• 06. Juni 2021 · 10:17 Uhr

Toto Wolff: "Flexiwings" fangen an mich zu langweilen!

Protestiert Mercedes nun gegen Red Bull oder nicht? Wir erklären, warum die Grundlage für einen etwaigen Protest eine ganz andere ist als in Barcelona!

(Motorsport-Total.com) - Beim Grand Prix von Monaco hat Mercedes angekündigt, beim Grand Prix von Aserbaidschan Protest gegen den flexiblen Heckflügel von Red Bull einzulegen. Doch das ist Stand Sonntagmorgen in Baku nicht passiert. Im Hintergrund schwelt das Thema zwar noch weiter. Doch aktuell sieht es nicht so aus, als würde der "Flexiwing"-Streit endgültig eskalieren.

Mit diesen Markierungen versucht die FIA, die "Flexiwings" besser zu kontrollieren

Mit diesen Markierungen versucht die FIA, die "Flexiwings" besser zu kontrollieren Zoom Download

"Das Thema fängt an, die Leute zu langweilen. Mich auch", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Einen Protest wollte er am Samstag nach dem Qualifying zwar noch nicht endgültig ausschließen, "weil ich nicht weiß, welchen Flügel sie am Auto hatten". Aber aktuell scheint es keine solide Grundlage für einen Protest zu geben.

Denn Red Bull fährt auf dem Highspeed-Stadtkurs in Baku klarerweise mit einem anderen Heckflügel als zuletzt in Monaco und auch mit einem anderen als in Barcelona, wo Lewis Hamilton das Thema ins Rollen gebracht hatte. Vergleiche von TV-Sendern zeigen, dass die Flexibilität des Red-Bull-Flügels dieses Wochenende nicht großartig anders zu sein scheint als jene von Mercedes.

"Unsere Flügel biegen sich sogar weniger als die von Mercedes", behauptet Teamchef Christian Horner. "Die ganze Sache wird sowieso überschätzt. Ich habe gehört, so ein Flügel soll eine halbe Sekunde bringen. Das wird in den Medien alles übertrieben dargestellt." Laut Red-Bull-Simulator liegt der Vorteil in Baku gerade mal zwischen 0,05 und 0,075 Sekunden.

Das sieht Andreas Seidl anders: "Schwer zu sagen, wie viel es ausmacht. Aber auf einer Strecke wie dieser sicher ein paar Zehntel", behauptet er. Der McLaren-Teamchef ist einer der schärfsten Kritiker der Tatsache, dass Red Bull & Co. ihre Flügel in Baku unmodifiziert einsetzen dürfen. Die Verschärfung der Belastungstests fürs nächste Rennen kommt seiner Meinung nach zu spät.

Für Seidl steht fest: Red Bull verstößt gegen die Regeln

Was er nicht nachvollziehen kann: "Warum dürfen die Teams, die schon fünf Rennen mit einem Flügel, der nicht den Regeln entspricht, gefahren sind, ein sechstes Rennen damit fahren?" Für Seidl steht auf Basis der technischen Auskünfte von FIA-Spezialist Nikolas Tombazis fest: "Man kann sagen, dass die exzessive Flexibilität, die wir gesehen haben, nicht Artikel 3.8 entspricht."

Dort steht nämlich klipp und klar, dass sich Karosserieteile grundsätzlich nicht bewegen dürfen. Streng genommen wären dann alle Formel-1-Autos illegal, weil kein einziger Flügel im Feld so steif ist, dass er sich unter hoher Last gar nicht bewegt. Dafür gibt es Artikel 3.9 des Technischen Reglements. Dort sind Belastungstests fixiert, die die Toleranzen regeln.


Formel-1-Technik: Was sind Flexiwings und was bewirken sie?

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Die Grauzone entsteht im Widerspruch der beiden Paragrafen. Die einen behaupten, wenn in 3.9 Toleranzen geregelt sind, ist jeder Flügel legal, der die Tests besteht. Die anderen argumentieren, selbst wenn ein Flügel 3.9 besteht, ist es immer noch illegal, Artikel 3.8 mit einer speziellen Materialverbindung vorsätzlich auszuhebeln - Betonung auf "vorsätzlich".

"3.9 regelt den Test", erklärt Seidl. "Aber das ist eben nur ein Test und nicht das einzige Kriterium, nach dem man definieren muss, ob ein Auto den Regeln entspricht oder nicht. Es ist ein Test, nicht mehr. Man könnte auch sagen: Der Artikel legt eine pragmatische Art und Weise fest, die Autos an der Rennstrecke überprüfen zu können."

Aber: "3.8 legt fest, was erlaubt ist und was nicht", findet Seidl. "Wenn jemand einen Heckflügel mit dem Vorsatz designt - oder auch Endplatten oder andere Teile -, dass sich der auf eine bestimmte Art und Weise bewegen soll, und selbst wenn das vom Test in 3.9 nicht erfasst wird, dann ist meiner Meinung nach ziemlich klar, was das bedeutet."

Klare Worte: "Für mich ist das keine Grauzone"

"Für mich ist das keine Grauzone", stellt Seidl klar. "Unserer Meinung nach muss man sich nur das Design dieser Teile genau anschauen. Wenn man dann feststellt, dass die Designs vorsätzlich so gemacht wurden, dass sich die Teile auf bestimmte Weise bewegen, dann ist klar, was zu tun ist. Aber das ist Aufgabe der FIA, nicht unsere."

Für ihn sei der Fall "ganz klar", unterstreicht Seidl - weshalb er neben Wolff einer derjenigen ist, die als Kandidaten für einen Protest gegen Red Bull gelten. Der McLaren-Teamchef am Freitagmorgen in Baku: "Wenn wir noch einmal solche Bewegungen sehen wie in Barcelona, muss etwas passieren. Was das sein könnte, weiß ich nicht."

Gut möglich, dass Red Bull der Diskussion für Baku Wind aus den Segeln genommen hat. Sowohl für Wolff als auch für Seidl war klar, dass eine Wiederholung der Barcelona-Bewegungen nicht akzeptabel ist. Doch der Unterschied in der Flexibilität der Flügel war bisher an diesem Wochenende nicht so extrem. Ob Red Bull bewusst auf Nummer sicher gegangen ist?

Hamilton, der den Ball mit seinen Aussagen ursprünglich ins Rollen gebracht hat, sieht das Thema inzwischen entspannt: "Es ist nun mal Tatsache, dass sie die Tests für dieses Wochenende bestanden haben. Also geht's erstmal so weiter. Aber natürlich ist das auf den Geraden ein Vorteil. Hoffentlich bekommen sie die Messung solcher Dinge in Zukunft besser in den Griff", sagt er.

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