• 23. August 2021 · 11:53 Uhr

Warum Alpine die Art von Team ist, das sich die Formel 1 wünscht

Alpine ist ein Musterbeispiel für ein Team, wie es sich die Formel 1 vorstellt: Bringt das ab 2022 wieder Erfolg für den Rennstall aus Enstone?

(Motorsport-Total.com) - Gibt es in der Formel 1 bald eine neue Zeitrechnung? Während die Topteams durch die weiter sinkende Budgetgrenze drastische Einsparungen vornehmen müssen, könnte die kompakte Größe und die unabhängige Natur von Alpine dafür sorgen, dass eine neue Erfolgsära eingeläutet wird. Und so ein Team könnte die Formel 1 "wollen".

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Alpine hat die notwendigen Voraussetzungen für Erfolg Zoom Download

Dieser Artikel scheint nach dem überraschenden Sieg von Esteban Ocon in Ungarn etwas kurzgedacht und opportunistisch zu sein, doch er hat auch unabhängig der Ergebnisse aus Budapest seine Gültigkeit.

Wenn überhaupt, dann haben Ocons Debütsieg und die defensive Meisterleistung von Fernando Alonso nur unterstrichen, dass Alpine ein Fahrerduo besitzt, das die Früchte ernten kann, wenn sich die Chance bietet.

Nach einigen Veränderungen am Auto hat sich Ocon von einer Schwächephase erholt, in der er Selbstvertrauen verloren hatte. Und Alonso ist nach zwei Jahren Formel-1-Pause wieder fast bei voller Leistung, was jedoch "zwei Rennen länger" als erwartet gedauert hat, wie er offen zugibt.


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Doch es geht nicht um Alpines überraschenden Sieg in Ungarn, der unter normalen Umständen nicht möglich gewesen wäre. Eher geht es darum, was das Team tun kann, um seinen Fahrern in Zukunft eine echte Chance zu geben, an der Spitze zu kämpfen und regelmäßiger Erfolge einzufahren.

Viel wurde über das langersehnte neue Reglement ab 2022 geschrieben, das die Formel 1 so gehypt hat. Da kann man sich schon fragen, ob wir vielleicht beim ersten Saisonrennen nicht alle etwas enttäuscht sein werden.

Budgetgrenze als Chance

Was das neue technische und finanzielle Reglement unbestreitbar bietet - vor allem durch die stetig sinkenden Budgets der Formel 1 - ist eine Chance für die "Art von Team, die sich die Formel 1 wünscht", wie es Marcin Budkowski, Geschäftsführer von Alpine, ausdrückt.

Ein Team, das sich nicht den Exzessen eines Mercedes, Red Bull oder Ferrari hingibt, sondern das Know-how im Haus behält, um ein echter Konstrukteur im wahrsten Sinne des Wortes zu sein, ohne große Teile an Dritte auszulagern oder sich auf Partnerteams zu verlassen.

Ähnlich wie auch McLaren scheint das Team in einer guten Position zu sein, um an seine erfolgreiche Ära von 2003 bis 2006 anknüpfen zu können. Damals holte man mit Alonso zwei WM-Titel.


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Anders als Mercedes oder Red Bull muss Alpine seine Teamstruktur nicht drastisch umwerfen, um unter die Budgetgrenze von 145 Millionen Dollar zu kommen. Das ist die Belohnung dafür, dass das Team mit einer höheren Effizienz an die Aufgaben geht, anstatt alle Probleme mit Geld lösen zu wollen.

"Wir haben Glück, dass wir dieses zusätzliche Jahr haben, um uns daran anzupassen, weil wir in diesem Jahr deutlich unter der Grenze liegen", sagt Budkowski. "Aber mit der weiter sinkenden Grenze und dem neuen Auto für das kommende Jahr liegen wir darüber. Wir sind also mit dabei."

Budkowski: Formel 1 möchte Teams wie Alpine

"In den Gesprächen mit der FIA und der Formel 1 nach der Reduzierung der Budgetgrenze wurde einige Male gesagt, dass wir die Art von Team sind, die die Formel 1 in Bezug auf Größe und Struktur haben möchte."

"Es gibt sehr unterschiedliche Modelle, ob man eher herstellt oder kauft. Wir produzieren einen Großteil unserer Teile hier in Enstone. Und dafür brauchst du einfach mehr Leute. Andere haben kleinere Teams und betreiben mehr Outsourcing. Aber sie geben ähnlich viel Geld aus. Und die Budgetgrenze fängt dies ein."

Durch die weiter sinkende Budgetgrenze muss Alpine auch genau nachdenken, wie man noch effizienter arbeitet und das neue Auto entwickelt, ohne das Finanzielle Reglement zu brechen. Diese Aufgabe fällt vor allem Budkowski zu.


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"In diesem Jahr mussten wir nichts tun, um die Anforderungen zu erfüllen, denn wir liegen darunter, aber das schafft man nicht über Nacht", betont Budkowski. "Um die Anforderungen im nächsten Jahr zu erfüllen und unsere Kosten effektiv zu senken, mussten wir seit letztem Jahr und in diesem Jahr viel Arbeit investieren."

