• 30. November 2020 · 05:25 Uhr

Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sergio Perez

Was Sergio Perez auf seiner heutigen "Pressekonferenz" bekanntgeben wird und wie Max Verstappen seine Leistung im Vergleich zu der von Alexander Albon einordnet

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser/-innen,

Sergio Perez

Der defekte Wagen von Sergio Perez nach dem Ausfall beim GP von Bahrain 1 Zoom Download

bevor ich auf den Mann eingehe, der meiner Meinung nach letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat, nämlich Sergio Perez, muss ich dringend was loswerden. Quasi in eigener Sache.

Auf meiner persönlichen Facebook-Seite "Formel 1 inside mit Christian Nimmervoll" habe ich gestern ein Foto von Romain Grosjean gepostet, wie er gerade aus den Flammen steigt (Seite gern liken und selbst nachlesen. Danke jedem neuen Follower!).

Dazu habe ich folgenden Text geschrieben:

"Ich bin unheimlich froh, dass kein anderer Fahrer an diesem Unfall schuld war. Wenn überhaupt, dann hat es Romain Grosjean mit dem Spurwechsel selbst ausgelöst. Aber das spielt jetzt auch gar keine Rolle. Es zählt nur, dass es ihm gut geht, und dass er seine Formel-1-Karriere gesund beendet, um heil zu seiner Frau Marion und zu seinen drei Kindern nach Hause zu kommen. [...]"

Darüber haben sich einige User furchtbar aufgeregt, wie geschmacklos es nicht sei, nach einem solchen Ereignis die Schuldfrage auch nur zu streifen.

Schuldfrage beim Grosjean-Crash: Für Kwjat eine klare Sache

Erstens: Darum ging es doch gar nicht. Man stelle sich vor, Daniil Kwjat hätte sich vorwerfen müssen, den Crash ausgelöst zu haben, und er wäre nicht so glimpflich ausgegangen, wie er ausgegangen ist. Der arme Russe!

Aber im Social-Media-Zeitalter ist es eben schick, sich über jeden Scheiß zu empören, und so haben einige User dann auch elegant die Worte "wenn überhaupt", "spielt gar keine Rolle" und "zählt nur, dass es ihm gut geht" aus ihrem sinnerfassenden Lesen gestrichen.

Schwamm drüber.

Aber auch wenn es gar nicht so gemeint war: Natürlich darf man die Schuldfrage nach so einem Unfall diskutieren (Kwjat hat das auch getan), denn auch die gehört zur Wahrheit von Grosjeans zweitem Geburtstag am 29. November 2020. Und da ist zu sagen: Ja, Grosjean war einzig und allein selbst schuld, wegen seines extrem gefährlichen Spurwechsels.

Dem einst von Jean Todt durchgedrückten Halo-Schutzbügel, den er selbst nie wollte, verdankt der dreifache Familienvater sein Leben. Aber das soll hier nicht mein Thema sein. Mit dem Grosjean-Crash und seinen Nachwirkungen beschäftigt sich heute mein Kollege Stefan Ehlen in seiner Kolumne auf dem Schwesterportal motorsport.com.

Ein bisschen wie einst der "Kaiser" in Rom ...

Der Verlierer des Rennsonntags Bahrain 1 war ein anderer, nämlich Sergio Perez.

Sein Chef Otmar Szafnauer hat mich ein bisschen an Franz Beckenbauer nach dem WM-Finale 1990 in Rom erinnert, als er da so saß, ganz alleine am Kommandostand. Anders als der "Kaiser" war Szafnauer aber nicht glücklich, sondern traurig, und das völlig zurecht.

Mit dem "rosa Mercedes" hätte das einst von Eddie Jordan gegründete Team 2020 die historische Chance gehabt, hinter dem schwarzen Original-Mercedes Vize-Weltmeister zu werden. Ein Red-Bull-Team mit nur einem konkurrenzfähigen Fahrer macht's möglich.


Grosjean-Crash: Das Feuer war gar nicht das Problem ...

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Grosjean-Crash: Das Feuer war gar nicht das Problem ...

Romain Grosjeans Feuerunfall von Bahrain in der Analyse: Die Leitplanke an der falschen Stelle, der Lebensretter und die Schuldfrage! Weitere Formel-1-Videos

Aber mit der höchsten Fehlerquote im gesamten Feld, was Boxenstopps, Renntaktik & Co. betrifft, hat Racing Point mehr Punkte weggeworfen als jeder andere Rennstall. Dazu kommt, dass Lance Stroll seine Chancen nicht so konsequent genutzt hat wie Perez - man denke etwa an den verschenkten Sieg in Monza.

