• 14. August 2022 · 06:53 Uhr

Exklusiv: Helmut Marko über Porsche und das "Marokko-Leak"

Das Interview: Wie Helmut Marko den Porsche-Deal sieht, was ihm Sebastian Vettel geschrieben hat und warum Sergio Perez wieder zurückgefallen ist

(Motorsport-Total.com) - Samstagmorgen vor dem Grand Prix von Ungarn, 8:30 Uhr im Paddock auf dem Hungaroring. Mit einer Aktentasche in der Hand kommt Helmut Marko an der Strecke an. Wir (Chefredakteur Christian Nimmervoll, Videohost Kevin Scheuren und Fotograf Bernd Erlhof von circuitpics.de) sind zum Interview mit dem "Doktor", wie er ebenso ehrfürchtig wie liebevoll genannt wird, zum Frühstück verabredet.

Helmut Marko im Gespräch mit Christian Nimmervoll

Das Interview mit Helmut Marko wurde am Samstag vor dem Grand Prix von Ungarn aufgezeichnet Zoom Download

In der oberen Etage der hölzernen Energystation löffelt Marko zunächst ein Joghurt mit Früchten, ehe er sich noch ein Croissant gönnt. Im Paddock ist es sonst noch ziemlich leer. Der 79-Jährige gehört trotz seines fortgeschrittenen Alters zu den härtesten Arbeitern in der Formel 1. Seine frühmorgendlichen Anrufe bei den Juniorfahrern, die er liebend gern weckt, sind legendär und Gegenstand dutzender Anekdoten.

Es gibt was zu besprechen mit dem Motorsportkonsulenten von Red Bull. Dokumente der Kartellbehörde in Marokko haben enthüllt, was 'Motorsport-Total.com' seit Monaten berichtet: dass Porsche 50 Prozent des Formel-1-Projekts von Red Bull übernehmen wird und der Deal nur noch Formsache ist.

Es ist ein Jahrhundertdeal, den Marko für seinen Chef Dietrich Mateschitz eingefädelt hat: Red Bull casht geschätzte 500 Millionen Euro ein, zieht mit Porsche einen der prestigeträchtigsten Partner an Land, die es im Motorsport gibt, schafft das perfekte Exitszenario, sollte Mateschitz eines Tages den Stecker ziehen wollen - und am Ende steht immer noch riesengroß Red Bull auf den Autos.

Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com', die Marko bei unserem Frühstück explizit nicht bestätigt, sind die Eckpfeiler der Vereinbarung bereits unterschrieben. Nur das mit der offiziellen Bekanntgabe zieht sich noch hin. Solange die FIA kein Motorenreglement für 2026 verabschiedet hat, gibt's kein öffentliches Ja-Wort von Porsche. Das soll aber in den nächsten Tagen erledigt werden.

Marko: Das sagt er über Porsche und das "Marokko-Leak"

Frage: "Herr Marko, vor dem Grand Prix von Ungarn haben wir das sogenannte 'Marokko-Dokument' enthüllt. Jetzt frage ich mich natürlich: Wenn da wirklich noch nichts fixiert ist zwischen Red Bull und Porsche, warum sind dann die Kartellbehörden schon informiert?"
Helmut Marko: "Die Sache ist ganz einfach. Der Vorstandsbeschluss von VW lautet: Wenn das technische Reglement den Kriterien entspricht, dann haben sie das Mandat, in die Formel 1 zu gehen."

"Das betrifft in erster Linie Costcap, Nachhaltigkeit, emissionsfreies Benzin, Chancengleichheit als Newcomer, also mehr Prüfstandkapazitäten und dergleichen. Rein formell gibt es dieses neue Reglement aber noch nicht. Der FIA-Präsident wird das ja angeblich in einem E-Mail-Voting demnächst über die Bühne bringen. Erst dann geht es offiziell los."

