• 16. Oktober 2018 · 19:03 Uhr

Briatore verteidigt Alonso: Konnte Team führen wie Michael Schumacher

Flavio Briatore wehrt sich Horners Vorwurf, Fernando Alonso würde teamintern Chaos hinterlassen, und vergleicht Stärken und Schwächen mit Michael Schumacher

(Motorsport-Total.com) - Fernando Alonsos Fähigkeiten hinterm Lenkrad sind in der Formel 1 unbestritten, aber es lastet ihm der Ruf an, in jedem Team für Wirbel zu sorgen und verbrannte Erde zu hinterlassen. Doch nun springt sein ehemaliger Teamchef Flavio Briatore für den Formel-1-Aussteiger in die Bresche. "Was die Leute über ihn denken, stimmt nicht", stellt er sich in Nico Rosbergs Podcast 'Beyond Victory' gegen die Vorwürfe. " Er hat ein falsches Image."

Fernando Alonso, Michael Schumacher

Fernando Alonso: Als Teamleader genauso fähig wie "Schumi"? Zoom Download

Damit widerspricht er Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der noch im Sommer meinte, Alonso sei bei seinem Rennstall kein Thema, weil er "überall, wo er hingeht, ein bisschen Chaos hinterlässt". Eine Aussage, die bei Briatore nicht gut ankam. "Wenn ich von Christian höre, Fernando würde die Leute spalten - also das ist komplett verrückt!", wird der Italiener emotional. Schließlich sei es doch auch die Aufgabe des Teams, den Piloten ein gutes Umfeld zu bieten.

"Ich würde nicht gerade sagen, dass bei Red Bull perfekt mit den Fahrern umgegangen wird, nach allem, was ich weiß", schießt Briatore, der übrigens nach wie vor als Alonsos Manager agiert, gegen Horner zurück. Der Brite habe in seinem Team selbst für Unruhe gesorgt, "wie man bei der Stallorder gegen Mark Webber gesehen hat". Eine Anspielung auf die Multi-21-Affäre in Malaysia 2013, die zwischen dem ebenfalls von Briatore betreuten Webber und dem von Red Bull aufgebauten Sebastian Vettel für böses Blut sorgte.

Briatore: Alonso weniger emotional als Schumacher

Ist also Alonso entgegen der allgemeinen Meinung doch ein Teamplayer, der eine Mannschaft wie einst Michael Schumacher einen und nach vorne bringen kann? "Ja, das gilt auch für Fernando", sieht Briatore diesbezüglich im Vergleich mit Schumacher kein Defizit beim Spanier.

Flavio Briatore, Fernando Alonso, Eric Boullier

Alonso mit Manager Briatore und Ex-McLaren-Rennleiter Boullier Zoom Download

Überhaupt stehe Alonso Schumacher um nichts nach. "Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass Fernando weniger emotional ist", macht Briatore eine weitere überraschende Aussage. "Das ist bei einem Spanier und einem Deutschen normalerweise umgekehrt. In schwierigen Situationen, in denen der Sieg und die Niederlage im WM-Kampf so nahe beieinander liegen, schätze ich Fernando stärker ein. Da macht er weniger Fehler. Im Qualifying würde ich hingegen sagen, dass Michael schneller war, im Rennen waren beide außergewöhnlich."

Aber hat Schumacher je sein Team so offen kritisiert, wie es Alonso bei McLaren Wochenende für Wochenende macht? "Michael hat das nicht getan", gibt Briatore zu. "Aber das lag auch am Timing. Bei McLaren fuhr Fernando viele Jahre lang ein katastrophales Auto. Er wollte Rennen gewinnen. Da kann es schon mal passieren, dass man das Team kritisiert, wenn man so viel Druck hat."

Briatore deutet an: McLaren ist schuld!

Unter seiner Leitung habe es mit Alonso keine Unstimmigkeiten gegeben. "Da kann man auch jeden bei Renault fragen", sagt Briatore. "Es gab kein einziges Problem. Erst als er zu McLaren wechselte, gab es viele Probleme." Das führt der Ex-Teamchef aber darauf zurück, dass "jeder einen anderen Charakter hat. Ich bin anders als Ron Dennis."

Und Formel-1-Piloten seien "keine Roboter. Man muss den Charakter verstehen, was der Fahrer will, damit er sich wohlfühlt. Er soll seine Arbeit machen, wir kümmern uns um alles andere. Meine Aufgabe war es, alles vom Fahrer fernzuhalten, was ihn ablenkt."

Was er damit genau meint? "Man will keine Gerüchte, dass ein Auto besser ist als das andere, dass dieser Ingenieur besser ist, man will keine Konflikte", geht Briatore ins Detail, der Schwierigkeiten mit Piloten oft auf eine Management-Schwäche zurückführt. "Ich hatte kein Problem mit Michael, auch was die Presse angeht, als es hieß, dass das mit Michael schwierig sei", meint Briatore, der Schumacher laut eigenen Angaben einfach gesagt habe, dass es seine Pflicht sei, Interviews zu geben.

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