• 18. August 2018 · 12:52 Uhr

20 Jahre nach dem WM-Gewinn: Mika Häkkinen im Interview

Sein erster WM-Titelgewinn ist jetzt 20 Jahre her: Mika Häkkinen über seinen Triumph im McLaren-Mercedes 1998 und die Entwicklung der Formel 1

(Motorsport-Total.com) - "Wow. Das ist lange her." Mika Häkkinen wirkt für einen kurzen Moment nachdenklich, als er im Interview mit 'Motorsport-Total.com' auf seinen WM-Titelgewinn von vor 20 Jahren angesprochen wird. Damals, als er im McLaren-Mercedes die Formel 1 aufmischte und sich im Duell mit Michael Schumacher zum Sieger krönte. Ein ganz anderes Zeitalter. Aber wie oft erinnert sich der heute 49-Jährige eigentlich bewusst daran zurück? "Meist, wenn ich darauf angesprochen werde", sagt Häkkinen. Und er lächelt.

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Vor 20 Jahren: Mika Häkkinen gewann die Formel-1-WM für McLaren Zoom Download

Gleich zu Beginn unseres Gesprächs am Rande des Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim offenbart Häkkinen damit ein Stück seiner Persönlichkeit. Nach einem Rennfahrer-Leben auf der Überholspur kümmert ihn die Vergangenheit jetzt herzlich wenig: "Ich schaue eigentlich nicht oft zurück, wenngleich es da natürlich einige sehr emotionale Momente gab. Aber ich lebe im Hier und Jetzt, blicke nach vorne in die Zukunft. Das ist mir wichtig", sagt Häkkinen. "Denn selbst wenn du in der Vergangenheit mal einen schönen Erfolg hattest, du kannst dich nicht dein ganzes Leben lang darauf berufen. Es geht immer nur darum, was als nächstes kommt."

Entsprechend gespannt verfolgt der Finne, wie sich die Formel 1 entwickelt, welche Neuerungen Einzug halten, welche Nachwuchspiloten aufsteigen. "Das Schöne ist: Heute können die Fahrer ihr Talent und ihr Potenzial besser zeigen", meint Häkkinen mit Blick auf das 2017 eingeführte Reglement, das breitere Autos und mehr Grip hervorbrachte. "Als Fahrer brauchst du wieder mehr Mut. Das ist jetzt gut erkennbar. Und deshalb hat die Formel 1 meiner Meinung nach einen guten Schritt gemacht."

Formel 1 kann nicht perfekt sein - oder doch?

Doch Häkkinen äußert auch Kritik: "Ich wünschte nur, die Fahrer könnten jederzeit Vollgas geben. Man sollte die Motoren maximal fordern können, zu jeder Zeit. Denn es sollte dem Fahrer überlassen bleiben, ob er den Fuß vom Gas nimmt und Sprit spart. Aber es braucht eben Kompromisse", sagt der zweimalige Formel-1-Weltmeister. "Das perfekte Szenario wird es ohnehin nie geben, auch wenn das für einen Rennfahrer natürlich schöner wäre. Solange die Formel 1 keine Rückschritte macht, passt es schon. Ich halte die Formel 1 noch immer für echtes Racing."

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Interview in Hockenheim: Redakteur Stefan Ehlen mit Mika Häkkinen Zoom Download

So wie damals, als er sich mit Schumacher einige Duelle auf Messers Schneide lieferte - wie 2000 in Spa-Francorchamps. Häkkinen kämpfte mit Schumacher um den Sieg und zeigte dabei eines der berühmtesten Überholmanöver der Formel-1-Geschichte: Er kassierte auf der Kemmel-Geraden sowohl Schumacher als auch den zu überrundenden Ricardo Zonta in einem Aufwasch. Gänsehaut pur, auch 18 Jahre später, wie Häkkinen gesteht: "Es gab schon viele gute Szenen, aber das war eine der besten."

Ähnliche Emotionen, ein ähnliches Hochgefühl habe er zu seiner aktiven Zeit sonst nur in Hockenheim verspürt. Dort war ihm in seiner Meistersaison 1998 ein viel umjubelter Heimsieg für Motorenpartner Mercedes gelungen. "Die Strecke damals war unglaublich", sagt Häkkinen über die 6,8 Kilometer lange Grand-Prix-Variante, wie sie bis 2001 befahren wurde.

Die legendären Waldgeraden in Hockenheim

Vom Gegensatz zwischen Motodrom und Waldgeraden schwärmt der Finne bis heute: "Die Geraden waren einfach nur verrückt", sagt Häkkinen. "Mit einem Formel-1-Auto warst du 350 km/h schnell, immer voll am Gas, der Motor heulte schrill. Und du hattest sehr viel Zeit zum Nachdenken. Psychologisch war das sehr schwierig. Du musstest dich schon intensiv darauf vorbereiten, um in Hockenheim deine Bestleistung abzurufen. Denn bei solchen Geschwindigkeiten geht alles ganz schnell."