Frage: "Das Datum dafür ist der 2. August, richtig?"
Marko: "Ja. Wenn es durchgeht. Die genannten Kriterien müssen dann im Reglement abgebildet werden, sonst ergibt das Ganze keinen Sinn. Beziehungsweise wird in der Planung viel schwieriger."

Frage: "Das Motorenreglement 2026 hätte ja bereits Ende Juni verabschiedet werden sollen. Haben Sie den Eindruck, dass diese Entscheidung bewusst verschleppt wird?"
Marko: "Das ist das übliche Spiel in der Formel 1. Die Platzhirsche - in dem Fall Mercedes und Ferrari, denn Renault ist da eher Beiwagen - versuchen, für sich das Beste rauszuholen. Dann entsteht irgendein Kompromiss, mit dem alle leben können, und das in stundenlanger Diskussion. Aber das ist Teil der Formel-1-Politik."

Motorenreglement: Worüber noch verhandelt wird

Frage: "Was sind konkret die verbleibenden Stolpersteine, die noch nicht vereinbart sind?"
Marko: "Da geht's erstens um die Prüfstandstunden, die Newcomer mehr bekommen sollen. Aber es ist wie bei allem, wie bei jedem Reglement: Je weniger Zeit die Neueinsteiger für die Vorbereitung haben, umso besser für die Etablierten. Weil die Investitionen durch das Costcap limitiert sind."

"Wir haben Red Bull Powertrains voriges Jahr gegründet. Die Motorenfabrik von Mercedes ist wahrscheinlich 20, 30 Jahre alt. Ferrari ebenso. Da muss man im Costcap Angleichungen finden."

"Beispiel: Wenn uns ein Betrag X zugestanden wird, können wir den aktuell gar nicht verbauen, weil wir die erforderlichen Materialien nicht kriegen. Es gibt Knappheiten am Weltmarkt. AVL kann nicht ad hoc liefern, weil Stahl knapp ist. Baufirmen findet man kaum. Das muss man in so einem Gesamtpaket berücksichtigen, dass das für einen Newcomer gerade besonders schwierig ist."


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Frage: "Haben Sie wegen der genannten Themen Schwierigkeiten beim Aufbau von Red Bull Powertrains?
Marko: "Wir hatten das Glück, dass wir die meisten Bauarbeiten vor Kriegsbeginn abgeschlossen haben. Bei AVL hatten wir auch schon vorher bestellt. Das heißt, der Stahlmangel hat uns nicht mehr so betroffen. Und dann das Glück in England mit dem Wetter. In Österreich hätten wir diese Adaptionen nicht in der kurzen Zeit durchführen können."

Frage: "Die Verhandlungen über den Newcomerstatus betreffen Red Bull auf jeden Fall. Entweder mit Red Bull Powertrains oder mit einem neuen Hersteller, denn Honda ist 2026 weg, richtig?"
Marko: "Richtig."

Honda: Würden die Japaner eigentlich gern weitermachen?

Frage: "Man hat das Gefühl, Honda würde inzwischen eigentlich gern weitermachen. Hat es darüber je Gespräche gegeben?"
Marko: "Es gibt bei den Japanern Gott sei Dank eine Änderung der Politik. Ursprünglich hätten wir ja die Motoren ab 2023 selbst zusammenbauen müssen. Aber dafür braucht man Ersatzteile, und 90 Prozent der Zulieferer sind in Japan."

"Gott sei Dank ist das revidiert worden, denn das wäre technisch, logistisch und auch sprachlich ein Problem geworden. Jetzt macht Honda die Motoren bis Ende 2025."

Frage: "Komplett?"
Marko: "Komplett. Wir kriegen die versiegelt, können da nicht reinschauen. Das ist auch für unseren Newcomerstatus 2026 wichtig. Die liefern das in einer Kiste an, und wenn es irgendein Problem gibt, dürfen nur Honda-Mechaniker an dem Motor arbeiten."

