Charles Leclerc gibt zu: Habe mich geirrt, was Red Bull betrifft
McLaren fährt der Konkurrenz davon: Ferrari-Fahrer Charles Leclerc erklärt in Zandvoort, warum er mit seiner Einschätzung von 2023 völlig falschlag
(Motorsport-Total.com) - 2023 hatte Ferrari-Fahrer Charles Leclerc beim Formel-1-Rennen in Zandvoort erklärt, dass Red Bull bis zum Ende der aktuellen Regelperiode uneinholbar vorne liegen werde. "Mit dieser Einschätzung lag ich ganz klar falsch", sagte Leclerc nun in Zandvoort, zwei Jahre danach.

© Getty Images/Red Bull Content Pool
Fotomontage: Charles Leclerc vor einem Red-Bull-Logo Zoom Download
"Ich werde wohl das Wort 'unmöglich' nicht mehr verwenden, denn McLaren hat uns alle eines Besseren belehrt."
Nicht nur, dass McLaren bereits 2024 den Titel in der Formel-1-Konstrukteurswertung gewann - das englische Traditionsteam mit neuseeländischen Wurzeln dominiert die Saison 2025 deutlich: Die beiden McLaren-Fahrer Oscar Piastri und Lando Norris liefern sich einen Zweikampf in der Fahrerwertung. Diese Dominanz bezeichnet Leclerc als "die große Überraschung des Jahres".
"Wir alle dachten, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht hätten", sagte Leclerc. "Wir alle dachten, dass im letzten Jahr dieser Formel-1-Regeln alle näher zusammenrücken würden. Das galt auch für Red Bull, Mercedes und uns. McLaren aber scheint etwas gefunden zu haben, was wir nicht gefunden haben."
Leclerc: Alle anderen müssen besser werden
Dafür müsse man McLaren Respekt zollen, meint Leclerc. "Und jetzt liegt es an uns, besser zu sein und zu versuchen, McLaren einzuholen - auch wenn es dafür schon ziemlich spät ist. Denn McLaren hat einen großen Vorsprung und für uns wird es schwierig. Aber wir wollen so schnell wie möglich Rennen gewinnen, und dann denken wir an nächstes Jahr."
Ob sich Ferrari dabei auch an McLaren orientiert und den MCL39 von Norris und Piastri deshalb genau unter die Lupe nimmt? Und wie viel investiert ein Topteam wirklich, um hinter die Geheimnisse seiner Gegner zu kommen?
"Das ist eine sehr gute Frage", sagte Leclerc. "Es stimmt schon: Das Fahrerlager ist eine sehr kleine Welt. Jedes Jahr wechseln Mechaniker und Ingenieure die Teams. Da hört man Dinge, die einem eine Richtung geben. Man beginnt zu überlegen, wie andere Teams das erreicht haben."
Doch laut Leclerc ist die Eigenrecherche nur ein Faktor von vielen. "Auch die Journalisten spielen dabei eine große Rolle", erklärt er. "Sie versuchen, Dinge herauszufinden - und das gibt uns Hinweise."
Warum Rückstand ein schlechtes Zeichen ist
Doch so weit sollte es im Idealfall gar nicht kommen, meint Leclerc: "Unsere Hauptaufgabe besteht darin, so etwas vorauszuahnen und bei solchen Entwicklungen ganz vorne zu sein - bei Dingen, die noch niemand gemacht hat. Denn wenn man immer nur hinterherläuft, wird man stets Zweiter."
"Aber klar: Wenn ein Team einen solchen Sprung macht wie McLaren, dann wollen natürlich alle anderen Teams verstehen, was da passiert ist. Das haben wir im Hinterkopf - obwohl wir eigentlich selbst Lösungen finden wollen, die sonst noch niemand gefunden hat."