• 31. Juli 2022 · 11:37 Uhr

Unterboden-Änderungen 2023: Kostet doch bloß Geld!

Warum die geplanten Änderungen an den Unterböden der Formel-1-Autos zur Saison 2023 vor allem für höhere Kosten bei den kleineren Teams sorgen könnten

(Motorsport-Total.com) - Das sogenannte Porpoising muss weg. Darauf haben sich Automobil-Weltverband (FIA) und Formel 1 verständigt. Deshalb könnte zur Saison 2023 eine Anpassung der Unterboden-Regeln erfolgen. Im Raum steht eine Anhebung der Unterboden-Außenkanten um 25 Millimeter, wogegen sich die Teams wehren. Denn so klein sich die Änderung anhört, so große Folgen hätte sie.

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Unterboden-Kante am AlphaTauri AT03 aus der Formel-1-Saison 2022 Zoom Download

Red-Bull-Teamchef Christian Horner etwa hält es für ein "größeres Problem für kleinere Teams" und meint: "Die kleineren Teams haben womöglich einfach nicht genug Ressourcen, um [auf die Änderungen] zu reagieren." Er fordert daher ein Vorgehen mit Augenmaß und "sinnvolle Maßnahmen" von den Regelgebern ein.

Doch warum sollte eine so geringe Anpassung für so große Schwierigkeiten sorgen? Guillaume Dezoteux als Performance-Leiter von AlphaTauri erklärt das mit der bereits fortgeschrittenen Entwicklung des 2023er-Fahrzeugs.

Manche Entscheidungen für 2023 sind schon getroffen

Er sagt: "Wir befinden uns gerade in der Phase, in der wir die wichtigsten Kennwerte für das nächstjährige Auto festlegen. Wie viel Sprit soll das Auto fassen können? Wie sollte die ideale Gewichtsverteilung aussehen? Wenn wir jetzt die Aerodynamik-Regeln ändern, wird das eine große Herausforderung für die Teams."

Denn erst einmal müsse man sich darüber im Klaren werden, "was [die Änderung] für die Gesamtleistung des Autos bedeutet", so Dezoteux. "Ausgehend davon kannst du dir überlegen: Können wir es uns leisten, [zum Beispiel] das Tankvolumen zu verkleinern oder die Gewichtsverteilung anzupassen? Solche Dinge."

"Wenn sich die Regeln ändern, hast du schließlich bereits Entscheidungen getroffen, die du vielleicht nicht mehr rückgängig machen kannst. Das Chassis zum Beispiel wird bereits in den nächsten Wochen freigegeben."

Warum kleine Änderungen große Wirkung haben können

All das könnte umsonst gewesen sein, wenn FIA und Formel 1 nun neue Regeln erlassen: "Wenn man die Außenkante des Unterbodens anhebt, um vor allem in schnellen Kurven den Abtrieb des Fahrzeugs zu reduzieren, dann ändert das eine Menge", erklärt Dezoteux.


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Er spricht explizit die Belastung von Reifen und Aufhängung an sowie die Möglichkeit, dass die Teams zum Anheben der Fahrzeuge gezwungen werden könnten. "Würde man mir aber heute sagen, wir müssen das Auto um 20 Millimeter anheben, weil wir eine dickere Bodenplatte kriegen, dann könnten wir das nicht leisten. Denn unsere Aufhängung ist nicht darauf ausgelegt."

Denn moderne Formel-1-Autos seien extrem "verzahnt", sagt Dezoteux. "Wenn man also einen Parameter ändert, hat das üblicherweise Auswirkungen auf alles andere."

Wie ist das mit der Budgetobergrenze zu vereinbaren?

Und eigentlich hatten die Teams geplant, unter einem gleichbleibenden Reglement möglichst viele Teile aus der Saison 2022 auch 2023 noch einmal zu verwenden, um Kosten zu sparen. So erklärt es Jan Monchaux als Technischer Direktor bei Alfa Romeo.

Er meint: "Wir sind ein eher kleines Team und haben uns daher eine eher aggressive Strategie zurechtgelegt, bei der wir mehr Teile mit ins nächste Jahr nehmen wollen als größere Teams."

"Wenn wir über den Winter alles neu bauen müssten, dann müssten wir das [teilweise] auslagern, und das würde am Ende wahrscheinlich zu teuer werden und unser gesamtes Entwicklungsbudget für die Saison 2023 gefährden. Deshalb greifen wir 2023 auf Teile von 2022 zurück."

Und Alfa Romeo sei nicht das einzige Team, das praktisch zu einem solchen Vorgehen gezwungen sei. Monchaux: "Schaut euch im Februar die Autos an, dann werdet ihr es schon sehen. Ich schätze, das erkennt man ziemlich gut."

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