• 03. August 2022 · 14:42 Uhr

Warum das Haas-Update klüger als eine Ferrari-Kopie war

Analyse des Haas-Updates vom Ungarn-Grand-Prix: Die Inspiration von Ferrari ist offenkundig, aber es ist mehr als nur eine plumpe Kopie

(Motorsport-Total.com) - Haas stellte beim Großen Preis von Ungarn ein umfangreiches Upgrade vor, mit dem der Rennstall nach einer bisher ziemlich starken Start in die Formel-1-Saison 2022 nachlegen will. Nachdem das US-Team im vergangenen Jahr am Ende der Konstrukteurswertung stand, liegt es nach zwölf von 22 Saisonrennen vor Williams, Aston Martin und Alpha Tauri.

Die überarbeiteten Seitkästen des Haas VF-22

Die überarbeiteten Seitkästen des Haas VF-22 Zoom Download

Das ist eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass Haas in Sachen Entwicklung am wenigsten aktiv war. Das spricht zum einen für das gute Design des VF-22, zum anderen auch dafür, dass Haas aus den gegebenen Möglichkeiten das Maximum herausgeholt hat.

Vor dem Großen Preis von Ungarn hatte das Team nur bei fünf der zwölf Rennen Updates eingeführt. Diese wurden jedoch alle als vergleichsweise unbedeutend angesehen. Vor allem vor dem Hintergrund dessen, was andere Teams entwickelt haben, die im Bezug auf die Performance immer noch hinter ihnen zurückbleiben.

Erstes großes Upgrade in der F1-Saison 2022

Aus diesem Grund gab es viel Aufsehen um das große Upgrade, welches das Team auf dem Hungaroring vorstellte. Rasch wurden Vorwürfe laut, dass es sich um nichts anderes als einen "weißen Ferrari" handele.


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Einige zogen den Schluss, dass Haas mit seinem jüngsten Update einfach das Vorbild von Ferrari kopiert habe, was nicht ganz richtig ist. Allerdings gab das Team zu, sich an den seines technischen Partners orientiert zu haben.

"Wir haben den gleichen Motor wie Ferrari, das gleiche Getriebe, die gleiche Aufhängung. Warum sollten wir etwas anderes kopieren?", fragt Teamchef Günther Steiner. "Und sie gewinnen damit Rennen. Eins plus eins ist gleich zwei, wir sind ja nicht dumm."

Mehr als nur eine Ferrari-Kopie

In einem Punkt war Haas vielleicht sogar noch schlauer war als seine direkten Konkurrenten, denn die Weiterentwicklung hat sich nicht allzu weit von den Ursprüngen entfernt.

Der ursprüngliche Seitenkasten von Haas (links), das Upgrade von Ungarn (mitte) und die Lösung von Ferrari (rechts)

Der ursprüngliche Seitenkasten von Haas (links), das Upgrade von Ungarn (mitte) und die Lösung von Ferrari (rechts) Zoom Download

Vergleicht man die Seitenkästen, die in der ersten Saisonhälfte eingesetzt wurde und an Mick Schumachers Auto in Ungarn zu sehen waren (links), mit der neuen Lösung (Mitte), so sieht man, dass es eine deutliche Annäherung an den wannenartigen Spalt gibt, der am Ferrari F1-75 (rechts) zu sehen ist. Aber es bleibt die gleiche Designlinie.

Andere Teams wie Aston Martin und Williams habe derweil ihre Designkonzepte nach dem Vorbild von Red Bull komplett geändert, anstatt die Lösungen, mit denen sie in die Saison gestartet sind, zu verfeinern und zu optimieren.

Dass Haas auf der Oberseite des Seitenkastens von Ferrari inspiriert wurde, ist deutlich zu erkennen. Dies hat auch zu einigen bedeutenden Änderungen an der Gesamtform der Karosserie geführt, da das Team sich darauf konzentriert, mehr Leistung aus der aktuellen Generation von Autos herauszuholen.


