Neue Regeln für 2026: "Ground-Effect" bleibt in der Formel 1 weiter ein Thema
Die Formel 1 hat 2026 ein neues Reglement, doch die "Ground-Effect-Autos" werden nicht vollständig verschwinden - Audi-Ingenieur Inaki Rueda erklärt die Gründe
(Motorsport-Total.com) - Mit dem neuen Formel-1-Reglement, das ab der Saison 2026 gilt, soll die Ground-Effect-Ära offiziell der Vergangenheit angehören: Die neuen Regeln (alle Details im Überblick) führen zu flacheren Unterböden, weniger aerodynamischem Abtrieb und einem geringeren Einfluss des Venturi-Tunnels.
Ein Rückschritt zur Saison 2021, vor Beginn der vierjährigen Ground-Effect-Ära, ist das Reglement allerdings nicht. Im Gegenteil: "Aus aerodynamischer Sicht denke ich, dass sie weiterhin näher an dem sind, was wir jetzt haben, weil der Unterboden nach wie vor ziemlich viel Abtrieb erzeugen wird", erklärt Audi-Ingenieur Inaki Rueda.
"Warum? Weil die FIA erkannt hat, dass der Grund, warum wir diesen Weg eingeschlagen haben, darin liegt, dass wir rennfähige Autos wollen. Wenn man sich erinnert, ich weiß nicht, fünf, sechs, sieben Jahre zurück, war es deutlich schwieriger, einem anderen Auto zu folgen."
Das Konzept der aktuellen Fahrzeuge, bei denen die "Dirty-Air" einen geringen Einfluss hat, habe sich bezahlt gemacht. "Das Gute an diesen Autos ist, dass wir einander folgen können", erinnert Rueda. "Und das haben wir erreicht, weil wir Autos haben, die stark auf Abtrieb aus dem Unterboden angewiesen sind."
Antriebsstrang wird sich stark unterscheiden
Deshalb wird sich das Reglement für das nächste Jahr nicht so stark ändern, wie manche glauben. "Was sich allerdings sehr stark unterscheiden wird, ist der Antriebsstrang", ergänzt der Audi-Ingenieur. "Der Antriebsstrang ist ein komplett anderes Thema. Das ist so schwierig zu erklären."
"Er unterscheidet sich sehr stark von dem, was wir jetzt haben", erinnert der Spanier, und zwar "so sehr, dass wir bewegliche Aerodynamik am Auto einsetzen müssen, um den Antriebsstrang zu kompensieren. Das ist etwas, was wir so noch nie gemacht haben."
Das bisherige Drag-Reduction-System (DRS) diente ausschließlich zum Überholen, was 2026 das anders sein wird. Dann werden sowohl Front- als auch Heckflügel verstellbar sein, allerdings mit einem neuen Zweck: "Es dient nur dazu, zu kompensieren, wenn unser Antriebsaggregat nicht genügend Leistung liefert - wenn das Sinn ergibt."
Warum Mercedes für 2026 trotzdem zuversichtlich ist
Dass es sich weiterhin um "Ground-Effect-Autos" handelt, dürfte Mercedes nicht besonders freuen, denn die Silberpfeile hatten während der Ground-Effect-Ära wohl am meisten zu kämpfen. Teamchef Toto Wolff bleibt für die kommende Saison jedoch zuversichtlich.
"Wir sind nach wie vor sehr fähige Menschen, mit der richtigen Infrastruktur und den entsprechenden Möglichkeiten", meint der Österreicher, fügt aber selbstkritisch hinzu: "Mit dieser Art von Autos haben wir es nie wirklich richtig hinbekommen."
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"Jetzt gehen wir zurück zu etwas, das etwas konventioneller ist in Bezug darauf, wo wir glauben, Abtrieb zu generieren", glaubt Wolff, denn es gehe nicht mehr primär um den Unterboden. "Es geht stärker um die Karosserie, die Frontflügel, die Heckflügel und natürlich bis zu einem gewissen Grad auch um den Unterboden."
"Ich denke, das ist mehr ein Terrain, das wir besser verstehen." Gleichzeitig schließt der Mercedes-Teamchef nicht aus, dass es auch in Zukunft wieder einige Innovationen geben wird, die das Kräfteverhältnis zwischen den Teams verschieben könnten.
Ein Beispiel: "Man muss nach wie vor die Reifen in einem optimalen Arbeitsfenster halten, etwas, das McLaren ganz klar dominiert und besser hinbekommt als wir alle zusammen", erinnert Wolff an die vergangene Saison. "Das ist also etwas, das sich fortsetzen wird."
"Wie steht es um unser Vertrauen?", fragt der Mercedes-Teamchef. "Ich denke, man muss selbstbewusst sein, ohne irgendein Anspruchdenken zu haben, und das haben wir nach dem Mangel an nachhaltigem Erfolg nicht. Ich bin ohnehin immer negativ. Für mich ist das Glas immer halb leer. Es ist nie halb voll."

