• 12. Juni 2013 · 16:33 Uhr

Perez: Als Mensch und als Fahrer bei McLaren gereift

Für David Coulthard ist Sergio Perez der Krisengewinner bei McLaren - Warum der Mexikaner ein viel besserer Fahrer als 2012 ist und auch menschlich gereift ist

(Motorsport-Total.com) - Als Sergio Perez im Vorjahr für McLaren unterschrieb, hätte er sich seine Zukunft bestimmt anders vorgestellt: Der Mexikaner zeigte keine Scheu, regelmäßig vom WM-Titel zu sprechen, doch davon ist der Youngster derzeit meilenweit entfernt. Sogar Siege sind völlig außer Reichweite. Vergleicht man seine bisherige Saison mit den ersten sieben Rennen 2012 im Sauber, dann fällt auf, dass Perez damals nicht zwölf, sondern ganze 37 Punkte auf dem Konto hatte - ein krasser Unterschied.

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Mit der Aufgabe gereift: Ist Perez McLarens Krisengewinner? Zoom Download

Dennoch überraschte Perez einige Kritiker, die ihm ein rasches Karriereende an der Seite von Jenson Button prophezeit hatten. Nach einigen mäßigen Rennen zu Saisonbeginn zeigt sich der McLaren-Neuling zuletzt kämpferisch und schnell - der Weltmeister 2009 steht durchaus unter Druck. Ex-McLaren-Pilot David Coulthard, der mit Button befreundet, sieht Perez als Profiteur der aktuellen Krise beim Team aus Woking.

Coulthard: Perez gegenüber Button im Vorteil

"Jenson ist Siege gewohnt, und derzeit ist das im Verhältnis zu seinen Erwartungen ein bisschen wenig", spielt der Schotte gegenüber 'MotorSport' auf die dürftigen McLaren-Ergebnisse an. "Im Gegensatz dazu ist Sergio im Grunde, wo er im Vorjahr bei Sauber war, abgesehen von einigen Genieblitzen, die ihm dann auch sein Cockpit bei McLaren eingebracht haben. Für ihn ist McLaren ein relativ glücklicher Ort - er fährt Rad an Rad gegen Jenson, und man muss sagen, dass er bei den vergangenen Rennen etwas stärker war."

Für seinen Kumpel ist die Ausgangssituation hingegen bitter, findet Coulthard: "Jenson kann derzeit nur verlieren - er muss vor Sergio sein, um weiterhin so respektiert zu werden, wie er es zweifellos verdient, denn er hat die WM gewonnen. Wir wissen aber nicht, wie gut Sergio als Fahrer ist - er ist gut, aber ist er einer der Großen? Für Jenson ist die aktuelle Situation also sehr unglücklich."

McLaren sorgte für Reifeprozess

Auch Perez selbst zieht nach den ersten Rennen trotz der enttäuschten Erwartungen ein ambivalentes Fazit und sieht seinen McLaren-Wechsel nachträglich durchaus positiv: "Ich wäre natürlich gerne in einer viel besseren Position, als dies der Fall ist. Ich würde gerne um Siege kämpfen, aber so ist das Leben, so ist die Formel 1. Es gibt überhaupt keine Garantien. Ich bin aber als Rennfahrer viel reifer geworden. Daher kann ich zufrieden sein. Ich bin jetzt ein viel besserer Fahrer als zur gleichen Zeit vor einem Jahr, obwohl ich damals zwei oder drei Mal so viele Punkte auf dem Konto hatte."

"Ich bin jetzt ein viel besserer Fahrer als zur gleichen Zeit vor einem Jahr."Sergio Perez
Die professionelle Struktur und die für McLaren typische Detailliebe haben es Perez laut eigenen Angaben ermöglicht, ein "kompletterer Rennfahrer" zu werden. Er nennt den Umgang mit den Reifen als Beispiel: "Im Vorjahr war ich darin ziemlich gut. Als ich dann zu McLaren kam, fand ich ein komplett anderes Auto vor, das man ganz anders fahren muss. Dann war ich mit Jenson konfrontiert und habe mich nicht so gut geschlagen. Ich musste in diesen Bereichen etwas lernen und daran arbeiten. Jetzt fahre ich ganz anders als bei Sauber, dennoch kann ich im Umgang mit den Reifen gut sein. Diese Faktoren sind derzeit sehr wichtig."

