• 13. Juli 2021 · 13:08 Uhr

Nach Motorengipfel: Jetzt beginnt alles wieder von vorne

Ein Volkswagen-Einstieg in die Formel 1 schien schon nahezu unmöglich, ist beim Herstellergipfel in Österreich aber wieder in greifbare Nähe gerückt

(Motorsport-Total.com) - Nach wochenlangem Stillstand kommt endlich Dynamik in die Gespräche um das zukünftige Format des Motors/Antriebsstrangs für die Formel 1. Beim Gipfeltreffen der Hersteller-CEOs in Österreich wurden zwar keine konkreten Beschlüsse gefasst, aber der Weg bereitet für eine mutigere Herangehensweise an die Verhandlungen. Diese werden nun am kommenden Wochenende in Silverstone fortgesetzt.

Start zum Grand Prix von Österreich auf dem Red-Bull-Ring in Spielberg 2021

Die Motorenzukunft der Formel 1 wird gerade auf höchster Ebene verhandelt Zoom Download

Ausschlaggebend dafür, das Klein-Klein zu beenden, in dem sich die Teamchefebene zuletzt in eine Sackgasse manövriert hatte, war, dass beim Spielberg-Gipfel die großen CEOs beisammengesessen sind. Deren primäres Interesse ist nicht, die nächste Formel-1-WM zu gewinnen. Sondern denen geht es darum, die Automobilindustrie gesund durch die Mobilitätswende zu manövrieren.

Dazu kam die wichtige Einsicht, dass zuerst der finanzielle Rahmen festgelegt werden muss, bevor man technologische Details entscheiden kann. Die Formel-1-Ingenieure können die tollsten und komplexesten Ideen für den nächsten Antriebsstrang haben. Aber wenn diese finanziell nicht leistbar sind, ist selbst das beste Konzept letztendlich für die Tonne.

Daher wurde die Reihenfolge beim Spielberg-Gipfel, so erzählt man es hinter vorgehaltener Hand, umgedreht. Erst sollen die finanziellen Rahmenbedingungen finalisiert werden, dann kommt die Technologie dran. Aus Insiderkreisen ist durchgesickert, dass in Österreich entschieden wurde, unter diesen Voraussetzungen wieder mit einem weißen Blatt Papier zu beginnen.

Marko: Antrieb soll maximal 100 Millionen kosten

"Ein ganz wichtiger Punkt sind sicher die Kosten", bestätigt Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko in einem Interview mit 'Motorsport-Total.com', das am Mittwoch in voller Länge veröffentlicht wird. "Die Idee ist, dass ein Triebwerk maximal eine Million Dollar kosten soll. Und die Gesamtkosten sollten unter 100 Millionen liegen."

Das wäre weit billiger als alles, was bisher im Gespräch war. "Von den aktuellen Herstellern kommt keiner auch nur annähernd an diese Summe", erklärt Marko. Und das ist auch das attraktivste Asset, das die Formel 1 bieten kann: Wenn es gelingt, die Kosten auf 100 Millionen US-Dollar zu deckeln, könnte ein Engagement für einen neuen Hersteller zu einem echten Businesscase werden.

Der Volkswagen-Konzern war beim Gipfel übrigens nur durch Audi-CEO Markus Duesmann (gleichzeitig VW-Vorstand für Forschung und Entwicklung, also jene Sparte, in der normalerweise die Motorsportprogramme angesiedelt sind) vertreten. Porsche-CEO Oliver Blume hätte eigentlich per Video zugeschaltet werden sollen; das wurde aber kurzfristig abgesagt.


Fotostrecke: So funktioniert ERS

Auch auf Red-Bull-Seite war die Besetzung eine andere als ursprünglich angenommen. Zuerst hatte es in Medienberichten geheißen, Konzernchef Dietrich Mateschitz würde als Gastgeber selbst an dem Meeting teilnehmen. Stattdessen kamen Motorsportkonsulent Helmut Marko und Teamchef Christian Horner.

Volkswagen hätte am liebsten einen Vierzylinder

"Auf VW-Seite, glaube ich, wird ein Vierzylinder favorisiert", spekuliert Marko. Das würde auch den Formel-1-Chefs Stefano Domenicali (ehemals VW-Konzern) und Ross Brawn gut in den Kram passen. Der neue Antriebsstrang soll nämlich keinesfalls schwerer werden als der alte. Da würde es durchaus helfen, zwei Zylinder loszuwerden.

