• 23. Juni 2023 · 09:46 Uhr

Damon Hill: Formel 1 muss auf synthetische Kraftstoffe setzen

Wie eine Probefahrt im Kart den früheren Weltmeister Damon Hill von synthetischen Kraftstoffen überzeugt hat und was er der Formel 1 für die Zukunft rät

(Motorsport-Total.com) - "Man muss einfach ehrlich umgehen mit Problemen", meint Damon Hill, der Formel-1-Weltmeister von 1996. Und deshalb glaubt er: Die Formel 1 als Rennserie muss sich in naher Zukunft von ihren Turbo-Hybrid-Antrieben verabschieden und sich stattdessen Verbrennungsmotoren mit synthetischen Kraftstoffen zuwenden.

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Der frühere Formel-1-Weltmeister Damon Hill als TV-Experte bei Sky Zoom Download

Wie Hill zu dieser These kommt? Er hat unlängst auf einer Kartbahn im Südwesten von London in England ein Kart mit synthetischem Kraftstoff ausprobiert, und er war sofort begeistert. "Es fuhr traumhaft", meint Hill. "Mein Eindruck war: Die Kraftstoff-Annahme war damit etwas besser. Und Sound und Leistung waren genau gleich wie bei einem Benziner."

Das entscheidende Plus am synthetischen Kraftstoff, wie ihn Hill bei seiner Probefahrt verwendet hat, sei aber dessen Umweltverträglichkeit, weil dieser aufgrund seiner besonderen Herstellung "neutral für die Atmosphäre" sei, so Hill.

Wenn es sich im Kartsport bewährt, dann ...

Letzteres gelte für die Kraftstoffe, wie sie das Unternehmen Zero des früheren Formel-1-Ingenieurs Paddy Lowe produziert. Ein solcher synthetischer Kraftstoff befeuerte Hills Kart auf der Rennstrecke.

Und Hill meint: Was im Kleinen funktioniert, muss im Großen ebenfalls funktionieren. Zumal die Formel 1 vor einer "großen technischen Herausforderung" stehe, "einerseits nachhaltig zu werden und trotzdem die gewünschte Leistung erzielen zu können", so Hill. Das sei aktuell eine der drängenden Fragen im Motorsport.

"Die Größe und das Gewicht der Fahrzeuge sind ein zunehmendes Problem auf dem Weg, so grün wie möglich zu werden, vor allem in der Formel 1. Es handelt sich zwar um effiziente Maschinen, aber sie sind riesig und schwer, und das hat Auswirkungen auf die Agilität der Fahrzeuge."

"Das bringt uns zu der Frage, wie sinnvoll es ist, vollelektrische oder hybride Fahrzeuge in einem solchen Wettbewerb einzusetzen", sagt Hill und bringt seine These ins Spiel, ob Verbrennungsmotoren mit synthetischen Kraftstoffen nicht eine bessere Lösung wären für den Motorsport.

Es kann für alles eine Nische geben. Der richtige und sinnvolle Einsatz von Technologien und Innovationen für unterschiedliche Disziplinen könnte eine bessere Perspektive bieten."

"Wenn die Formel 1 sagen würde, 'wir haben einen Weg gefunden, wie wir wieder auf reine Verbrennungsmotoren zurückgehen können, aber ohne die CO2-Belastung der Atmosphäre zu erhöhen', dann wären meiner Meinung nach sehr viele Leute zufrieden."

Das Problem: Synthetische Kraftstoffe sind teuer

Das Argument, synthetische Kraftstoffe seien schlicht zu teuer, wird es laut Lowe bald nicht mehr geben. Er sagte unlängst im Mitglieder-Stammtisch von Formel1.de auf YouTube: "Wir prognostizieren, dass synthetische Kraftstoffe binnen zehn Jahren gleich viel kosten wie fossile Kraftstoffe. Das ist heute noch nicht der Fall, aber diese Evolution wird kommen."

"Nach zehn Jahren werden synthetische Kraftstoffe sogar günstiger sein als fossile Kraftstoffe. Und in den Jahrzehnten danach werden wir irgendwann vollkommen auf synthetische Kraftstoffe wechseln und gar keine fossilen Kraftstoffe mehr verbrauchen."

Den einen Weg in eine nachhaltige Zukunft gäbe es nicht, meint Lowe. "Wir brauchen alle möglichen Lösungen, um fossile Kraftstoffe zu ersetzen. Ich halte es dabei für falsch, bestimmte Lösungen durchzudrücken. Wir brauchen den Erfindergeist. Es war zum Beispiel nicht sinnvoll, Elektroantriebe als die einzige Antwort vorzugeben."

Politische Kehrtwende erlaubt Ideen-Vielfalt

Die Politik hat hierzu bereits eine Kehrtwende vollzogen und das eigentlich bereits beschlossene Verbrenner-Verbot wieder aufgeweicht. Lowe: "Dass nun doch auch synthetische Kraftstoffe und nicht nur elektrische Antriebe möglich sein werden, ist wirklich gut, weil wir das alles brauchen."

"Wir unterstützen die Elektromobilität, weil Elektroautos fantastisch sind. Ich glaube nur nicht, dass Elektroautos die einzig zulässige Antwort sein sollten."

Zumal synthetische Kraftstoffe laut Lowe das Potenzial haben, "eine ganz neue Ära bei der Kraftstoff-Entwicklung" einzuläuten. "Derzeit haben wir eine recht eingeschränkte Bandbreite an fossilen Kraftstoffen. Mittelfristig wird es viel bessere [synthetische] Kraftstoffe geben, die noch dazu viel sauberer in den Motoren eingesetzt werden können, und das bei viel besserer Effizienz."

Deshalb sehe er eine "rosige Zukunft für Verbrennungsmotoren", und nicht nur im Automobil-Sektor, sondern zum Beispiel auch im Luftverkehr. "Da hat man eigentlich keine Wahl", sagt Lowe. "In dieser und vielen anderen Branchen sind synthetische Kraftstoffe die einzige skalierbare Lösung."

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