• 18. September 2023 · 06:50 Uhr

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Max Verstappen

Max Verstappen und Red Bull können doch noch verlieren, und das lag beim Grand Prix von Singapur womöglich auch ein bisschen am Fahrer

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leserinnen und Leser,

Foto zur News: Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Max Verstappen

Max Verstappen erlebte in Singapur sein schlechtestes Wochenende der Saison 2023 Zoom Download

könnt ihr euch noch an den letzten Grand Prix erinnern, den nicht Red Bull gewonnen hat? Ich nicht! In unserer F1-Show am Sonntagabend spekulierten wir, dass es Carlos Sainz gewesen sein muss, in Silverstone 2022. Das war falsch. Es war natürlich George Russell in Interlagos, beim Grand Prix von Brasilien im vergangenen November.

Max Verstappen deswegen gleich schlecht schlafen zu lassen, nur weil er nach zehn Siegen hintereinander wieder einmal verloren hat, ist natürlich überspitzt. Aber ein bisschen was Wahres steckt schon drin. Erstens, weil Red Bull vermutlich gar nicht mehr weiß, wie das ist, nicht zu gewinnen. Und weil, zweitens, ich auch sonst niemanden sehe, zu dem mir nach Singapur 2023 eine spannende Verlierergeschichte einfällt.

Ja, Helmut Marko könnte man vielleicht nominieren. Er war dieses Wochenende unsichtbar. Nach seinem hinlänglich diskutierten "Südamerikaner-Sager", für den er sogar von der FIA hochoffiziell ermahnt wurde, schien es ihm eine schlaue Idee zu sein, am besten erstmal gar keine Interviews zu geben. Und kaum taucht der Doktor unter, gewinnt Verstappen nicht mehr. Was natürlich, etwas anderes möchte ich hier gar nicht suggerieren, reiner Zufall ist.

Dass Markos sicherlich ungeschickt formulierte Aussagen am Wochenende zu einer Rassismusaffäre hochstilisiert wurde, finde ich immer noch lächerlich. Ich bin hundertprozentig dabei, bei solchen Themen eine Nulltoleranzpolitik zu fahren. Aber es gibt meiner Meinung nach einen entscheidenden Unterschied zwischen rassistischem und klischeehaftem Denken. Wie dem auch sei. Wir sollten dem Thema eigentlich keine Aufmerksamkeit mehr widmen, finde ich.

George Russell könnte auch schlecht geschlafen haben. Dem von Ehrgeiz zerfressenen Mercedes-Fahrer tut es immer besonders weh, wenn er selbst Mist baut. Am Sonntagabend hat er im Rausch, unbedingt noch gewinnen zu wollen, für einen kurzen Moment die Konzentration schleifen lassen, und dafür wurde er bitter bestraft. Er wird daraus lernen, und es wird ihm nicht wieder passieren.

Lance Stroll: Astons Verteidigungs-PR wird langsam peinlich

Oder Lance Stroll, der nach seinem schweren Crash im Qualifying am Samstag am Sonntag gar nicht fahren konnte, obwohl ihm die FIA-Ärzte grünes Licht gegeben hatten. Ihm deshalb zu unterstellen, er sei ein Weichei, halte ich für Unsinn. Beim Saisonauftakt in Bahrain, wo er mit gebrochenem Handgelenk gefahren ist, hat er bewiesen, dass er die Zähne zusammenbeißen kann. Wenn er nicht fährt, wird's schon einen triftigen Grund dafür geben.

Dass Stroll im Vergleich zu Alonso wieder einmal viel zu langsam war und ich mir eigentlich wünschen würde, 2024 einen anderen Fahrer im Aston Martin zu sehen, ist ein anderes Thema. Und es nervt auch langsam, wie stur Teamchef Mike Krack den Sohn des Chefs gegen jede Kritik von außen verteidigt. Nach dem Crash im Qualifying meinte er, der Unfall zeige, wie entschlossen Stroll sei, und dass er es draufhabe. Da bin ich anderer Meinung. Es war einfach ein Fahrfehler. Punkt.

Oder Logan Sargeant, der im Williams gegen Alexander Albon kein Land sieht und im Rennen mal wieder gecrasht ist. Zwar konnte er diesmal weiterfahren, aber die Aktion, als er sich den Frontflügel abrasierte, sah von außen nicht besonders glücklich aus. Fehler zu machen, muss man Rookies zugestehen. Problematisch für die Karriere wird's an dem Punkt, wo ein Rookie konstant zu langsam ist und trotzdem Fehler macht.

