• 13. Juni 2018 · 20:20 Uhr

Domenicali schließt Formel-1-Einstieg Lamborghinis aus

Kein Team, keine Motoren: Für den Ex-Ferrari-Rennleiter ist die Königsklasse zu teuer und nicht attraktiv für ein junges Publikum - "Kein Erbgut" für die Formel 1

(Motorsport-Total.com) - Lamborghini-Chef Stefano Domenicali sieht das Unternehmen weder mittel- noch langfristig in der Formel 1. Wie der Ex-Ferrari-Rennleiter im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' sagt, gäbe es wirtschaftliche und marketingtechnische Gründe für seine Zurückhaltung. "Es besteht keinen Anlass, uns auf diese Plattform zu begeben, weil die Marke auch so sehr stark wächst", erklärt Domenicali.

Stefano Domenicali

Domenicali hat kein Interesse daran, Lamborghini in die Formel 1 zu schicken Zoom Download

Dennoch macht er keinen Hehl daraus, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit wäre, Lamborghini in die Königsklasse zu führen. "Für jemanden wie mich, der sein halbes Leben in der Formel 1 verbracht hat, ist es ein delikates Thema", sagt Domenicali, "aber wir müssen rational bleiben."

Das wichtigste Hindernis ist Lamborghinis Größe. Der Autobauer, der zum Volkswagen-Konzern gehört, beschäftigt 1.175 Mitarbeiter und machte 2016 einen Umsatz von 906 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei Ferrari sind 3.115 Menschen angestellt, es wurden 3,1 Milliarden Euro eingefahren.


Fotostrecke: Designstudien für Formel-1-Werksteams

"Um einen Motor zu bauen oder ein Werksteam an den Start zu bringen - dazu fehlen uns die Kapazitäten", stellt Domenicali fest. Allerdings: Das heftig mit der Formel 1 flirtende Aston Martin hat zwar eine rund 50 Prozent größere Belegschaft, liegt beim Umsatz jedoch weit hinter Lamborghini.

Domenicali führt weitere Gründe ins Feld: Er erkennt keine Renntradition bei Lamborghini, sondern versteht die Marke als Hersteller von Straßenautos. "Bei der Gründung 1963 ging es darum, größere Supersportwagen-Bauer herauszufordern - namentlich Ferrari. Daher ist das Erbgut Lamborghinis nicht dafür geschaffen." Dennoch sei der Motorsport ein Teil der Marke geworden, spätestens seit dem Formel-1-Engagement als Motorenhersteller von 1989 bis 1993.

Es hätte sich nichts geändert, meint Domenicali, betont aber: "Das Investment, das es heute braucht, um mitzumischen und mindestens wettbewerbsfähig zu sein sowie das Risiko, unsere Marke in einer schwierigen Situation zu beschädigen, sind für Wachstum nicht nötig." Heißt: Lamborghini verzichtet lieber auf einen möglichen Marketingpush, wenn Geld und guter Ruf auf dem Spiel stehen.

Lamborghini Huracan GT3

Lamborghini möchte sich weiter stark im GT-Sport engagieren Zoom Download

Dazu will Lamborghini Autos an eine jüngere Zielgruppe verkaufen als sie Ferrari, Aston Martin und Co. im Visier haben. "Wenn man sich die sozialen Netzwerke ansieht, haben wir im vergangenen Jahr Zuwächse auf den wichtigsten Plattformen verzeichnet", meint Domenicali und folgert, mit zukunftsträchtigeren Projekten werben zu müssen. Er vermeidet es, die Formel E zu nennen.

Er hebt Rennklassen, in denen Lamborghini-Besitzer ihre Autos von der Leine lassen dürfen, und Privatteams in GT3-Championaten hervor - garniert mit Siegen bei Events wie den 24 Stunden von Daytona in diesem Jahr. "Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dauerhaft im Motorsport engagiert sein zu wollen. Wenn wir nochmal stark wachsen, dann im GT-Bereich und in der Langstrecken-WM. Darüber denken wir nach, entschieden ist aber nichts", so Domenicali.

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