• 08. Juni 2017 · 10:08 Uhr

McLaren erwägt Trennung von Honda: "Grenze ist erreicht"

McLaren-Geschäftsführer Zak Brown spricht über eine mögliche Trennung von Motorenpartner Honda: "Sie scheinen nicht mehr weiter zu wissen"

(Motorsport-Total.com) - Spekulationen über eine Beendigung der Zusammenarbeit zwischen McLaren und Motorenpartner Honda kursieren schon länger im Fahrerlager der Formel 1. Nachdem zuletzt McLaren-Rennleiter Eric Boullier eine Trennung von den Japanern angedeutet hat, gehen die Äußerungen von Geschäftsführer Zak Brown in eine ähnliche Richtung. "Die Grenze ist erreicht", sagt der Amerikaner im Interview mit 'Reuters".

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McLaren-Geschäftsführer Zak Brown spricht über eine mögliche Trennung von Honda Zoom Download

"Fehlende Updates. Updates, die nicht das Level erreichen, das uns versprochen wurde. Das kann man nur bis zu einem gewissen Grad akzeptieren", so Brown über die Zusammenarbeit mit Honda. Das für das Rennen in Montreal geplante Motorupdate wurde nicht rechtzeitig fertig und der Motorenhersteller aus Japan ist nicht in der Lage zu sagen, wann McLaren die neue Ausbaustufe einsetzen kann.

"Es gibt keinen definitiven Zeitrahmen, und das ist beunruhigend, weil es sehr schmerzt und wir nicht ewig herumsitzen können", so der Nachfolger von Ron Dennis. "Wir als Teams und auch unsere Fahrer haben gespannt darauf gewartet, dieses Update zu bekommen. Und es ist eine große Enttäuschung, dass es nicht kommen wird." Die Ingenieure von Honda arbeiten hart, aber "sie kämpfen" und "scheinen nicht mehr weiter zu wissen", so Brown.

Alonso braucht Grund zum Bleiben

Man befinde sich an einer Weggabelung und müsse nun über die weitere Marschrichtung entscheiden. Im Management gebe es ernsthafte Überlegungen, die Zusammenarbeit mit dem japanischen Konzern zu beenden und getrennte Wege zu gehen, sagt er. "Ein Jahr in der Formel 1 ist eine Ewigkeit. Drei Jahre sind wie ein Jahrzehnt. Und so wie jetzt kann man nicht ewig weitermachen."


Fotostrecke: Honda-Meilensteine in der Formel 1

Laut Brown müsse in den kommenden 90 Tagen eine Entscheidung her, um das neue Auto zu bauen und Fernando Alonso einen Grund zum Bleiben zu geben. Der Spanier äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder negativ über seinen Honda-Motor: "Wir haben nur ein Problem, und das ist unsere Antriebseinheit. Sie ist nicht zuverlässig und hat keine Power."

Gespräche mit dem früheren Motorenpartner Mercedes über eine erneute Kooperation und die Belieferung mit Kundenmotoren sollen bereits stattgefunden haben. Anders als bei der Belieferung durch Honda müsste McLaren die Mercedes-Motoren aber bezahlen.

Brown: "Haben ernsthafte Bedenken"

Als Werksteam habe man zwar den einen oder anderen Vorteil, aber auch als Kundenteam könne man Weltmeister werden, sagt er und verweist auf die Erfolge von Red Bull und Brawn GP.

"Das Exekutiv-Komitee hat uns eine Marschrichtung vorgegeben", erklärt der McLaren-Geschäftsführer. "Wir werden nicht nochmal so ein Jahr mitmachen, voller Hoffnung." Um dann doch wieder enttäuscht zu werden. Ziel sei es für die Traditionsmannschaft, um die Weltmeisterschaft zu fahren. Und davon ist man derzeit weit entfernt. 2017 konnte das Team aus Woking noch keinen Punkt einfahren. Der letzte Rennsieg 2012 beim Großen Preis von Brasilien durch Jenson Button liegt lange zurück.


Fotos: McLaren, Großer Preis von Monaco


Man wolle die Weltmeisterschaft mit Honda gewinnen, aber "an einem gewissen Punkt musst du eine Entscheidung treffen, ob es machbar ist", so Brown. "Und da haben wir ernsthafte Bedenken." 2015 belegte McLaren den neunten Platz in der Teamwertung, 2016 war die Mannschaft aus Woking Sechster. Und 2017 könnte das bisher schlechteste Jahr werden.

Verlust von Sponsoren und Preisgelder

Das schlechte Abschneiden in den vergangenen Jahren musste McLaren durch den Verlust von großen Sponsoren und den niedrigeren Preisgeldzahlungen durch die FOM (Formula One Management) büßen. Geld, das das Team gut gebrauchen könnte. "Wenn du dir die Auswirkungen ansiehst, die durch den Verlust der Zahlungen von FOM und Sponsoren entstehen, dann werden die kommerziellen Vorteile, die durch die Kooperation mit Honda entstehen, immer geringer", sagt Brown.

Er ergänzt: "Und wenn man das gegeneinander aufrechnet, dann ist es kein so großer Gewinn, wie es scheint." Honda soll McLaren jährlich mehr als 100 Millionen Dollar an Budget zur Verfügung stellen. Geld, das McLaren angesichts des Verlusts der großen Sponsoren gut gebrauchen und nach einer Trennung fehlen könnte.

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