Ein Vierzylinder hätte eigentlich schon 2014 eingeführt werden sollen, wurde damals aber unter anderem von Ferrari verhindert. Der Widerstand aus Maranello gegen ein sogenanntes Downsizing schwindet aber, wie man hört. In Zeiten des Klimawandels ist CEO John Elkann klar, dass sich auch eine Marke wie Ferrari dem Wandel nicht ganz entziehen kann.

In den Kernpunkten sind sich alle Player, die am Verhandlungstisch sitzen, einig. Der neue Formel-1-Antrieb soll unbedingt umweltfreundlich sein. So billig wie möglich. Und im Idealfall serienrelevant. Weil jetzt wieder alles bei null beginnt, könnte das dauern. Eine Verschiebung von 2025 auf 2026 wird zwar nicht angestrebt, wäre aber zur Not denkbar.

Kosten sollen im Juli final geklärt werden

Gleichzeitig habe man endlich "den Zeitdruck erkannt", sagt Marko und erklärt: "Es soll noch im Juli eine Kostenfeststellung passieren. Da wird verglichen: Ist ein abgerüsteter V6 mittelfristig teurer als ein neues Triebwerk? Oder ist das Abrüsten finanziell die bessere Möglichkeit? Wenn das feststeht, wird entschieden, in welche Richtung man geht."

Davon gibt es aktuell zwei, die zur Diskussion stehen. Erstens einen komplett neuen Motor, etwa einen kompakten Vierzylinder, mit ganz neuer, grüner Technologie. Da steht sogar ein Allradantrieb im Raum. Oder zweitens einen in seiner Bedeutung reduzierten V6 auf Basis des aktuellen Motors, verbilligt durch Einheitsteile, aufgepeppt durch eine grüne Peripherie.

Helmut Marko, Christian Horner

Helmut Marko und Christian Horner haben Red Bull beim Motorengipfel vertreten Zoom Download

Von Red Bull kommt eine überraschende Ansage: "Unsere Kostenkalkulation spricht eher für einen neuen Motor. In Silverstone finden die nächsten Meetings statt", kündigt Marko an. "Das Abrüsten ist nicht ohne. Und vor allem die Einführung von E-Fuels bedarf so vieler Änderungen."

"Wir haben einen acht Jahre alten Motor in der Formel 1. Ich bin mir nicht sicher, ob nur Elektro die Zukunft ist. Viele sind der Ansicht, dass Hybrid für leistungsstärkere Autos die bessere Lösung ist. Wasserstoff schwebt auch im Raum. Da ist so viel möglich, dass man nicht sagen kann, man kann einen Motor für die nächsten zehn, 15 Jahre festlegen."

Volkswagen: Einstieg gleich mit zwei Marken?

Was Volkswagen betrifft, zeichnet sich seit dem Spielberg-Gipfel eine sensationelle Entwicklung ab. Vor dem Treffen hatten die Treiber des Formel-1-Projekts in Wolfsburg die Hoffnung auf einen Einstieg schon fast aufgegeben. Zu frustrierend sind die Klein-Klein-Diskussionen auf Ebene der Formel-1-Chefs verlaufen.

Aber seit dem Gipfeltreffen ist vieles anders. Die großen CEOs sind sich einig, in welche Richtung es gehen soll. Jetzt liegt es daran, die Details entsprechend auszuarbeiten. Seitens Volkswagen steht auf einmal sogar ein möglicher Einstieg mit zwei Marken im Raum. Vielleicht kommt nicht entweder Audi oder Porsche - vielleicht kommen sogar Audi und Porsche!

"Die Verantwortlichen haben erklärt, was sie wollen", sagt Marko über Duesmanns Auftritt in Österreich. "Sie sind natürlich für ein völlig neues Triebwerk, damit sie unter Chancengleichheit antreten können. Denn mit dem bestehenden Sechszylinder hat Mercedes den größten Vorteil, weil das das erfolgreichste aller Triebwerke ist."

Es bleibt spannend in der Motorenfrage.

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