• 06. Februar 2019 · 12:39 Uhr

Machtwechsel bei Ferrari: War das noch nicht alles?

Ferrari-Geschäftsführer Louis Camilleri könnte schon bald ersetzt werden, doch Stefano Domenicali ist nicht der einzige Kandidat für seinen Job

(Motorsport-Total.com) - Bis zuletzt hat Maurizio Arrivabene alle Journalisten, die über seine Ablöse als Ferrari-Teamchef berichtet haben, denunziert. Am 7. Januar wurde der ehemalige "Marlboro-Man" dann aber ganz still, als die Scuderia seine Entmachtung öffentlich gemacht und ihn mit sofortiger Wirkung durch den bisherigen Technischen Direktor Mattia Binotto ersetzt hat.

Amedeo Felisa (Ferrari)

Amedeo Felisa könnte auf seinen alten Posten als Ferrari-CEO zurückkehren Zoom Download

Doch laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' war das vielleicht noch nicht der letzte Wechsel in der Ferrari-Führungsmannschaft. Zuletzt gab es Gerüchte, wonach der ehemalige Teamchef Stefano Domenicali, derzeit Geschäftsführer beim Sportwagenhersteller Lamborghini (Volkswagen-Konzern), in leitender Funktion zurückkehren könnte. Denen sind wir auf den Grund gegangen.

Eins steht fest: Binotto ist kein Interims-Teamchef, sondern soll dauerhaft auf dem Chefposten bleiben. Das war der Wille von Sergio Marchionne. Allerdings weiß Binotto selbst, dass er seine Stärken mehr im technischen Bereich hat.

Ein erfahrener Mann, der schon einmal auf CEO-Ebene gearbeitet hat, käme ihm als "rechte Hand" gerade recht. Vielleicht auch nur als Berater, so wurde es zuletzt in den Medien berichtet.

Camilleri möchte nicht ewig Ferrari-CEO bleiben

Da wäre Domenicali theoretisch ein idealer Kandidat. Der Italiener ist mit Ferrari immer noch eng verbunden. Aber wir haben herausgefunden, dass Binotto Stand heute kein Berater zur Seite gestellt werden soll, sondern er vielmehr einen neuen Chef bekommen könnte. Denn Ferrari-Geschäftsführer Louis Camilleri sieht sich offenbar nicht langfristig in seiner derzeitigen Position.

Camilleri, so wird es uns berichtet, wurde nach dem Tod von Konzernchef Marchionne im Juli 2018 von der mächtigen Agnelli-Familie freundschaftlich gebeten, bei Ferrari auszuhelfen.

Das war in seiner Karriereplanung eigentlich gar nicht vorgesehen. Der Schweizer ist 63 Jahre alt und hat mit seinen Jobs als Konzernchef bei Philip Morris und zuvor dem Lebensmittelhersteller Kraft ein ansehnliches Vermögen angehäuft.


Fotostrecke: Fotostrecke: Alle Ferrari-Rennleiter in der Formel 1 seit 1950

Als Agnelli-Erbe John Elkann gerufen hat, soll Camilleri zugesagt haben, zumindest vorübergehend zu helfen. Doch nun ist ein halbes Jahr vergangen, und laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' soll möglichst bald ein Nachfolger gefunden werden.

Domenicali wäre ein logischer Kandidat. Als Geschäftsführer bei Lamborghini, einem direkten Konkurrenten von Ferrari, konnte er Erfahrungen auf CEO-Ebene sammeln. Gleichzeitig kennt er das Tagesgeschäft des Formel-1-Teams und könnte Binotto dabei unter die Arme greifen.

Die beiden, so heißt es, haben sich immer gut verstanden. Anders als Binotto und Arrivabene, zwischen denen 2018 ein Machtkampf stattgefunden hat. Mit dem besseren Ende für Binotto.

Manche glauben: Domenicali als CEO nicht hart genug

Doch nicht alle sind überzeugt davon, dass Domenicali der richtige Mann für diese Position ist. Ein weiterer Kandidat wäre demnach Amedeo Felisa.

