• 23. April 2024 · 18:39 Uhr

Meinungen zum neuen Sprint: "Denkt nicht, dass wir jetzt zwölf brauchen!"

Das neue Sprintformat der Formel 1 sorgt für Diskussionen: Während die einen ein Fan vom Sprint sind, ächzen andere unter dem stressigen Zeitplan

(Motorsport-Total.com) - Wie kommt das neue Sprintformat der Formel 1 bei den Fahrern an? Die Serie war in China ihren ersten Sprint des Jahres gefahren und hatte dabei einige Veränderungen vorgenommen. Die größte: Der Sprint ist nun nicht mehr isoliert am Samstag. Stattdessen findet der Sprint am Samstag vor dem Qualifying statt, während das Freitags-Qualifying nun für den Sprint zählt.

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Im Sprint kann es durchaus hektisch zugehen Zoom Download

"Ich finde, das Wochenende hat Spaß gemacht", sagt Daniel Ricciardo. "Immer mal hier und da ein Sprint, das ist ganz schön." Auch beide Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und George Russell sagen, dass sie den Sprint gerne mögen.

Und auch Carlos Sainz ist zumindest aus Fahrsicht ein Fan, weil die Piloten dort härter attackieren würden. "Du hast ja nichts zu verlieren, es geht um weniger Punkte sagt er." Und außerdem hebe es sich so vom richtigen Rennen ab, wo mehr Reifenmanagement und Strategie ins Spiel kommen.

"Aber beides macht Spaß", betont der Spanier. "Ich habe die Kämpfe wirklich genossen und habe Spaß mit den anderen. Da lüge ich nicht."

Aber es gibt auch Gegenstimmen: "Ich präferiere ein normales Wochenende", sagt Lando Norris, weiß aber, dass es eher um die Meinung der Fans geht. "Wenn es schön anzuschauen ist, dann gut. Darum machen wir das in erster Linie ja. Uns selbst macht das jetzt nicht glücklicher oder mehr Spaß."

Esteban Ocon hingegen ist überhaupt kein Fan vom Sprint: "Es ist einfach ein sehr stressiges Wochenende", sagt der Franzose. "Es ist gut, Zeit zu haben und ordentlich zu arbeiten. Es ist die Formel 1, hier geht es nicht darum, sich ins Auto zu setzen und herauszufinden, wie man fährt. Das wissen hier alle", kritisiert er den Zeitplan mit nur einem Training vor dem Qualifying.


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"Es geht eher um das Feintuning des Autos, das ist die Formel 1" sagt er.

Das eine Training ist auch für andere Piloten noch ein Faktor, den man sich anschauen muss. George Russell findet, dass man vor allem die Reifenregel im Training ändern sollte, weil es teilweise sogar besser wäre, sich die Reifen für den Rest des Wochenendes zu sparen. Dann würde im Training aber keiner fahren.

"Vielleicht sollten alle die gleiche Anzahl Reifen bekommen, denn ein Training sollte keinen Einfluss auf den Rest des Wochenendes haben", findet der Brite. "Das wäre mein einziger Punkt, ansonsten bin ich ziemlich glücklich damit."

Alonso: Am besten Sprint auslassen!

Die Aussagen passen zu denen von Fernando Alonso, der nach dem Rennen kritisierte, dass er während des Grand Prix keine Reifen mehr zur Verfügung hatte. Seine Lösung: Am besten einfach den Sprint nicht fahren und sich die Reifen für den Sonntag sparen.

"Es gibt ohnehin nur wenig Punkte, wenn man nicht gewinnt, und du riskierst Strafpunkte und so", spielt er auf seine Strafe im Sprint für die Kollision mit Carlos Sainz an. "Von daher wäre es vielleicht besser, gar nicht zu fahren."

Und es gibt einen weiteren Seitenhieb gegen die Kommissare: "Wenn sie den Sprint für die Show und die Überholmanöver machen wollen, dich dann aber nicht frei fahren lassen, dann ist es besser, überhaupt nicht zu fahren."

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Fernando Alonso sieht im Weglassen die beste Taktik Zoom Download

Er überlegt schon, beim nächsten Sprint in Miami nächste Woche das Training auszulassen, um Reifen zu sparen. "Aber das werden wir natürlich nicht tun, weil wir etwas über das Auto lernen müssen. Trotzdem müssen wir weiter überlegen. Der Sprint braucht weiteres Tuning."

Ein zentrales Gesprächsthema war aber auch das neue Format, bei dem der Sprint am Samstagvormittag stattfindet - kurz vor dem Qualifying. Doch auch da gibt es bislang geteilte Meinungen unter den Fahrern.

"Ich mag es, am Morgen aufzuwachen und direkt in ein Rennen zu starten", zeigt sich Ricciardo als Fan dieser Zeitplan-Neuerung. "So muss ich nicht den ganzen Tag auf das Rennen warten, das war cool."

Erst Sprint, dann Qualifying: Seltsam!

Für Weltmeister Max Verstappen ergibt die Reihenfolge auch mehr Sinn, als Freitag ein Qualifying zu haben, das für das Rennen zählt, nur um dann am Samstag einen entkoppelten Tag dazwischen zu haben, der mit dem Rest nichts zu tun hat, wie es im Vorjahr der Fall war.

"Das einzige, was natürlich seltsam ist, ist, dass du am Morgen ein Rennen fahren musst, und plötzlich musst du wieder zurück in den Qualifying-Modus kommen. Denn dass nach einem Rennen noch ein Qualifying kommt, das ist für alle Fahrer neu.