"Ehrlich gesagt nimmt die Verwaltung dieses Prozesses wahrscheinlich 50 Prozent meiner Zeit in Anspruch, wenn ich wieder in der Fabrik bin. Es geht nicht nur darum, die Kostenreduzierung zu managen. Wir sprechen hier darüber, dem Team eine andere Arbeitsweise zu vermitteln und deutlich effizienter zu sein."

Die neuen Herausforderungen

Hinzu kommt nämlich auch eine Einschränkung der Windkanal- und CFD-Stunden, die sich nach den jüngsten Erfolgen auf der Strecke anpasst. Dadurch muss jedes Team zweimal nachdenken, bevor man Zeit in ein Teil investiert.

Die wertvolle Zeit ist nur gerechtfertigt, wenn die Designer in der Fabrik davon überzeugt sind, dass neue Entwicklungen einen definitiven Performance-Gewinn versprechen. "Man muss sicherstellen, dass jeder Run zählt, aber man muss auch sicherstellen, dass man mehr Vorbereitungen trifft, bevor man das Teil tatsächlich in den Tunnel schickt", erklärt Budkowski.


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"Bevor wir ein Projekt in Angriff nehmen, bevor wir Geld ausgeben, müssen wir sicher sein, dass es das tut, was es tun soll. Wir müssen die Dinge auswählen, die wir tun, und die, die wir nicht tun. Aber wir müssen auch sicherstellen, dass wir so effizient wie möglich arbeiten."

"Jetzt haben wir das Glück, dass wir gerade so dabei sind. Wir müssen einfach weiter das tun, was wir tun, aber wir müssen es besser und effizienter machen."

Alonso vertraut Alpine-Philosophie

Da Alpine schon nahe an der Budgetgrenze operiert, herrscht Optimismus, dass die neue Ära der Formel 1 eine goldene Chance bietet - auch wenn dauerhafter Erfolg ein paar Jahre dauern könnte.

In der Motorenfabrik in Viry-Chatillon ruhen die Hoffnungen auch auf einem brandneuen Motor für 2022, nachdem man auch in dieser Saison noch zum Großteil das Design von 2019 fährt.

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Fernando Alonso hat Vertrauenin das Enstone-Team Zoom Download

Und Fernando Alonso, der vor dem Ungarn-Rennen seinen 40. Geburtstag feierte, steht hinter der Philosophie von Alpine, auch wenn er betont, dass kein Team eine Garantie auf Erfolg habe: "Das Team war immer clever beim Interpretieren der Regeln und hat immer gekämpft", sagt er.

"Es ist kein Team, das in der Vergangenheit eine Menge Geld ausgegeben hat. Ich glaube daher, dass es mit der Budgetgrenze einen Vorteil für diese Art Teams gibt, die ein effizienteres Verhältnis von Geld und Ergebnissen haben", so der Spanier. "Es gibt eine Chance, die Lücke zu schließen. Aber natürlich gibt es keine Garantien."

Ocon: Große Chance im kommenden Jahr?

Ein paar Tage vor seinem Sieg in Ungarn sagte Ocon: "Natürlich ist das Ziel, irgendwann zu gewinnen oder Podestplätze zu holen oder an der Spitze zu fahren. Das ist das Ziel, das sich das Team für die Zukunft gesetzt hat, vielleicht nicht nächstes Jahr, aber das wird ein langer Prozess sein."

"Teams wie Mercedes sind bei allen Themen ganz weit vorne. Wir arbeiten noch an vielen verschiedenen Aspekten. In diesem Jahr wird es keine Revolution geben. Wenn wir also sehen, dass wir mit beiden Autos konstant in die Punkte fahren und das Maximum aus dem Auto herausholen, wird es eine sehr starke zweite Hälfte werden."

"Wenn uns das gelingt, könnten wir nächstes Jahr mit einem guten Auto bei der Musik sein."


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Budkowski betont, dass die drei großen Teams nicht plötzlich ihre ganzen Vorteile und Expertisen verlieren werden, allerdings würde er auch "nicht gerne in ihrer Haut stecken", wenn sie sich von den gigantischen Verhältnissen verkleinern müssen.

"Das muss ein ziemlich schmerzhafter Prozess sein, den man durchlaufen muss", betont er. "Ich denke aber, dass sie einfach zu groß waren, um eine nachhaltige Zukunft für den Sport zu haben, weil sie die Kosten für alle in die Höhe trieben und es für die meisten Teams nicht realistisch war, wettbewerbsfähig zu sein."

"Ich glaube, es ist ein bisschen spät geworden, weil man den Teams erlaubt hat, über den gesunden Menschenverstand und die Nachhaltigkeit hinaus zu wachsen. Ich beneide sie nicht um den Prozess, den sie durchlaufen. Es ist schmerzhaft, aber ich denke, dass es für den Sport in der Zukunft das Richtige ist."

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