Frage: "Wenn Honda noch alles macht, was machen dann eigentlich die Mitarbeiter von Red Bull Powertrains in Milton Keynes?"
Marko: "Das sind aktuell bereits 300 Mitarbeiter. Die Arbeiten nur auf das 2026er-Reglement hin. Sollte ein neuer Hersteller kommen, kann man kooperieren. Der könnte die Einrichtungen nutzen, die wir haben, was ein weiterer Bonuspunkt ist. Wenn ein neuer Hersteller kommt, hat er sofort eine neue Motorenfabrik mit sechs funktionierenden Prüfständen. Dort ist alles das Feinste vom Feinen."

Frage: "Wird AlphaTauri auch nach 2026 den gleichen Motor fahren wie Red Bull Racing?"
Marko: "Ja, das ist so geplant."

Frage: "Sie sind 79. Dietrich Mateschitz ist 78. Angenommen, jetzt werden 50 Prozent an einen Hersteller verkauft. Dann hat Red Bull ein super Exitszenario, sollte man irgendwann nicht mehr Formel 1 machen wollen. Weil man dann auch die restlichen 50 Prozent verkaufen könnte."
Marko: "Die Formel 1 ist das stärkste Marketingtool, das Red Bull hat, und das erfolgreichste. Das Team hat eine abgesicherte Zukunft."

Marko & Porsche: Eine glorreiche Vergangenheit

Frage: "Sie haben 1971 Le Mans gewonnen, auf einem Porsche 917. Das war ihr größter Erfolg als Rennfahrer. Würden Sie sagen, Sie haben eine besondere Beziehung zur Marke Porsche?"
Marko: "Ich hatte zu einigen handelnden Personen sowie zu Ferdinand Piëch ein Verhältnis, das auf Ehrfurcht beruht hat."

"Damals waren da noch andere Verhältnisse. Ein Beispiel: In Daytona knalle ich mit 300 in die Betonmauer, weil sich der Reifen gelöst hat. Das Problem kannte man seit X Rennen, ist aber wieder aufgetreten. Ich steige aus, bin zum Glück okay, laufe voller Wut in die Box und fange an, dem Herrn Piëch meine Meinung mitzuteilen."

"Seine Antwort: Ob ich nicht weiß, dass das ein 24-Stunden-Rennen ist, und ich soll das Auto gefälligst an die Box bringen! Da war ich ganz verdattert! Solche Verhältnisse haben damals geherrscht. Seitdem hatte ich mit Porsche nicht mehr viel zu tun."

Frage: "Sie erwähnen Piëch und gelten ja auch selbst manchmal als 'harter Hund'. Würden Sie sagen, dass Sie, was Teammanagement betrifft, von Piëch gelernt haben?"
Marko: "Als Fahrer habe ich diese Dinge damals noch nicht so beachtet. Aber was man von ihm sicher lernen konnte und was ich bei ihm auch gelernt habe: Du musst komplett committet sein und du musst ein Team straff führen, wenn du im Motorsport Erfolg haben willst."

Marko: Red Bull ist nicht langsamer als Ferrari

Frage: "Max Verstappen hat in der WM 80 Punkte Vorsprung. Doch zuletzt in Spielberg und Le Castellet schien der Ferrari etwas schneller zu sein. Haben Sie vielleicht das komplettere, aber nicht das schnellere Paket bei Red Bull?"
Marko: "Ich sehe das nicht so. Wir waren in dieser Saison bis auf Barcelona immer auf Augenhöhe mit Ferrari."

"Oft hat die Tagesform entschieden, wer letztendlich vorn war - abgesehen von strategischen oder technischen Problemen, die wir deutlich weniger haben. Nur auf die einzelne Runde haben wir vielleicht einen geringfügigen Rückstand."

