• 24. Februar 2020 · 11:10 Uhr

Racing Point kopiert Mercedes: Solange es innerhalb der Regeln ist ...

Racing Point hat sich beim RP20 sehr auffällig vom Mercedes W10 inspirieren lassen - Die Gegner haben damit kein Problem, solange man innerhalb der Regeln bleibt

(Motorsport-Total.com) - Beim ersten Formel-1-Test 2020 in Barcelona staunten viele Beobachter in der vergangenen Woche nicht schlecht. Nachdem Racing Point bei seinem offiziellen Launch ein paar Tage zuvor nur einen umlackierten RP19 gezeigt hatte, präsentierte man in Spanien erstmals den neuen RP20. Und der erinnert frappierend an den Weltmeister-Mercedes aus dem vergangenen Jahr.

Lance Stroll

Ein umlackierter Mercedes W10? Nein, das ist der neue Racing Point RP20! Zoom Download

"Da waren wir mit unserer Synergie ziemlich brav. Der Racing Point hat uns jetzt gezeigt, wie weit man gehen kann", erklärt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'auto motor und sport' im Hinblick auf die Mercedes-W10-Kopie. Bei Red Bull macht man kein Geheimnis daraus, dass es eine enge Kooperation mit dem eigenen Nachwuchsteam AlphaTauri gibt. Ähnlich sieht es bei Haas und Ferrari aus.

Per Reglement ist das erlaubt. Zwar müssen die Formel-1-Teams ihre Autos grundsätzlich selbst bauen. Viele Teile dürfen aber auch zugekauft werden. Für AlphaTauri-Teamchef Franz Tost ist das kein Problem, solange "alles innerhalb der Regeln" passiert. "Es gab keine Änderungen bei den Regeln. Deshalb kopieren Teams andere Teams. Das ist in der Formel 1 nicht neu", zuckt er die Schultern.

"Wenn ein Team etwas Neues einführt, dann hat es für drei oder vier Rennen einen Vorteil. Dann holen die anderen auf, weil sie es kopieren", erklärt Tost. Allerdings reiche es dabei nicht aus, einfach nur Fotos von einem anderen Auto zu schießen und dieses dann nachzubauen. "Der Schlüssel ist, dass man auch die Philosophie versteht", so der Österreicher.

Steiner: Alles außer Mercedes-Kopie wäre "ziemlich dumm"

"Nur weil man den Frontflügel und die Nase ähnlich gestaltet, heißt das nicht, dass die ganze Aerodynamik so wie bei einem anderen Team funktioniert. Man muss wirklich verstehen, wie der Unterboden, die Bargeboards und der Diffusor funktionieren", erklärt Tost. Das sei Racing Point offenbar gelungen. "Es sieht nach einem sehr schnellen Auto aus", resümiert er nach der ersten Testwoche.


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Auch Haas-Teamchef Günther Steiner hat kein Problem mit dem von Racing Point gewählten Ansatz. "Die Regeln sind ziemlich klar", erinnert er und erklärt: "Sie verwenden viele Mercedes-Teile an ihrem Auto. Warum sollte sie da [beim Rest] einen Red Bull kopieren? Bei uns ist das auch so. Wir kaufen viele Teile von Ferrari. Welches Auto sollen wir dann kopieren? Vermutlich einen Ferrari." Alles andere sei "ziemlich dumm".

Entscheidend ist im Hinblick auf das Reglement, dass Racing Point die entsprechenden Teile selbst gebaut hat. Denn theoretisch ist es erlaubt, ein anderes Auto eins zu eins zu kopieren - solange es lediglich anhand von eigenen Fotos und Skizzen passiert. Werden konkrete Daten von einem Team ans andere weitergegeben, wäre das illegal. Bei Racing Point betont man, dass das auch nicht passiert sei.

Zukauf von Teilen grundsätzlich positiv oder negativ?

"Jeder hat die Möglichkeit, genau das zu machen, was wir auch gemacht haben", versichert Racing-Point-Technikchef Andrew Green. Und Red-Bull-Teamchef Christian Horner ergänzt: "Ich denke, dass solche Kollaborationen Sinn ergeben." Kleinere Teams, wie neben Racing Point zum Beispiel eben auch AlphaTauri, könnten es sich seiner Meinung nach gar nicht leisten, das komplette Auto selbst zu bauen.


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"Natürlich sieht es bei manchen Teams danach aus, dass sie beim 'Klonen' etwas weiter gegangen sind als andere. Aber solange es innerhalb der Regeln passiert, habe ich kein Problem damit", stellt Horner klar und erklärt, dass es für die Show sogar gut sei, weil es dadurch mehr konkurrenzfähige Autos gebe. "Natürlich will man nicht zehn Autos, die alle gleich aussehen", weiß Horner.

Grundsätzlich sei ein (legaler) Transfer bei gewissen Teilen aber sinnvoll. Etwas kritischer sieht es McLaren-Teamchef Andreas Seidl, der dabei vor allem die Zukunft der Formel 1 im Blick hat. "Es gehört zur DNA der Formel 1, dass es gewisse Teile gibt, die man als Hersteller selbst bauen muss", erinnert er. Daher sei es der falsche Weg, es den Teams zu erlauben, zu viele Teile zukaufen zu dürfen.

Seidl: Überwachung vor allem ab 2021 wichtig

"Die Regeln sind klar. Es ist nur wichtig, dass diese Regeln befolgt und überwacht werden", mahnt er und erklärt, dass das vor allem ab der Saison 2021 wichtig sei. "Wenn die Budgetobergrenze kommt, müssen wir sicherstellen, dass es auch wirklich eine Grenze ist, die auch für alle gleich ist", so Seidl, der befürchtet, dass man die Budgetobergrenze mit gewissen Kollaborationen umgehen könnte.


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Hintergrund: Weil das Budget ab 2021 eingeschränkt wird, könnte Team A viel Geld in einen Bereich der Entwicklung stecken, während Team B sich auf einen anderen Bereich konzentriert. Durch eine enge Zusammenarbeit hätten letztendlich beide einen Vorteil. Deswegen ist es laut Seidl besonders ab 2021 wichtig, dass keine Daten zwischen einzelnen Teams übertragen werden.

"Für mich ist wichtig, dass das ab 2021 ordentlich überwacht wird", fordert er. Für McLaren sei das ohnehin nicht der richtige Weg, wie auch Pilot Lando Norris betont. "Wir sollten selbst Dinge erfinden und unsere eigenen Ideen entwickeln. Das ist, was McLaren kann. Wir konzentrieren uns auf uns selbst und nicht auf andere. Das ist nicht der Weg, wie wir das machen sollten", so Norris.

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