"Vielleicht wäre es besser, wenn man es andersherum machen würde", sagt Oscar Piastri. "Denn wenn man von einem Mini-Rennen kommt und wieder ins Qualifying geht, fühlt es sich ein wenig zusammenhanglos an", so der McLaren-Pilot. "Jeder vergisst schnell, wer den Sprint gewonnen hat."


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"In der Hinsicht wäre es vielleicht besser, wenn das Qualifying am Morgen wäre und der Sprint am Nachmittag." Dann wäre man aber wieder beim Format des Vorjahres angekommen - nur dass die beiden Qualifying-Formate getauscht wären.

Auch Lewis Hamilton würde gerne noch etwas an den Zeitplänen ändern, allerdings drastischer als nur die Reihenfolge irgendwelcher Sessions. Denn laut ihm werde an den Wochenenden immer noch "viel Zeit verschwendet", wie er sagt.

"Wir könnten die Tage kürzen oder den Tag voller packen, damit die Fans eine bessere Erfahrung haben", so der siebenmalige Weltmeister. "Wir verschwenden am Tag mindestens zehn Stunden, in denen wir die Fans auf der Strecke unterhalten könnten."

Sainz: Samstag ist zu voll!

Diesen Aussagen würde aber zumindest Carlos Sainz nicht zustimmen. Er findet, dass der Tag aus Sicht der Fahrer schon vollgepackt genug ist - vor allem an Sprintsamstagen. "Der Freitag ist besser, aber der Samstag ist wirklich hektisch", kritisiert er.

"Wir fahren am Morgen ein Rennen und dann ein Qualifying. Wir sind nach dem Sprint im Media-Pen und nehmen alle TV-Stationen mit. Und dann geht es in den Qualifying-Modus. Wir fahren die Quali, und dann kommen wir wieder her und reden nochmal mit allen TV-Stationen", so Sainz.


Wie stehen die Fahrer zum F1-Sprint, Alex Wurz?

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"Das soll keine Beleidigung euch gegenüber sein", meint er gegenüber den anwesenden Journalisten, "aber man muss uns etwas mehr Zeit zum Verdauen geben. Wir sehen nach dem Sprint auch einige Spannungen, alle sind ziemlich erregt und man muss erst runterkommen und sich erholen."

Sein Fazit: "Meiner Meinung nach ist der Samstag etwas zu viel."

Auch Norris findet den Sprint im Grunde zu viel - aber weniger für die Fahrer, sondern eher die Mechaniker. "Wir können uns nicht beschweren, aber die Hunderte Mechaniker und Ingenieure schon", sagt er. "Die reisen so viel, und für die ist das nicht gesund und nicht nachhaltig."

Parc-Ferme-Freigabe kommt gut an

Die Ingenieure bekommen an Sprintwochenenden nämlich 2024 noch mehr zu tun. Das liegt an einer weiteren Änderung: Musste das Auto im vergangenen Jahr schon am Freitag vor dem Qualifying für den Rest des Wochenendes abgestimmt sein, so ist das Parc-Ferme-Fenster zwischen Sprint und Qualifying nun noch einmal offen.

Den meisten gefällt diese Änderung aber: "Das ist eine gute Sache", findet Ricciardo. "Natürlich: Wenn du ein gutes Auto hast, dann möchtest du nicht, dass die anderen etwas ändern können, aber auf der anderen Seite: Wenn du Probleme hast, dann ist es schön, dass dein Wochenende nicht komplett im Eimer ist", so der Australier.

Dem würde sich Hamilton anschließen: "Dass wir Änderungen machen können und versuchen können, die Lücke zu Red Bull noch einmal zu schließen, oder wer auch immer vor uns ist, das ist für das Wochenende großartig", sagt er. "Vorher kanntest du das Endergebnis im Grunde schon, aber heute haben wir etwas Neues und Aufregendes."

McLaren-Teamchef Andrea Stella sieht ebenfalls die Vorteile, weil das Wochenende "etwas mehr verzeiht". Gleichzeitig bedeute das, dass man am Anfang eine etwas aggressivere Richtung wählen kann, weil man diese ja noch einmal verändern kann.

"Und aus rein technischer Sicht fanden wir das interessant, weil wir die Gelegenheit hatten, die Balance im Sprint zu sehen. Und bei Veranstaltungen wie hier, wo die Reifen so stark abbauen, versteht man, was man einstellen muss oder was man idealerweise am Auto einstellen sollte", sagt er. "Daher ist diese Änderung für uns sehr willkommen."

Verstappen warnt: Brauchen nicht noch mehr!

Schon beim nächsten Formel-1-Wochenende in Miami steht der nächste Sprint auf dem Programm, wo sich zeigen kann, ob die Erkenntnisse aus China auch dort Gültigkeit besitzen.


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"Das Sprintformat war besser", zieht Max Verstappen noch ein Fazit. Aber der Niederländer warnt auch, es nicht zu übertreiben: "Wir fahren jetzt schon 24 Rennen mit sechs Sprints noch obendrauf."

"Ich schätze, das verkauft sich besser und sorgt für bessere Zahlen am TV, aber es ist auch mehr Stress für die Mechaniker, alles immer tiptop hinzubekommen", so der Red-Bull-Pilot. "Wir müssen es hinnehmen und damit umgehen, aber wir sollten jetzt nicht denken, dass wir zwölf davon brauchen, denn es wird auch seinen Tribut von den Leuten fordern."

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