"Leclerc hat ungefähr so viele Polepositions wie wir Siege. Die Poleposition sagt nicht viel aus, und nachdem das Strecken sind, wo das Überholen möglich ist, ist das nicht mehr so ein Kriterium. In Monte Carlo oder Singapur wird das anders ausschauen."

Helmut Marko im Gespräch mit Christian Nimmervoll

Helmut Marko im Gespräch mit Chefredakteur Christian Nimmervoll Zoom Download

"Aber das Entscheidende ist, dass du im Rennen den Speed gehen kannst, ohne dass du die Reifen überforderst. Und da muss ich klar widersprechen: In Le Castellet war Max im Rennen der Schnellere. Wenn du innerhalb einer Sekunde zehn Runden hinterherfährst, zeigt das, dass du der Schnellere bist. Wir waren dort im Rennen das schnellere Auto."

"Über die Saison gesehen ist es auf Augenhöhe. Es kommt auf die Tagesform an und auf die Updates. Die wirken immer ein bis zwei Rennen. Aber auch das sind keine signifikanten Kräfteverschiebungen."

Schlüsselrennen Spielberg: Im Renntrimm zu langsam

Frage: "War Spielberg ein Schlüsselrennen? Weil man dort gelernt hat, den Fokus mehr auf das Rennen zu legen? Oder war das nur eine Folge davon, dass man vor dem Qualifying nur ein einziges Training hatte?"
Marko: "Ich glaube, dass war in erster Linie auf das Sprintsystem zurückzuführen. Du hattest nur ein Training."

"In Spielberg haben sich die Temperaturen drastisch verändert, und wir haben schon im Sprint gesehen, die letzten zwei oder drei Runden ist Leclerc von 3,2 auf 1,7 Sekunden hingefahren. Das war das erste Alarmsignal. Aber zu dem Zeitpunkt konnten wir nichts mehr ändern."

Frage: "Sergio Perez hat um die Zeit Baku/Monaco super mit Verstappen mitgehalten. Zuletzt ist er wieder zurückgefallen. Weil die Veränderungen, die man am Auto vorgenommen hat, Verstappen eher entgegenkommen als ihm?"
Marko: "Max liebt ein Auto, das vorn richtig beißt. Was das Heck macht, ist ihm egal."

"Wenn es bei 300 km/h ausbricht und Perez und all die anderen, die früher da waren, sagen, das ist unfahrbar, dann wird Max nicht einmal unruhig. Am Saisonbeginn war das Auto eher untersteuernd. Letztlich geht es darum, das Auto maximal schnell zu machen."

"Mit einem Auto, das Max besser liegt, wird der Faktor Verstappen noch einmal hervorgehoben. Wenn man so einen außergewöhnlichen Fahrer hat, ist es wichtig, dass man das ganze Potenzial nutzt. Dadurch ist Perez vielleicht wieder auf Normalniveau zurückgefallen. Teamkollege von Verstappen sein ist kein Honigschlecken."

Verstappen: Bester Red-Bull-Fahrer - vor Vettel!

Frage: "Ist Verstappen der beste Fahrer, der bislang für Red Bull gefahren ist?"
Marko: "Ja, ganz klar. Nach dem Gewinn der WM hat er Souveränität gewonnen, ohne dass der Speed gelitten hat. Und er ist noch schneller mit weniger Risiko und weniger Materialverschleiß."

Frage: "Red Bull war früher immer gut in den Kurven. Jetzt sind Sie plötzlich ein Topspeed-Wunder. Wie viel davon ist Red Bull und wie viel ist Honda?"
Marko: "Das Fahrzeugkonzept kommt von Newey, der ein Auto geschaffen hat, das sehr viel Abtrieb bei geringem Luftwiederstand produziert. Das ist das eine."

"Das andere ist, dass Honda weiterentwickelt und die Umstellung auf E10-Benzin kaum Leistung gekostet hat. Es ist die Kombination von beidem. Jetzt ist es halt ein völlig anderes Herangehen. In den vergangenen Jahren waren wir auf den Geraden meistens der Langsamste. Jetzt sind wir der Schnellste. Das ist angenehm. Und in den Kurven verlieren bei weitem nicht das, was wir auf den Geraden gewinnen."

