• 22. Juni 2014 · 08:54 Uhr

Red Bull & Renault: Eigener AVL-Antrieb nicht realistisch

Das Gerücht, wonach Red Bull gemeinsam mit AVL selbst einen Formel-1-Antrieb entwickeln könnte, um Renault loszuwerden, wird als nicht realistisch eingestuft

(Motorsport-Total.com) - Im Vorfeld des Grand Prix von Österreich kamen Gerüchte auf, wonach Red Bull künftig seinen eigenen Formel-1-Antrieb bauen könnte. Das Weltmeister-Team der vergangenen vier Jahre ist mit dem aktuellen Partner Renault, mit dem man alle acht Titel (Fahrer und Konstrukteure) gewonnen hat, derzeit sehr unglücklich. Da liegt die Idee, sich zumindest mal nach Alternativen umzusehen, nahe.

Helmut Marko, Remi Taffin

Remi Taffin von Renault im Gespräch mit Helmut Marko von Red Bull Zoom Download

Aber Mercedes hat kein Interesse daran, dem wahrscheinlich stärksten Gegner die wahrscheinlich besten Antriebseinheiten zur Verfügung zu stellen, ebensowenig wie Ferrari einem Konkurrenten dabei helfen wird, stärker zu werden. Alternativen von außerhalb der Formel 1 gibt es nicht - zumindest nicht kurzfristig. Also wäre es theoretisch denkbar, dass Red Bull viel Geld und die Sache selbst in die Hand nimmt, um nicht mehr auf die Performance eines Partners angewiesen zu sein. Das war vor Jahren schon mal Thema.

Das Gerücht, wie es im Raum steht: Red Bull bezahlt AVL in Graz und andere externe technische Partner, um einen Red-Bull-Motor zu entwickeln. "Wir haben in Österreich viele sehr kompetente Firmen, die sich mit Motoren beschäftigen", sagt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'Sky Sports F1'. "Pankl ist nur 30 Kilometer von hier entfernt, und AVL 70." Tatsächlich besitzen beide Firmen Kompetenzen im Formel-1-Antriebsbereich und arbeiten schon jetzt mit mehreren Teams zusammen.

Marko kokettiert mit AVL-Gerücht

Man sollte niemals nie sagen, vermeidet es Marko, Gerüchten nach einem AVL-Motor mit Red-Bull-Logo den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und er ergänzt: "Wir ziehen alle Alternativen in Betracht." Das AVL-Gerücht kommt ihm dabei sehr gelegen, schließlich hat Red Bull bisher wenig unversucht gelassen, um den Druck auf Renault zu erhöhen. Da gab es eine Story um angebliche Schadenersatzforderungen, die später dementiert wurde, und es gibt ein Ultimatum zum Heim-Grand-Prix in Österreich.

Bis Spielberg muss der kritisierte Antriebspartner Renault Red Bull einen "Abschlussbericht" vorlegen. "Diesen wird es geben", unterstreicht Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz in der 'Kleinen Zeitung'. "Und dann wird sich entscheiden, ob es beim bestehenden Motor noch Entwicklungspotenzial gibt oder ob es einer Neuentwicklung bedarf, um den Mercedes-Standard zu erreichen." Alternativen gebe es "immer, einen Kundenmotor von Mercedes sehe ich für Red Bull aber eher nicht".


Die Steiermark und die Formel 1

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"Denn Mercedes will in den nächsten Jahren selbst Weltmeister werden", begründet Mateschitz und räumt gegenüber der 'APA' ein, dass man "nicht viele Alternativen" habe. Und: "Wir glauben auch nicht, dass wir mit einem Kundenmotor von Ferrari oder Mercedes glücklich werden. Die wollen ja selbst die Weltmeisterschaft gewinnen." Also bleibt Honda, nur für 2015 exklusiv an McLaren gebunden, die realistischste Ausweichvariante. Mateschitz: "Danach wären sie frei."

Und für 2015, das bestätigt sogar Marko, ist eine Trennung von Renault trotz aller Kritik kein Thema: "Wir werden 2015 definitiv mit Renault fahren." Die AVL-Variante ist ohnehin nicht realistisch: Das Grazer unternehmen würde vermutlich drei bis vier Jahre brauchen, um einen konkurrenzfähigen Formel-1-Antrieb auf die Beine stellen zu können, auch wenn ein solches Projekt rein theoretisch - mit aufgestocktem Personal - durchaus zu stemmen wäre. Praktisch wird das nicht passieren.

Mateschitz: Eigener Motor kein Thema

Auch, weil AVL nicht nur mit Red Bull, sondern mit vielen Formel-1-Teams zusammenarbeitet, und man diese lukrativen Partnerschaften mutmaßlich beenden müsste. Doch Mateschitz hat an einem solchen Projekt offenbar ohnehin kein ernsthaftes Interesse: "Wir sind kein Automobilhersteller. Unsere primäre Kompetenz ist nicht der Bau von Motoren", widerlegt er die aufgekommenen Medienberichte, wonach Red Bull einen solchen Plan B ernsthaft in Betracht ziehen soll.

Renault-Turbomotor

Der Renault-Turbomotor wird von Red Bull zum Teil scharf kritisiert Zoom Download

"Wir haben in Österreich ein enormes Technologie-Know-how", meint Formel-1-Experte Alexander Wurz im 'ORF'. "Aber dass man so weit geht, einen eigenen Motor zu bauen, wissend, dass Firmen wie Mercedes und Renault hunderte Millionen investieren müssen, dann wird das schon eine sehr große Nummer. Da stellt sich die Frage: Rechnet sich das? Aber das muss Red Bull selbst beantworten." Wobei er es immerhin für theoretisch möglich hält, ein solches Projekt sogar innerhalb von zwei Jahren zu stemmen.

Am wahrscheinlichsten ist also, dass Red Bull die in der Vergangenheit so erfolgreiche Partnerschaft mit Renault fortsetzen wird. Der erste Schritt findet schon an diesem Wochenende statt: Das neue Benzin, das Total entwickelt hat, soll zehn PS mehr Leistung bringen. Das wird nicht reichen, um die Lücke zwischen Renault und Mercedes zu schließen, aber es zeigt, dass das Potenzial des Renault-Antriebs noch nicht ausgeschöpft ist. Der Glaube an eine "Heilung" ist also berechtigt...

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