• 18. September 2018 · 16:45 Uhr

Nach Bummeltempo in Singapur: Pirelli möchte über Reifenschonen diskutieren

Der Hypersoft-Reifen am Start des Singapur-Grand-Prix hat Lewis Hamilton zum Trödeltempo verdonnert - Pirelli sucht gemeinsam mit FIA nach Ausweg

(Motorsport-Total.com) - Formel-1-Reifenhersteller Pirelli sucht Antworten, nachdem die Piloten im Grand Prix von Singapur vor allem in der Startphase exzessiv Reifen schonen mussten. Das Renntempo war dadurch um mehr als zehn Sekunden langsamer als die Qualifying-Pace, was eine Spazierfahrt auf den Hypersoft-Pneus zur Folge hatte. Der Reifenbauer möchte nun Diskussionen über das Reifenschonen anregen.

Lewis Hamilton

Die Top 10 mussten in Singapur auf den ungeliebten Hypersofts starten Zoom Download

Der Zeitsprung, den Lewis Hamilton von Rennrunde 12 auf 13 geschafft hatte, bringt das Problem auf den Punkt: Fuhr der Brite zunächst noch im hohen 1:47er-Bereich, drückte er ab Runde 13 aufs Gaspedal seines Mercedes. Und schon war er kurz vor seinem Boxenstopp um 2,3 Sekunden schneller.

Grund dafür ist die Kurzlebigkeit der Hypersofts. Die weichste Mischung sorgte zwar im Qualifying für einen neuen Streckenrekord, war für eine Renndistanz von mehr als zehn Runden praktisch unbrauchbar. Die Gefahr von Überhitzung und Graining war zu präsent, sodass sich Hamilton für die Bummeltaktik entschied.

Zwickmühle: Je mehr Verschleiß, desto mehr Management

Pirelli-Motorsportmanager Mario Isola ist sich des Problems bewusst, daher möchte er Diskussionen anregen, um solche Trödelrennen in Zukunft nicht mehr möglich zu machen. "Das sollten wir unbedingt besprechen, denn nun haben wir dank unserer Erfahrung und all der Daten, die in diesem Jahr gesammelt wurden, eine bessere Vorstellung von der Herangehensweise der Teams." Man müsse den richtigen Weg für die Zukunft einschlagen.


Grand Prix von Singapur - Sonntag

Die Überlegungen über die Haltbarkeit der Reifen werde helfen, die Situation für das kommende Jahr zu verbessern. "Ich habe dafür derzeit keine Lösung parat, aber es ist wichtig, aus den Geschehnissen zu lernen." Pirelli müsse die Daten sorgfältig analysieren, um nicht das Risiko einzugehen, immer weichere Mischungen zu produzieren. Denn je mehr Reifenverschleiß, desto mehr Reifenmanagement - rechnet er vor.

Pirelli befindet sich demnach etwas in der Zwickmühle, denn einerseits soll man weichere Reifenmischungen produzieren, um mehr Leistungssteigerung und strategische Optionen zu gewährleisten. Auf der anderen Seite dürfe man das Renntempo insgesamt aber nicht dadurch verlangsamen, dass die Fahrer immer mehr auf ihre Reifen achten.

Whiting: Reifenmanagement sehr "komplex und knifflig"

"In diesem Jahr gingen wir mit dem Hypersoft ziemlich aggressiv ans Werk, wir waren mit unserer Auswahl auch auf anderen Strecken aggressiv." Dabei konnte Pirelli beobachten, dass aufgrund des Reifenverschleißes oftmals nicht die maximale Rennpace gefahren wurde.


Formel 1 2018 - Thema: Reifen

Der ehemalige Formel-1-Pilot Karun Chandhok erklärt, warum Pirelli für die neue Saison neue Reifenmischungen an den Start gebracht hat Weitere Formel-1-Videos

Auch die FIA hat das Problem erkannt und möchte sich an einem Diskurs gerne beteiligen, signalisiert Charlie Whiting. "Das ist wirklich ein sehr großes Themenfeld", meinte der Brite am Rande des Singapur-Wochenendes. "Man möchte Reifen, die schnell sind, man möchte die ultimative Performance, aber das hängt auch immer alles von der Streckenbeschaffenheit ab."

Whiting muss zugeben, dass das Thema Reifen äußerst komplex sei. "Wir müssen das mit Pirelli diskutieren. Wir müssen herausfinden, welche Oberflächen am besten für Racing und die Reifen geeignet sind. Und gleichzeitig müssen wir die Reifen an die Rennstrecken anpassen. Das ist aber sehr knifflig."

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