Frage: "Verstappen kann bei seinem Vorsprung mit zweiten Plätzen Weltmeister werden."
Marko: "Das ist nicht unser Ziel, und es wäre äußerst riskant. Das haben wir vorheriges Jahr gesehen, als wir dann plötzlich nur noch zweite Plätze herausgefahren haben."

"Wir müssen noch drei, vier Rennen gewinnen, wenn das Kräfteverhältnis so bleibt. Wenn Mercedes noch aus eigener Kraft um Siege fahren kann, wäre das für uns eher besser und für Ferrari schlechter. Denn Ferrari muss optimal punkten, damit sie eine Chance haben."

Im Eiltempo zum WM-Titel: Gut für 2023?

Frage: "Mit der Budgetobergrenze ist es doch so, dass man noch mehr Vorteile daraus ziehen kann als früher, wenn man die Entwicklung frühzeitig aufs nächste Jahr umstellt, oder sehen Sie das anders?"
Marko: "Voriges Jahr haben viele geschrieben, dass wir 2022 ein bis zwei Sekunden hinterherfahren werden, weil wir gezwungen waren, das Chassis bis zum letzten Rennen weiterzuentwickeln, um gegen diesen Hamilton-Motor in Brasilien überhaupt eine Chance zu haben."


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Frage: "Gebe ich gern zu: Dachte ich auch. Wenn auch nicht ein bis zwei Sekunden."
Marko: "Wir haben ein solides Team, wir haben wenig Fluktuation. Es passiert, dass mal jemand weggeht, aber es war nichts Essenzielles in unserer Aerodynamikabteilung. Dadurch, dass wir so eine solide und leidenschaftliche Gruppe haben, war das möglich. Und einen guten Finanzer, der das mit dem Budgetcap regelt."

Marko: Formel 1 darf keine Buchhalter-WM werden

Frage: "Hat es schon einmal die Situation gegeben, dass der Finanzer gesagt hat, dieses Update wird jetzt nicht gemacht, weil zu teuer?"
Marko: "Die Finanzabteilung wurde kräftig aufgestockt. Früher mussten die Techniker nur anmelden, wie viel sie brauchen, und wenn sie außerhalb des Businessplans waren, musste man das irgendwie mit Red Bull in Salzburg abstimmen."

"Jetzt ist es so, dass die Kooperation mit den Finanzern die Updates und auch die der Massivität der Updates bestimmt. Aber es ist nicht so, dass der Finanzer sagt, ab da kann's kein Update mehr geben. Sondern wir von der Teamführung schauen uns das an und sagen, wir brauchen noch ein Update. Dann muss das woanders eingespart werden."

"Wir haben bei Red Bull Racing Leute abgebaut, aber wir haben ja noch Red Bull Technology. Die Leute werden dann verschoben und kriegen andere Aufgaben. Wir haben ja das Hypercar, wir sind im America's Cup. Es gibt einige Projekte, wo wir Personal unterbringen können, das man nicht verlieren will."

"Das ist ein Prozess, wo die FIA lernt, wo wir lernen. Ich hoffe nicht, dass das zu einer Buchhaltermeisterschaft ausartet."

Gewicht des RB18: Ein paar Kilogramm fehlen noch

Frage: "Kommt das Auto dieses Jahr noch auf Idealgewicht?"
Marko: "Das ist schon viel besser geworden."

Frage: "Man hört, es fehlen noch irgendwo zwischen null und fünf Kilo."
Marko: "Ja."

Frage: "Kommen wir zu AlphaTauri. Sind Sie zufrieden, wie es dort läuft?"
Marko: "Nein. Alpha Tauri ist erst in Le Castellet mit einem vernünftigen Update gekommen, die hatten zu wenig Updates."

