• 28. Oktober 2022 · 11:14 Uhr

Der kuriose Weg zum Urteil: Warum Alonso Platz 7 behalten darf

Fernando Alonso darf Platz 7 in Austin nach einem wendereichen Verfahren jetzt doch behalten - Ein Blick in die entscheidenden Feinheiten des FIA-Dokuments 71

(Motorsport-Total.com) - Der Weg zur Entscheidung, dass Fernando Alonso den siebten Platz beim Grand Prix der USA 2022 in Austin, Texas, letztendlich doch behalten darf, war gepflastert mit einer ganzen Reihe kurioser Details. Die letzte Wende in dem ungewöhnlichen Verfahren, das sich über fünf Tage hinzog, fand am späten Donnerstagabend in Mexiko statt, als um 23:25 Uhr Ortszeit das Dokument 71 der FIA zum Rennen in Austin veröffentlicht wurde.

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Fernando Alonso erhält seinen siebten Platz zurück, das steht jetzt endlich fest Zoom Download

Bereits um 20:45 hatte ein Hearing stattgefunden, um zunächst zu bestimmen, ob das Verfahren "Right of Review" überhaupt zulässig ist, nachdem Renaults Protest gegen den Protest des Haas-Teams am Donnerstagabend zunächst abgewiesen worden war.

Alpine-Sportdirektor Alan Permane brachte dabei zwei Kernargumente vor. Erstens: Alpine wusste am Rennsonntag in Austin bis 20:53 Uhr Ortszeit nichts davon, dass Haas den Protest 24 Minuten zu spät eingereicht hatte. Daher hätte man den Protest gegen den Protest selbst gar nicht früher einreichen können.

Denn, bizarr: Im ersten Urteil am Donnerstag hatten die Kommissare den Protest von Alpine zunächst abgewiesen. Ausgerechnet, weil Alpines Protest nicht fristgerecht eingereicht worden sei - obwohl der Haas-Protest in Austin, ebenfalls nicht fristgerecht eingereicht, zugelassen wurde.

Und zweitens: Alpine erfuhr erst bei der Protestanhörung am Donnerstag in Mexiko davon, dass Haas in Austin von der Rennleitung informiert wurde, man habe eine Stunde Zeit für das Einreichen des Protests, obwohl es in Wahrheit nur eine halbe Stunde war.

Was Wittichs Rennleitung falsch gemacht hat

Das, das sei am Rande erwähnt, ist bereits das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, dass die FIA-Rennleitung rund um Niels Wittich von den FIA-Rennkommissaren kritisiert wird. Die Rennleitung hätte Haas nicht in die Irre führen und glauben lassen dürfen, dass eine Stunde Zeit ist, um einen Protest zu deponieren.

Bereits in Austin hatten sich die Kommissare "zutiefst besorgt" über die Tatsache gezeigt, dass Alonso "nicht die schwarz-orange Flagge gezeigt wurde, beziehungsweise nicht zumindest ein Funkspruch stattgefunden hat, um die Situation zu klären, trotz zweimaliger Kontaktaufnahme des Haas-Teams mit der Rennleitung".

Wie dem auch sei: Für die Kommissare Silvia Bellot, Enrique Bernoldi, Garry Connelly und Dennis Dean war aufgrund Permanes Argumentation klar, dass signifikante neue Beweise vorliegen, die das Verfahren "Right of Review" zulassen. Das wurde dann gleich im Anschluss verhandelt und bezog sich, wie ursprünglich von Alpine gewollt, auf die Zulässigkeit des Haas-Protests in Austin.

Wie Alpine argumentiert hat

Permane argumentierte mit vier Punkten. Erstens: Für die 30-Minuten-Frist gibt es laut Artikel 13.3.5 des Internationalen Sportgesetzbuchs keine Toleranzen. Zweitens: Das darin formulierte Wort "unmöglich" wurde per Oxford-Dictionary definiert. Drittens: Ein FIA-Offizieller hätte Haas niemals die Erlaubnis erteilen dürfen, das Sportgesetzbuch zu brechen.

Und viertens - letztendlich der springende Punkt - gab Haas im Zuge der Anhörung zu, dass es theoretisch möglich gewesen wäre, den Protest in Austin zumindest handschriftlich innerhalb von 30 Minuten nach Veröffentlichung des provisorischen Rennergebnisses einzureichen. Damit sei es per Definition nicht mehr "unmöglich" gewesen, die Frist von 30 Minuten einzuhalten.

Urteil: Noch ein Seitenhieb gegen Wittich

Interessant auch, dass die Kommissare an ihr Urteil noch "Observations" anhängen, also Beobachtungen, die nicht unmittelbar mit der Urteilsbegründung zu tun haben. Zum Beispiel, dass man - ein erneuter Seitenhieb in Wittichs Richtung - nach wie vor "besorgt" darüber sei, dass Alonso in Austin trotz des fehlenden Rückspiegels erlaubt wurde, auf der Strecke zu bleiben.

Darüber hinaus sprechen die Kommissare die "starke Empfehlung" aus, den Einsatz der schwarz-orangen Flagge zu evaluieren, um das Risiko zu minimieren, das durch auf der Strecke fahrende Autos mit einem Schaden entsteht. FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, heißt es weiter, habe diesbezüglich aber bereits eine Evaluierung in Auftrag gegeben.

Das sagt Kevin Magnussen

Sehr zur Freude von Kevin Magnussen, der vor dem langen Protestabend am Donnerstag in Mexiko gefordert hatte, dass die FIA die Einsatzregeln für die schwarz-orange Flagge präzisieren muss. Es könne nicht sein, findet er, dass ihm dreimal für Lappalien die schwarz-orange Flagge gezeigt wurde, Alonso aber in Austin ohne Rückspiegel ungestraft weiterfahren durfte.

Wobei Magnussen klarstellt: "Mir ist beides recht. Wenn du eine Berührung hattest und deine Endplatte fällt ab, fein, kannst du weiterfahren. Auch wenn ich das Argument verstehe, dass so ein Teil jemanden am Kopf treffen kann. Man könnte aber auch sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es abfällt und jemanden trifft, sehr gering ist."

Die Sicherheit müsse an erster Stelle kommen. Und er ergänzt: "Ich persönlich finde es zu viel, wenn uns die FIA reinholt, nur weil kleine Teile flattern. Aber mir sind beide Richtungen recht. Mich stört nur, wenn die Entscheidungen nicht bei allen Teams gleich getroffen werden. Dann ist es nicht fair, dass in Austin Autos mit Flatterteilen einfach weiterfahren dürfen, und ich durfte es nicht."

Ocon: Nicht so gefährlich wie Ungarn 2009

Indes argumentiert Alonsos Teamkollege Esteban Ocon, dass es in Austin ja "nur ein Spiegel" gewesen sei. Das sei etwas anderes als etwa die Stahlfeder, die Felipe Massa in Ungarn 2009 am Kopf getroffen hat. Aber er räumt ein: "Wenn so ein Teil wegfliegt, kann es am Auto dahinter Schaden verursachen. Haben wir erst kürzlich bei Lando gesehen."

Der Haas-Alpine-Protest ist damit endgültig geklärt. Rein theoretisch hätte Haas noch die Möglichkeit, das Internationale Berufungsgericht der FIA anzurufen, doch dass dieser Weg gegangen wird, ist unwahrscheinlich. Zumal Günther Steiner sein eigentliches Ziel erreicht hat. Nämlich dass die FIA den Einsatz der schwarz-orangen Flagge in Formel-1-Rennen evaluiert.

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