Der Mailänder ist bereits 73 Jahre alt, aber Ferrari-intern bestens vernetzt. Seit 1990 arbeitete er für den Sportwagenhersteller, ab 2006 sogar als Generaldirektor. Als Jean Todt Ferrari verließ, übernahm Felisa von 2008 bis 2016 (Ablöse durch Marchionne) die Position als Geschäftsführer.

Mit wem auch immer: Ferrari steht 2019 unter einem immensen Erfolgsdruck. Seit Kimi Räikkönen im Jahr 2007 wartet die Scuderia auf einen Fahrer-Weltmeister, seit 2008 auf einen Konstrukteurstitel.

Mattia Binotto, Ferrari-Teamchef

Mattia Binotto ist der neue starke Mann in Ferraris Formel-1-Team Zoom Download

Aber Ex-Teamchef Todt sagt im Interview mit der 'Welt am Sonntag': "Ferrari wird in der Öffentlichkeit unfair behandelt." 2018 habe der Rennstall "fast ein halbes Jahr lang immerhin das beste Auto" gehabt.

"Es ist erstaunlich", wundert sich Todt. "Ferrari ist seit 2009 sehr konkurrenzfähig, wurde vergangenes Jahr Zweiter in der Konstrukteurs-WM - deshalb bin ich regelrecht geschockt, wenn ich lese, wie weit unter Wert das Team beurteilt wird. Unter dem Strich fährt Ferrari seit Jahren auf einem ganz hohen Niveau."

Todts langjähriger Technischer Direktor Ross Brawn empfiehlt Ferrari indes, "ohne Panik" daran zu arbeiten, auf die Siegerstraße zurückzukehren: "Sie dürfen es nicht übers Knie brechen."

Alonso glaubt: Binotto der richtige Mann

"Ferrari ist innerhalb von nur zwei Jahren zu einem ernsthaften Titelanwärter geworden - etwas, was zu Beginn der Hybrid-Ära, als Mercedes noch einen riesigen Vorteil hatte, für viele schwer vorstellbar war. Jetzt müssen sie vorankommen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten."

Eine Herkulesaufgabe für den neuen Teamchef Binotto, der sich nicht mehr auf seine Stärke konzentrieren kann, ein innovatives Auto zu entwickeln, sondern in seiner neuen Funktion den ganzen Laden zusammenhalten muss.

Der Wechsel sei trotzdem "eine gute Sache", meint Ex-Ferrari-Fahrer Fernando Alonso. Dem 'Corriere della Sera' sagt der Spanier: "Mattia hat Führungsqualitäten bewiesen, und das technische Management war schon bisher sein Bereich. Er wird alles tun, um Ferrari noch stärker zu machen."


Ein Drink mit Eddie Irvine (Folge #15)

Eddie Irvine erinnert sich an seinen Ex-Ingenieur Mattia Binotto und nimmt Maurizio Arrivabene in Schutz. Und hofft, dass Ferrari italienisch bleibt. Weitere Formel-1-Videos

Christian Horner, Teamchef beim Konkurrenten Red Bull, ist da schon etwas skeptischer: "Es ist eine große Aufgabe für Mattia. Du kannst nicht beide Jobs machen. Entweder bist du Technischer Direktor oder Teamchef. Ich schätze, er befindet sich jetzt in der kniffligen Situation, dass er ständig von einem Büro ins andere läuft. Beide Jobs sind enorm anspruchsvoll. Auf diese Doppelrolle muss er sich sicher erst einstellen."

Laut Horner hätte Ferrari etwas Stabilität womöglich gutgetan: "Sie werden schon ihre Gründe für den Wechsel haben. Aber das ist jetzt schon der fünfte Ferrari-Teamchef, der mir gegenübersitzt, seit ich bei Red Bull angefangen habe. Und mit jedem Wechsel im Management ändert sich auch die Kultur und die Herangehensweise. Bis das richtig läuft, braucht es jedes Mal ein bisschen Zeit."

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