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Briatore gibt Fehler zu: Vielleicht Druck bei Colapinto unterschätzt!
Flavio Briatore muss eingestehen, dass sein Management-Stil für Franco Colapinto vielleicht nicht richtig war: Wurde der Argentinier zu früh befördert?
(Motorsport-Total.com) - Hat Flavio Briatore eine späte Einsicht? Der Berater von Alpine, der nach dem Abgang von Oliver Oakes aus interimistisch die Leitung des Rennstalls übernommen hatte, gibt zu, dass er möglicherweise zu viel Druck auf den zweiten Fahrer im Team ausgeübt hat.

© Getty Images Europe
Flavio Briatore ist mit den Ergebnissen von Franco Colapinto nicht zufrieden Zoom Download
Um das zweite Cockpit bei den Franzosen gibt es 2025 eine Menge Diskussionen. Rookie Jack Doohan hatte die Saison im A525 begonnen, hatte aber schon vor dem ersten Rennen das Damoklesschwert Franco Colapinto über sich schweben, der nur darauf lauerte, den Australier zu ersetzen.
Der Druck machte sich bemerkbar: Doohan konnte mit Teamkollege Pierre Gasly nicht mithalten und wurde nach nur sechs Rennen durch den Argentinier abgelöst. Das Problem: Die Ergebnisse wurden nicht besser. Auch Colapinto wartet nach acht Rennen noch auf seinen ersten Punkt.
Zwar bekam er bereits mehr Zeit im Auto als Doohan, doch auch er fährt unter Bewährung: Erst kündigte Alpine fünf Rennen an, dann wollte man ihn auf Rennen-zu-Rennen-Basis bewerten.
Überraschende Einsicht bei Briatore
Briatore räumt nun ein, dass sein strenges Management seiner Fahrer möglicherweise nicht die produktivste Herangehensweise war. Er gibt zu, dass sowohl Colapinto als auch zuvor Doohan in eine schwierige Lage gebracht wurden.
Formel-1-Fahrerwechsel während der Saison in den letzten 20 Jahren
2005 - 7 Fahrerwechsel: Juan Pablo Montoya (McLaren) fällt nach einem Sportunfall aus und wird von Alex Wurz und Pedro de la Rosa vertreten. Auch Nick Heidfeld (Williams) verletzt sich und muss aussetzen. Bei Red Bull sollen sich Christian Klien und Vitantonio Liuzzi das Cockpit teilen, und Patrick Friesacher geht das Minardi-Geld aus. Fotostrecke
"Wir haben Doohan durch Franco ersetzt und vielleicht hat er das gleiche Problem: zu viel Druck, um in der Formel 1 zu bestehen", sagt er am Freitag in der Pressekonferenz. "Vielleicht haben wir zu viel Druck auf ihn ausgeübt. Wir müssen manchmal bedenken, dass der Fahrer ein Mensch ist, und wir müssen manchmal genau verstehen, was in deren Köpfen vorgeht, weil sie jung sind: 19, 20, 22, 23 ..."
"Es ist unser Fehler, manchmal den menschlichen Aspekt des Fahrers zu unterschätzen", meint der Italiener. "Wir schauen immer nur auf die Rundenzeiten. Vielleicht habe ich da im Management des Fahrers etwas übersehen."
Colapinto zu früh befördert?
Briatore deutet außerdem an, dass Colapinto womöglich zu früh befördert wurde und mehr Zeit gebraucht hätte, um sich einzuleben, anstatt jedes Wochenende unter dem Mikroskop neben dem stark performenden Gasly zu stehen.
"Ich glaube, für einen Fahrer ist es sehr schwierig, mit diesem Auto zurechtzukommen", sagt Briatore. "Vielleicht war es nicht der richtige Zeitpunkt, Franco in die Formel 1 zu holen, vielleicht hätte er noch ein Jahr gebraucht, um ein Teil der Formel 1 zu sein."
"Ich bin nicht zufrieden, wenn man auf die Ergebnisse schaut, und die sind nun mal entscheidend", betont er. "Er hat es sehr hart versucht. Wir haben mit dem Ingenieursteam sehr hart gearbeitet, um ihm in allem entgegenzukommen, aber ehrlich gesagt ist es nicht das, was ich von Colapinto erwarte."
Vowles: Ohne Druck funktioniert es
Einer, der es geschafft hat, Colapinto zum Funktionieren zu bringen, ist James Vowles. Er hatte den Youngster im vergangenen Jahr anstelle von Logan Sargeant in den Williams gesetzt - und das mit Erfolg. Colapinto konnte seinen erfahreneren Teamkollegen Alexander Albon herausfordern, Punkte holen und so zum Shootingstar avancieren.
Sein Geheimnis: "Wenn der Druck nicht da ist, kannst du viel mehr aus einem Fahrer herausholen, weil er sich nicht darum sorgt, dass eine unmittelbare Leistung Auswirkungen hat."
Ein gutes Beispiel ist für ihn Colapintos erster Einsatz im Training von Silverstone. "Er dachte, es wäre seine einzige Chance, jemals dazuzukommen, und meine Botschaft an ihn vorher war: 'Es hat nichts mit Rundenzeiten zu tun, sondern damit, dass du dich entspannst und den Moment genießt, weil er vielleicht nie wiederkommt.' Und er hat eine herausragende Leistung gezeigt."
"Die zweite Veränderung ist, dass heute drei Zehntel das gesamte Feld trennen. Wenn du also einen kleinen Fehler machst - und ein kleiner Fehler sind schon ein Zehntel - bist du Letzter. Das ist eine ganz andere Welt als früher, wo du ein Zehntel hinter deinem Teamkollegen liegen konntest und es niemand bemerkt hätte", so Vowles.
"Ich denke, diese beiden Veränderungen machen es jetzt deutlich schwieriger."