Wieso das Leben bei McLaren anders als bei Sauber ist

Zunächst sei die Umstellung von einem kleinen auf ein großes Team wie McLaren eine Art Kulturschock gewesen. "Die Leute können sich nicht vorstellen, wie groß der Unterschied ist, wenn man das Team wechselt - der ist riesig. Man sitzt in einem anderen Auto, man muss die unterschiedlichen Werkzeuge kennenlernen, um das Maximum aus dem Auto herauszuholen."

"Ich repräsentiere große Marken, von denen das Team profitiert."Sergio Perez
Neben der enormen Arbeitslast, die durch die vielen Sponsorenverpflichtungen anfällt, nennt der Mexikaner die Art und Weise, wie bei McLaren auf Details geachtet wird, als größten Unterschied zu Sauber. Und der enorme Aufwand, der bei seinem Team betrieben wird, sorgt bei Perez auch für ein gestiegenes Verantwortungsbewusstsein.

"Wenn ich ein Auto habe, das für Platz 15 gut ist, dann werde ich versuchen, das Auto auf Platz 15 nachhause zu bringen", erklärt er. "Ich repräsentiere große Marken, von denen das Team profitiert. Die einzige Möglichkeit, mich dafür zu revanchieren, ist, jedes Mal 100 Prozent zu geben, wenn ich im Auto sitze." Für Button seit Jahren eine alltägliche Situation - nur dass dieses Jahr die Performance nicht stimmt. Nach dem frustrierenden Grand Prix von Kanada meinte der Brite, dass er noch nie so glücklich war, aus einem Rennauto auszusteigen. Das klingt bei Perez noch anders.

Wieso Perez manchmal arrogant wirkte

Der McLaren-Neuling wirkt auch menschlich dieses Jahr gereift, macht einen selbstsicheren Eindruck, spricht besser Englisch. "Ich bin jetzt bei einem britischen Team - vielleicht hilft das ja", überlegt er. Obwohl er noch in der Schweiz wohnt und bald nach Monte Carlo ziehen will, verbringt er viel Zeit bei seinem Team in Großbritannien: "Da spreche ich natürlich ständig Englisch."

"Wir dürfen auf keinen Fall ein weiteres Jahr vergeuden."Sergio Perez
In seinen Sauber-Jahren machte Perez zudem oft einen wortkargen Eindruck, der ihm von manchen als Arroganz ausgelegt wurde. "Ich bin kein Mensch, der sehr viel redet", rechtfertigt er sich. "Vielleicht rede ich jetzt mehr, aber zu Sauber-Zeiten habe ich nicht viel geredet, und die Leute haben vielleicht geglaubt, ich sei arrogant. Vielleicht denken sie immer noch, dass ich arrogant bin." Das mache er aber nicht mit Absicht: "Manchmal kann dieser Eindruck entstehen, vor allem, weil ich an so viele andere Dinge denken muss, vielleicht konzentriere ich mich dann nicht auf das Interview, sondern denke über andere Dinge nach."

Zum Nachdenken gibt es auch dieses Jahr genügend Dinge - zum Beispiel die Schwächen des MP4-28. Perez hadert damit, dass sich McLaren derzeit im Kreis zu drehen scheint, und zweifelt daran, dass der MP4-28 zum Siegerauto mutieren wird: "Ich denke, dass wir davon weit entfernt sind. Dafür müssten wir große Updates bringen und große Verbesserungen machen. Derzeit fehlt uns eine Sekunde pro Runde - wir sind nicht dort, wo wir sein wollen. Man gewinnt keine Rennen, wenn man eine Sekunde zurückliegt." Dazu kommt das Problem, dass man sich gleichzeitig auf die Saison 2014 mit den großen Reglementänderungen konzentrieren muss. Er ermahnt sein Team: "Wir dürfen auf keinen Fall ein weiteres Jahr vergeuden. Wir wollen gewinnen."

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