Vergessen wir auch nicht, dass Racing Point ohne "Copygate"-Strafe schon 169 statt 154 Punkte auf dem Konto hätte und zumindest McLaren in der Konstrukteurs-WM dicht auf den Fersen wäre. Auch das ist letztendlich selbst verschuldet und nichts, wofür man sich ausreden kann.

Gut, dass das Team nächstes Jahr Sebastian Vettel als Routinier ins Team bekommt. Schlecht allerdings, dass er Perez ersetzt und nicht Stroll.

Normalerweise wäre Perez Vierter in der WM

Perez hat in Bahrain einmal mehr bewiesen, dass er gerade auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist. Mit den 15 Punkten, die ihm die Mercedes-MGU-K gestern Abend gestohlen hat, wäre er in der Weltmeisterschaft immer noch Vierter, und im Vergleich zu Alex Albon, der mutmaßlich im marginal besseren Auto sitzt, würde es statt 100:85 sogar 115:82 stehen.

Albon, das ist der junge Mann, der jenes Cockpit besetzt, dass Perez gern hätte - und das seine letzte Chance auf eine Fortsetzung der Formel-1-Karriere ist.

Haas wird, so schwört mir eine gut unterrichtete Quelle, diese Woche erst Nikita Masepin und dann Mick Schumacher bestätigen, noch vor Bahrain 2 (sofern der Grosjean-Crash diesen Plan nicht über den Haufen geworfen hat). Damit ist Perez' letzte Chance außerhalb von Red Bull schon mal dahin.

Heute für 11:30 Uhr mexikanische Zeit hat sein Management für ein paar südamerikanische Journalisten eine als große Pressekonferenz verklärte Online-Medienrunde einberufen.

Die Aufregung darüber war groß auf Social Media. Perez werde seinen Wechsel zu Red Bull bekanntgeben, spekulieren wohl die gleichen Propheten, die ohnehin seit Wochen bloggen, dass das Red-Bull-Cockpit für Perez zu 99 Prozent fix sei (was meines Wissens nach, Stand heute, kompletter Unsinn ist).

Andere wiederum interpretierten den Termin eher so, dass er wohl seinen (zumindest vorläufigen) Rückzug aus der Formel 1 bestätigen könnte.

Letzteres kommt wohl schon eher hin, muss aber auch nicht zwingend der Fall sein.

Was wirklich dahintersteckt

Meine Kollegen vom Motorsport Network Südamerika, die bei dem Termin natürlich dabei sein werden, versichern mir, dass Perez schon seit Mai regelmäßig solche Online-Medientermine macht. Eine PK-Einladung von vielen also, ganz formlos per E-Mail verschickt von seinem Management. Wie schon oft in diesem Jahr. Der Unterschied ist nur: Diesmal wird das live übertragen. Was er wohl zu sagen hat?

Dass Perez den sicher geglaubten dritten Platz in Bahrain ausgerechnet an Albon verloren hat, könnte ein Wink des Schicksals sein. Albon fährt um seine letzte Chance in der Formel 1, und das hat er am vergangenen Wochenende ganz gut gemacht. Zumindest oberflächlich betrachtet.

Bei genauerem Hinsehen hat er Dr. Marko weitere Gründe geliefert, ihn 2021 nicht noch einmal ins Auto zu setzen. Da wäre einmal der anfängerhafte Trainingscrash am Freitag; und so überragend, wie sie wegen des Podiums aussah, war die Performance im Rennen genau genommen auch nicht.

Oder, wie es Max Verstappen im niederländischen Fernsehen formuliert hat: "Ich finde nicht, dass es eine besonders herausragende Leistung ist, wenn du 30 oder 40 Sekunden hinter deinem Teamkollegen fährst." Nachsatz: "Schade für 'Checo', denn er ist ein sehr starkes Rennen gefahren. Aber freut mich natürlich für Alex, dass er es aufs Podium geschafft hat."

So kann man es auch sagen.

Ihr
Christian Nimmervoll

In diesem Jahr neu: Folgen Sie mir auf Facebook unter "Formel 1 inside" mit Christian Nimmervoll". Dort gibt's alle von mir verfassten Formel-1-Texte sowie Insiderinfos, Meinungen und Einschätzungen zu aktuellen Themen. Und natürlich die Möglichkeit, diese Kolumne zu kritisieren und zu diskutieren!

Und nicht vergessen: Stefan Ehlen und ich diskutieren unsere Kolumnen (und alternative Gut- und Schlechtschläfer) noch in einem Videobeitrag. Den finden Sie um 17:00 Uhr als Premiere auf unserem YouTube-Kanal - den Sie am besten gleich abonnieren, damit Sie nichts mehr verpassen!

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