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Früher haben die Designer die Bargeboards und Seitenkasten-Deflektoren verwendet, um die Bahn des Luftstroms neu zu kalibrieren. Diese aerodynamischen Werkzeuge stehen ihnen nun nicht mehr zur Verfügung.

Dies ist von Bedeutung, wenn man die von den Reifen erzeugte Nachlaufströmung betrachtet, denn auch die vorderen Kotflügel wurden vereinfacht, sodass sie weniger als Mittel zur Unterbrechung und Veränderung der Nachlaufströmung eingesetzt werden können.

Gesamtform der Karosserie hat sich verändert

Vor diesem Hintergrund stellte Haas beim Großen Preis von Großbritannien ein überarbeitetes Endplatten-Diveplane-Design für den VF-22 vor, das allerdings bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Einsatz kam. Dies könnte darauf hindeuten, dass sie ohne das neue Paket (blauer Pfeil) nicht den erwarteten Leistungszuwachs gegenüber der Querlenker-Konstruktion bietet.

Vergleich zwischen bisherigem (oben) und neuem (unten) Design des Haas VF-22

Vergleich zwischen bisherigem (oben) und neuem (unten) Design des Haas VF-22 Zoom Download

In der Zwischenzeit ist deutlich zu erkennen, dass sich die Form des Seitenkastens geändert hat, mit einer höheren Schulter, was zu einer Änderung der Gesamtgeometrie der Karosserie führt (grün hervorgehoben). Auffällig ist auch, dass sich die Flanke des Seitenkasten verändert hat, was nicht nur an der Form der Haas-Lackierung zu erkennen ist, da die Wölbung weniger abrupt, sondern auch an der Basis deutlich breiter ist (siehe Vergleich rechts von vorne und gelbe Markierung).

Da Haas im Jahr 2022 nicht mehr über die bereits erwähnten aerodynamischen Werkzeuge verfügt, ist das Team gezwungen, die Karosserie als Mittel zur Unterbrechung, Anpassung und Neukalibrierung der Nachlaufströmung der Vorderräder zu nutzen, damit die Leistung nicht beeinträchtigt wird.

Luftströmung soll optimiert werden

Die an den Seitenkästen vorgenommenen Änderungen sollten dazu beitragen, die von den Vorderreifen erzeugte Nachlaufströmung vom Auto wegzudrücken und auch die Verhältnisse weiter stromabwärts zu verbessern. Das ist nicht nur in Bezug auf die Einströmung wichtig, die erforderlich ist, um die Strömung in den Colaflaschen-Bereich zu verbessern, sondern auch darauf, wie der Luftstrom über die Fläche des Hinterreifens gedrückt wird.

Die Verbesserung des Luftstroms im Bereich der Colaflasche wird auch von den Änderungen profitieren, die das Team an der Hinterradaufhängung vorgenommen hat. Die Verkleidungen, die die verschiedenen Komponenten umschließen, wurden überarbeitet.

Die Veränderungen am Unterboden, im Kreis das vorherige Design

Die Veränderungen am Unterboden, im Kreis das vorherige Design Zoom Download

Ein weiteres Ergebnis der Überarbeitung der Seitenkästen ist, dass das Team die mittig angeordnete Kühlung auf dem Rücken der Motorabdeckung aufgegeben hat, die dazu führte, dass sich die Haifischflosse von der Karosserie abhob (roter Pfeil).

Neuerungen auch am Unterboden

Während die Änderungen am Seitenkasten unübersehbar sind, hat sich auch am Unterboden des VF-22 einiges getan. Das Team versucht, mehr Leistung aus einem Bereich des Fahrzeugs herauszuholen, in dem die Designer viel Freiheit haben.

In dieser Hinsicht gibt es Änderungen an den Zäunen an der Vorderseite des Unterbodens und an der Kante - ein Bereich, in dem alle Konkurrenten bereits Änderungen vorgenommen haben, um die Strömungsverhältnisse zu optimieren und die Fahrsensibilität zu verbessern.

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