Dank solcher Erfahrungen genießt Häkkinen auch heutige Formel-1-Austragungsorte, wenngleich einige davon als "Micky-Maus-Kurse" verschrien sind. "Es gibt sie aber immer noch: Rennstrecken, die fahrerisch extrem fordernd sind", meint Häkkinen. "Baku zum Beispiel." Der Gegensatz zwischen langer Zielgerade und engen Stadtsektoren berge Hochspannung. Ein bisschen wie seinerzeit in Hockenheim.


Fotostrecke: Die Karriere des Mika Häkkinen

Apropos: Was hat Häkkinen 2018 eigentlich ins Motodrom zurückgebracht? Der Ex-Champion ist zwar im Fahrermanagement tätig, aber längst nicht mehr bei jedem Grand Prix vor Ort. Weil aber Häkkinens Partner - der Spirituosenhersteller Diageo - mit der Marke Johnnie Walker Werbung für die Kampagne "Join the Pact" (gegen Alkohol am Steuer) macht, darf Häkkinen als Markenbotschafter nicht fehlen. Ein Alkoholhersteller und ein zweimaliger Motorsport-Weltmeister? "Die Leute sind neugierig, wie das zusammenpasst", sagt Häkkinen und grinst. Mit ihm als Galionsfigur hat die Kampagne bereits über acht Millionen Unterschriften gesammelt - von Personen, die sich gemäß dem Motto dazu verpflichtet haben, keinen Alkohol zu konsumieren, wenn sie anschließend noch Auto fahren.

"Und Sie sind Formel-1-Fahrer?" "Ja, klar!"

"Acht Millionen - das sind mehr als es in Finnland Einwohner gibt. Das ist schon eine stolze Zahl", sagt Häkkinen. "Warum ich selbst dabei bin? Über die Jahre habe ich erkannt, wie wichtig Johnny Walker dieses Thema nimmt. Und erst vor wenigen Tagen habe ich über einen Vater gelesen, dessen elfjährige Tochter von einem Betrunkenen überfahren und getötet wurde. Der Unfallfahrer hatte bereits zum zweiten Mal einen solchen Unfall verursacht. Deshalb ist es so wichtig, die Leute vom Trinken abzuhalten, wenn sie fahren. Kampagnen wie diese helfen dabei, die Botschaft unter die Leute zu bekommen. Und wenn du damit jemanden erreichst, ist es schon ein Erfolg."

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Mika Häkkinen vs. Michael Schumacher: Dieses Duell begeistert die Fans bis heute Zoom Download

Dabei verbindet man in Deutschland die Begriffe "Häkkinen" und "Straßenverkehr" eher mit den humorvollen Mercedes-Werbespots der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Stichwort: "Und Sie sind Formel-1-Fahrer?" "Ja, klar!" Wieder ist da dieses breite Grinsen im Gesicht des früheren Grand-Prix-Piloten. "Ach, das war lustig damals. Und die Spots liefen auch ziemlich erfolgreich. An diesen einen kann ich mich sogar noch sehr gut erinnern. Ich hatte eine sehr professionelle Schauspielerin bei mir im Auto. Ich dagegen hatte überhaupt keine Ahnung von der Schauspielerei. Aber es wurde gut. Wir sollten das wieder mal machen!"

Tatsächlich hat Mercedes Häkkinen in den vergangenen 20 Jahren häufig in Werbespots eingesetzt, selbst nach der aktiven Motorsport-Laufbahn des heute 49-Jährigen. Dabei traf er unter anderem auf Boris Becker und Franz Beckenbauer - und auch auf seinen früheren Rivalen Schumacher. War der Deutsche sein größter Gegner aller Zeiten? Eine Antwort auf diese Frage bleibt Häkkinen schuldig, meint nur: "Michael war hochprofessionell, auch unter hohem Druck, auch in schwierigen Manövern. Er hatte sich gut unter Kontrolle, was vielen anderen Fahrern nicht gelingt. Michael war da unheimlich gut."

Für einen kurzen Moment schwebt dieser letzte Satz im Raum im Paddock-Club über der Boxengasse in Hockenheim, wo unter uns gerade die Porsche-Cup-Fahrzeuge aus dem Rahmenprogramm über die Zielgerade donnern. Es dröhnt in den Ohren. Und dann sagt Häkkinen: "Danke für das Gespräch. Ich muss weiter." Denn er schaut lieber nach vorne als zurück ...

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