"Das Rennen war schlecht. Gasly hat dort einen Fehler gemacht, als er, beim Versuch zu überholen, seine Punkteposition verloren hat. Ocon ist da Yuki reingefahren und das Auto wurde massiv beschädigt. Das Update hat etwas verbessert und war erfolgreich. Jetzt muss man von da weiterarbeiten."

"Aber der Anspruch, im Mittelfeld erfolgreich mitfahren, ist derzeit nicht erfüllt."

Tsunoda: Was Marko am Kult-Japaner so mag

Frage: "Hilft der Psychologe bei Tsunoda?"
Marko: "Ja. Aber Tsunoda ist nicht der einzige Fahrer, der auf dem Gebiet Probleme hat und der sowas in Anspruch nimmt. Das ist ja auch nichts Verwerfliches."

"Wir haben zwei Japaner im Kader, und die könnten gegensätzlicher nicht sein. Isawa fährt auf Poleposition und kommt nachher daher: 'Entschuldigung, dass ich da bin.' Yuki ist da ganz anders. Der schert sich um nichts. Er ist sehr emotional unterwegs. Für einen Japaner eher die Ausnahme."

"Seine Wutausbrüche am Funk sind aber irgendwann zu weit gegangen. Auf Englisch zu fluchen, das hat er bei Carlin gelernt. Aber wenn du mitten in einer Kurve fluchst und schimpfst, ist das nicht gut. Dann fährst du langsamer. Das haben wir ihm erklärt, dass er das abstellen muss."

"Außerdem kann der Ingenieur mit einem Feedback wie 'bloody fucking car' nichts anfangen. Wir müssen wissen: Was macht das Auto genau? Das muss er analysieren und dann sachlich sagen."

Frage: "Ich habe ja den Eindruck, sie mögen den genau deswegen, weil er ist, wie er ist."
Marko: "Ja. Yuki hat einen gewissen Kultstatus bei uns."

Frage: "Hat er Weltmeisterpotenzial?"
Marko: Er hat das Potenzial, Grands Prix zu gewinnen. Und das ist ja unser Anspruch im Juniorprogramm. Weltmeister, da muss so viel zusammenstimmen. Da muss nochmal eine Stufe mehr vom Fahrer als Gesamtpersönlichkeit kommen, denn in einer kritischen Situation kann der Fahrer das ganze Team aufrichten oder mitziehen oder runterholen."

Gasly: Keine Chance auf Rückkehr zu Red Bull Racing

Frage: "Wie viel besser ist Pierre Gasly heute als 2019, als er bei Red Bull Racing überhaupt kein Land gesehen hat?"
Marko: "Gasly wurde in Ungarn 2019 von Max überrundet. Er ist sicher gefestigter, hat viel mehr Selbstvertrauen. Aber inwieweit er gegen einen Verstappen bestehen könnte, ist schwer zu sagen."

Frage: "Kann man nicht am Simulator erkennen, ob er seither auch schneller geworden ist?"
Marko: "Dazu muss ich eine Geschichte erzählen. Rudy van Buren fährt Rennen im Porsche-Supercup. 100 Kilo schwer, 190 Zentimeter groß. Er fährt mit Verstappen diese Simraces, und im Simulator ist er der Beste."

"In ein Formel-1-Auto würde er wahrscheinlich gar nicht reinpassen, und selbst wenn: Der wäre nirgendwo. Der Simulator ist ein Tool, das sehr gut ist und ständig weiterentwickelt wird, aber du fährst da allein."

"Unsere Junioren müssen im Simulator eine Qualifyingrunde fahren, als Standortbestimmung. Wir nennen das die 'Helmut-Runde'. Manche kriegen das besser hin, manche schlechter. Im Simulator hast du auch keinen Druck."