Verstappen: Unter Druck gar nicht mehr so cool?

Aber zurück zum eigentlichen Kandidaten dieser Kolumne, Max Verstappen. Insgeheim finden wir es doch alle erfrischend, mal wieder einen anderen Sieger gesehen zu haben, oder? Carlos Sainz hat seine Karten im dramatischen Finish eiskalt ausgespielt, sich einmal sogar absichtlich zurückfallen lassen, um Lando Norris wieder DRS-Schützenhilfe gegen den gefährlicheren Russell spendieren zu können. Es war Sainz' Idee, das so zu spielen, nicht die von Ferrari. Und es ist aufgegangen.

Verstappen war in Singapur ziemlich unrund. Der Stadtkurs ist bekannt dafür, ganz eigene Gesetze zu haben, was die Reifentemperaturen betrifft. Das hat in der Vergangenheit schon Mercedes verzweifeln lassen, als die "Silberpfeile" noch von Sieg zu Sieg gefahren sind, und das hat jetzt auch Red Bull stolpern lassen.

Wer in den Freien Trainings den Boxenfunk abgehört hat, konnte einen Verstappen hören, der ziemlich unrund war. Was haben wir ihn nicht gelobt für seine Coolness und Souveränität. Wie weggeblasen, wenn das Auto nicht geht! Schön zu wissen, dass Verstappen auch nur ein Mensch ist und kein Alien. Unter Druck flattern also auch bei ihm die Nerven.

Singapur ein Ausrutscher oder der Beginn einer Wende?

Wenn Verstappen etwas gar nicht kann, dann ist es verlieren. Zumal ein Restzweifel bleibt, ob Singapur ein einmaliger Ausrutscher war oder vielleicht doch eine Trendwende. Am vergangenen Wochenende haben zum ersten Mal zwei technische Richtlinien der FIA gegriffen (flexible Flügel und Unterboden). Nicht ausgeschlossen, dass auch das ein Grund dafür ist, dass Red Bull plötzlich nicht mehr gewinnt.


Von Sainz in Crash getrieben: Russell rastet völlig aus!

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Toto Wolff sagt, das, was George Russell nach seinem Crash gefunkt hat, könne man im TV nicht sagen. Weitere Formel-1-Videos

Wahrscheinlich ist es allerdings nicht, dass die goldene Red-Bull-Ära jetzt schon zu Ende ist. Selbst Konkurrenten wie Toto Wolff und Frederic Vasseur glauben nicht dran, dass die Richtlinien Red Bull dramatisch eingebremst haben. Und Christian Horner behauptet, dass am Auto gar nichts geändert wurde. Wenn das stimmt, dann müssen sich Mercedes, Ferrari & Co. schon in einer Woche in Suzuka wieder warm anziehen.

Zur Wahrheit des vergangenen Wochenendes gehört aber auch: Singapur ist eine Strecke, die noch nie zu Verstappens besten gehört hat. Es ist kein Zufall, dass ihm ein Sieg beim "Nightrace" in der Erfolgsbilanz fehlt. Der Abstand zu Teamkollege Sergio Perez war in nahezu allen Sessions unter Durchschnitt. Weil Verstappen einer ist, der es liebt, ein driftendes Heck in 300-km/h-Mutkurven einzufangen. Der aber weniger Freude dran hat, ein Auto durch die engen Gassen eines Stadtkurses zu prügeln.

Das merkt man dann eben auch auf der Stoppuhr. Und das ist vielleicht ganz gut so. Sonst hätte Verstappen eh kaum noch was, woran er in den nächsten Jahren arbeiten kann ...

Übrigens: Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat, ist nach diesem Grand Prix wohl klar. Mein Kollege Stefan Ehlen hat es in der Schwesterkolumne aufgeschrieben. (Jetzt lesen!)

Euer Christian Nimmervoll


Hinweis: Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Kolumne meine subjektive Wahrnehmung abbildet. Wer anderer Meinung ist, kann das gern mit mir ausdiskutieren, und zwar auf meiner Facebook-Seite "Formel 1 inside mit Christian Nimmervoll". Dort gibt's nicht in erster Linie "breaking News" aus dem Grand-Prix-Zirkus, sondern vor allem streng subjektive und manchmal durchaus bissige Einordnungen der wichtigsten Entwicklungen hinter den Kulissen der Formel 1.

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