• 18. Juli 2020 · 14:13 Uhr

Token-Regel: Warum Racing Point 2021 "gratis" noch schneller werden könnte

Warum die Formel-1-Konkurrenz fürchtet, dass Racing Point zur Saison 2021 "gratis" technische Fortschritte machen könnte

(Motorsport-Total.com) - Die Spielregeln sind eigentlich ganz einfach: Um nach der Coronakrise Kosten zu sparen, ist die Entwicklung der Formel-1-Autos zu einem großen Teil eingefroren. Wer dennoch etwas an den Bereichen ändern will, die unter dem aktuellen Reglement tabu sind, der hat dafür zwei sogenannte Token zur Verfügung. Und genau deshalb gibt es jetzt neuen Streit.

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Racing Point: Vielleicht der größte Profiteur der neuen Token-Regelung 2020/2021? Zoom Download

Denn: Im Fahrerlager grassiert die Befürchtung, Racing Point könnte diese Regeln geschickt umschiffen und "gratis" Ausbaustufen erhalten, ohne dafür seine Token aufwenden zu müssen. Die Entwicklungstoken wären demnach noch frei und könnten für andere Updates verwendet werden.

Konkret geht es dabei um Fahrzeugkomponenten wie Getriebe, Lenkung, Bremssystem oder Aufhängungen, die Racing Point - jeweils in der Vorjahresversion - von Mercedes bezieht.

Warum Racing Point nicht für Updates "bezahlen" müsste

Das ist per se völlig regelkonform, wird angesichts der eigentlich eingefrorenen Technik zur Saison 2021 zum Streitfall, weil Racing Point dafür nicht mit Token "bezahlen" müsste. Es handelt sich schließlich nicht um eine Neuentwicklung unter dem Token-System.

Der Konkurrenz gefällt das gar nicht, schließlich steht zu befürchten, dass Racing Point im nächsten Jahr dank dieser Updates noch einmal zulegen kann.


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Ferrari-Teamchef Mattia Binotto etwa sagt: "Wir sind nicht komplett zufrieden damit, dass es Teams gibt, die unterm Strich ihr gesamtes Paket [zur Saison 2021] von Stand 2019 auf Stand 2020 upgraden können. Das halten wir für unfair."

Was ist anders bei den Ferrari-Kundenteams?

Jedes Team hat zwei Entwicklungstoken und kann eigentlich nur damit Verbesserungen umsetzen. Einzig für Aerodynamik-Entwicklungen sind keine Token erforderlich. "Das ist für alle gleich", meint Binotto. "Und wirklich jeder sollte darauf limitiert sein."

Wenn Binotto von "Teams" im Plural spricht, dann meint er nicht nur Racing Point, sondern auch AlphaTauri, wo ebenfalls ein gewisser Techniktransfer aus vorherigen Saisons erfolgt, von Red Bull kommend. Allerdings wohl in geringerem Umfang als bei Mercedes und Racing Point.

Alfa Romeo und Haas dagegen erhalten jeweils aktuelle Antriebskomponenten von Ferrari, keine Vorjahresspezifikationen. Ein solches "Gratis"-Update, wie es für Racing Point im Raum steht, kommt für diese Kundenteams also nicht in Frage. Sie müssten, würde Ferrari ein Antriebsupdate bringen, ein eben solches mit Token "einkaufen".

Konkurrenz kündigt Gesprächsbedarf an

Aufgrund dieser Konstellation pflichtet Marcin Budkowski als Geschäftsführer des Renault-Werksteams Binotto bei und meint: "Ich sehe es wie Mattia: Das System hat leider gewisse Schwachstellen. Es gibt ein Schlupfloch, durch das ein paar Teams profitieren könnten."


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Und Budkowski kündigt an: Man will diese Situation nicht einfach hinnehmen: "Wir werden die Sache mit der FIA und den anderen Teams besprechen." Natürlich mit der Hoffnung, das "Schlupfloch" im Token-Reglement schließen zu können.

Grundsätzlich, darin sind sich die Teamverantwortlichen einig, seien die Sonderregeln nach der Coronakrise sinnvoll und wichtig. "Das gesamte System ist ein Kompromiss zur aktuellen Situation", sagt etwa Ferrari-Teamchef Binotto.

Token-System ein "notwendiges Übel" nach Corona

"Wir sind nicht ganz zufrieden damit, weil wir als Ferrari gerne voll entwickelt hätten. Wir verstehen aber den Sinn und Zweck dahinter, als Teil des Kompromisses, den wir in der aktuellen Lage eingehen müssen." Es sei nur verantwortlich gegenüber der Formel 1 und den anderen Teams, sich darauf einzulassen.

Budkoswki sieht es ähnlich und beschreibt das Token-System als ein "notwendiges Übel", um die derzeitigen Fahrzeuge auch im kommenden Jahr einsetzen zu können.

Und Racing Point? Teamchef Otmar Szafnauer bezeichnet es als "clevere Art und Weise", gewisse Freiheiten zu gewähren, aber eben innerhalb gewisser Grenzen, "auf die wir uns aufgrund der Virussituation verständigt haben". Zu den Bedenken der Konkurrenz sagte er nichts.

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