• 12. März 2020 · 13:37 Uhr

Offiziell: McLaren nimmt nicht am Australien-Grand-Prix teil!

Weil sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hat, zieht das McLaren-Team seine Teilnahme am Saisonauftakt der Formel 1 in Melbourne zurück

(Motorsport-Total.com) - Einen Tag vor Trainingsbeginn im Albert Park von Melbourne hat das erste Team seine Teilnahme am Grand Prix von Australien (Formel 1 2020 live im Ticker!) zurückgezogen. McLaren hat am späten Donnerstagabend offiziell bekannt gegeben, dass man nicht am Saisonauftakt teilnehmen wird.

Zak Brown, Andreas Seidl

Zak Brown und Andreas Seidl haben eine mutige Entscheidung getroffen Zoom Download

Stand Donnerstagnachmittag (Ortszeit) standen acht Formel-1-Mitarbeiter (darunter ein Ingenieur und drei Mechaniker des Haas-Teams sowie ein Angestellter von McLaren) unter Verdacht, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. Während sieben davon negativ getestet wurden, hat sich der Verdacht im Falle des McLaren-Angestellten inzwischen bestätigt. Das Ergebnis eines neunten Tests ist noch ausständig.

Das Team zog daraus seine Konsequenzen und teilte der Formel 1 und der FIA mit, dass man das Rennwochenende auslassen werde.

Die Entscheidung haben McLaren-Boss Zak Brown und Teamchef Andreas Seidl ebenso "aus Verantwortung gegenüber McLaren-Mitarbeitern und McLaren-Partnern" getroffen wie "gegenüber Mitarbeitern anderer Teams, Formel-1-Fans und allen anderen Formel-1-Stakeholdern".

"Das Team hat sich auf diese Eventualität vorbereitet", schreibt McLaren in einer offiziellen Stellungnahme. Der Mitarbeiter müsse sich nun in Australien in Quarantäne begeben und wird vor Ort behandelt. Mit den Gesundheitsbehörden werde man vollumfänglich kooperieren.

Vor Bekanntwerden des McLaren-Rückzugs hatten bereits Fahrer wie Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel in den Raum gestellt, dass der Grand Prix abgesagt werden sollte. Vettel deutete sogar an, notfalls "die Handbremse ziehen" zu wollen, was von Beobachtern als Streikdrohung interpretiert wurde.

McLaren-Pilot Lando Norris hatte sich am frühen Donnerstagnachmittag, als das positive Testergebnis noch nicht bekannt war, unbesorgt gezeigt, was die Coronavirus-Pandemie betrifft: "Das Einzige, was wir tun müssen, ist ein bisschen mehr auf der sicheren Seite zu sein, was die Hygiene betrifft. Und nix Dummes zu tun im Sinne von zu viele Menschen umarmen oder so."

"Abgesehen davon sind wir hier, weil wir glauben, dass wir hier ein Rennen fahren werden und alles ganz normal ablaufen wird. Mit ein paar zusätzlichen Vorkehrungen hier und da."

Teamkollege Carlos Sainz war da schon zurückhaltender. Seine Worte klingen im Nachhinein fast prophetisch. Es brauche wohl "ein bisschen Glück", den Saisonauftakt reibungslos über die Bühne zu bringen, war ihm da schon klar. Denn: "Jeder weiß inzwischen, wie schnell sich dieses Ding entwickelt."


Fotostrecke: Coronavirus: So sieht man die Angst vor COVID-19 im F1-Paddock

Seitens der Formel-1-Verantwortlichen wurde ein Grand Prix mit weniger als zehn Teams bisher stets ausgeschlossen. Allerdings ging man dabei von behördlichen Schwierigkeiten aus, etwa wenn ein Team nicht in ein Land einreisen würde können. Für den Fall eines freiwilligen Verzichts wie jenen von McLaren stand eine Absage bisher nicht im Raum.

Der öffentliche Druck auf die Entscheider der Formel 1, den Saisonauftakt abzusagen, wächst damit weiter. Bereits zuvor war die Stimmung im Paddock in Melbourne am Donnerstag in Richtung Unverständnis gekippt. Eine Entscheidung, wie es nun weitergeht, steht aber noch aus.

Andrew Westacott, Chef der Australian Grand Prix Corporation (AGPC), sagt: "Die AGPC befindet sich bezugnehmend auf die Implikationen dieses Testergebnisses aktuell in Gesprächen mit der Formel 1, der FIA und dem Gesundheitsministerium."

Die Formel 1 und die FIA haben inzwischen auch Statements veröffentlicht. Diese bleiben allerdings vage und nichtssagend. Es heißt darin lediglich, dass man sich eng mit McLaren abgesprochen habe. Bezüglich der nächsten Schritte habe "die Sicherheit der Fans, der Teams und des Personals Priorität".

(Weitere aktuelle Informationen zu Coronavirus-bedingten Absagen und zusätzliche Infos gibt's in unserem Coronavirus-Ticker!)

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