht."

Daniel Ricciardo

Nach dem Crash im Training von Monaco hängt Daniel Ricciardos MCL36 am Kran Zoom Download

Zudem erregte Ricciardos Entscheidung, das Akronym "FEA" - das für "fickt euch alle" steht - auf seinem Helm zu platzieren, ebenfalls Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Der Australier erklärte später, dass diese Botschaft an niemanden gerichtet, sondern lediglich eine Art ist, sich selbst aufzupumpen, wenn er ins Auto steigt.

McLaren wollte Ricciardo eigentlich schon für die Saison 2019 verpflichten, jedoch entschied sich dieser nach seinem überraschenden Abgang bei Red Bull für Renault. Als er nach zwei Jahren sein Glück auch beim französischen Werksteam nicht finden konnte, zog er 2021 zu McLaren weiter, nachdem das Woking-Team Carlos Sainz an Ferrari verlor.

Obwohl McLaren mit Ricciardo in Monza den ersten Formel-1-Sieg für das Team seit Jenson Button in Brasilien 2012 feiern konnte, muss man im Nachhinein festhalten, dass die Konstellation den erhofften Erfolg noch nicht eingebracht hat. Als erfahrener Rennsieger sollte Ricciardo eigentlich den Weg zurück an die Spitze der Formel 1 für McLaren ebnen.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo trinkt nach dem Sieg in Monza aus seinem Schuh Zoom Download

Dass er zu großen Leistungen fähig ist, konnte man beim letztjährigen Italien-Grand-Prix sehen, da er das Rennen möglicherweise sogar ohne die Kollision zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton gewonnen hätte. Das Potenzial und der Hunger sind nach wie vor vorhanden und McLaren ist weiterhin entschlossen, das Beste aus ihm herauszuholen.

Vergangenes Jahr nutzte Ricciardo die Sommerpause als Chance, sich neu zu sammeln und in der zweiten Saisonhälfte stärker zurückzukommen. Diesmal könnte dies allerdings zu spät sein, da die Teams ihre Fahrerpaarungen für die kommende Saison in der Sommerpause festlegen. Wenn sich die Dinge also nicht schnell ändern sollten, wird die eiserne Geduld des McLaren-Teams auf die Probe gestellt.

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