• 09. Januar 2019 · 11:45 Uhr

Olivier Panis: So überragend gut war der 1999er-McLaren!

Olivier Panis erinnert sich: Der 1999er-McLaren war so gut, dass er bei seiner ersten Ausfahrt der Meinung war, es müsse etwas gebrochen sein ...

(Motorsport-Total.com) - McLaren-Mercedes war Ende der 1990er-Jahre das dominierende Team der Formel 1. Der MP4/13 der Saison 1998 galt mit der Möglichkeit, das kurveninnere Rad stärker abzubremsen, dem ersten Energierückgewinnungs-System im Grand-Prix-Sport und den Bridgestone-Reifen beim Saisonauftakt als unschlagbar. Auch 1999 war der technische Vorsprung auf die Konkurrenz noch vorhanden.

Olivier Panis, McLaren-Mercedes, Monza 2000

Olivier Panis fuhr nie wieder ein Auto, das so gut war wie der McLaren-Mercedes Zoom Download

Wie gut McLaren-Mercedes in jenen Jahren wirklich war, kann Olivier Panis gut einschätzen. Der heutige ELMS-Teameigentümer fuhr 1999 in 16 Rennen siebenmal in die Top 10, für das unterlegene Prost-Team. Ende 1999 wechselte er als Testfahrer zu McLaren. Als er nach Saisonende erstmals die Gelegenheit hatte, den 1999er-McLaren zu testen - "Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen" -, kam er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

"Es war Ende 1999 in Magny-Cours", erinnert er sich in einem faszinierenden Interview, aufgezeichnet für eine Spezialausgabe des Podcasts 'Starting Grid', den wir in Kooperation mit unseren Kollegen von 'meinsportpodcast.de' produzieren.

"Ich fuhr raus, beschleunigte auf der langen Geraden. Bei 250 km/h wurde das Auto immer unruhiger, wie ein Formel-3-Auto. Ich machte mir große Sorgen, denn das kam mir nicht normal vor. Eine Woche zuvor war ich noch den Prost gefahren, und der fühlte sich ganz anders an."

Doch was Panis zunächst als technisches Problem einordnete, war in Wahrheit ein Geniestreich von McLaren-Stardesigner Adrian Newey. Der hatte schon damals flexible Flügel entwickelt, die Jahre später in der Formel 1 Schlagzeilen machten.

Das Prinzip dieser Innovation ist so einfach wie genial: Bei hoher Geschwindigkeit biegen sich die Flügel im immer stärker werdenden Fahrtwind nach unten, sodass der Luftwiderstand sinkt. Das ist gut für die Höchstgeschwindigkeit. In langsamen Kurven aber, wo viel Anpressdruck benötigt wird, bleiben die Flügel steiler.

"Nach einer Runde kam ich zurück an die Box und sagte: 'Adrian, ich glaube, ich habe im Heck ein Teil verloren, denn wenn ich über 250 beschleunige, passiert das und das.' Er entgegnete nur: 'Ist ganz normal, Olivier. Wir haben flexible Front- und Heckflügel.' Die Regeln haben das damals erlaubt", erzählt Panis.

Der heute 52-jährige Franzose bezeichnet Newey als "hochintelligent" und sagt über den 1999er-McLaren: "Ich hatte in dem Auto so viel Fahrspaß wie noch nie zuvor."

Dass es Ferrari beinahe gelungen wäre, Eddie Irvine in jener Saison zum Weltmeister zu machen, lag folgerichtig weniger an der Technik als vielmehr an Fehlern des McLaren-Mercedes-Teams. Noch heute sind viele davon überzeugt, dass Michael Schumacher ohne seinen Silverstone-Crash 1999 Weltmeister geworden wäre.

Das komplette Interview mit Olivier Panis, das faszinierende Einblicke in die Hintergründe der Formel 1 in den 1990er- und 2000er-Jahren ermöglicht, gibt's als Podcast nachzuhören. Zum Beispiel in unserem Audioplayer oder via iTunes, auch im kostenlosen Podcast-Abo.

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