"Es ist auch manchmal eine mentale Sache. Es gibt Leute, die sind irrsinnig schnell, aber im Qualifying nicht gut. Perez ist so einer. Bei dem war das schon die ganze Karriere so."

Kevin Scheuren, Helmut Marko und Christian Nimmervoll

Im Red-Bull-Motorhome: Kevin Scheuren, Helmut Marko und Christian Nimmervoll Zoom Download

Frage: "Perez hat einen Vertrag bis Ende 2024. Gibt es für Gasly überhaupt eine Aufstiegsperspektive?"
Marko: "Perez' Vertrag verhindert 2023 einen Transfer von Gasly zu Red Bull Racing. Ab 2024 ist Gasly frei."

Frage: "Würden Sie ihn ziehen lassen, sollte sich eine attraktive Möglichkeit für ihn ergeben? So, wie Sie das bei Carlos Sainz auch gemacht haben?"
Marko: "Ja. Wir haben ein gutes Verhältnis. Als Teamleader war er bei Alpha Tauri die letzten Jahre sehr erfolgreich. Aber Yuki ist ja vom Speed her auf eine Runde schon auf seinem Level. Im Rennen läuft es nicht ganz so. Trotzdem haben wir Gaslys Vertrag finanziell verbessert, obwohl wir das nicht tun hätten müssen."

Vips: Warum der Red-Bull-Junior gefeuert wurde

Frage: "War die Trennung von Jüri Vips nach seiner rassistischen Aussage alternativlos?"
Marko: "Die englische Presse hat einen derartigen Shitstorm entfacht, dass Red Bull Racing gar nichts anderes übrigblieb, als ihn von all seinen Funktionen zu entheben."

"Ich finde: Er ist 21 Jahre jung und hat sich entschuldigt. Mich ärgert, dass das in einem saublöden Videospiel passiert ist, weil die am Nachmittag nichts Besseres zu tun haben. Wie man sowas mehr als zwei Minuten machen kann, verstehe ich nicht. Aber gut, so ist die Jugend. Ich kann damit nichts anfangen."

"Max hat auch immer seinen Simulator dabei. Nach einem Grand-Prix-Sieg kann es passieren, dass er mit Rudy van Buren noch ein virtuelles Rennen fährt. Da ist er dann zweiter Fahrer. Der Renningenieur der beiden sitzt in Kiew und der Dateningenieur in Südafrika. So verbringen die ihre Zeit."

Frage: "Vor einigen Jahren hat Verstappen Lance Stroll am Boxenfunk als 'Mongo' beschimpft. Damals hat sich Red Bull trotz kritischer Medienberichte hinter ihn gestellt. Was ist bei Verstappen anders als bei Vips?"
Marko: "Das kann man nicht vergleichen. Es geht auch um die ganze Entwicklung der beiden als Persönlichkeit. Max hat ja bei solchen Themen immer wieder klare Kante gezeigt. Und natürlich war bei Vips auch der Druck seitens der Presse und von Sponsoren so groß, dass wir reagieren mussten."

Hauger: Ist er der nächste Junior in der Formel 1?

Frage: "Die nächste Aufstiegsmöglichkeit aus dem Juniorprogramm in die Formel 1 könnte es geben, wenn Gasly geht. Wer ist da der Nächste, der den Schritt machen könnte?"
Marko: "Dennis Hauger hat die Formel 3 in wirklich unglaublicher Manier dominiert und hat jetzt in der Formel 2 ein Auf und Ab, keine Konstanz. Das Entscheidende ist Performance und nichts anderes. Und das ändert sich. Leute, bei denen wir geglaubt haben, die packen das, kamen plötzlich nicht mehr zurecht, und umgekehrt. Daher ist es schwierig, da Prognosen zu treffen."

Frage: "Wie wichtig ist es, den Juniorfahrern die Perspektive bieten zu können, dass es einen Platz für sie geben wird in der Formel 1?"
Marko: "Wir bringen die Leute ja in die Formel 1. Wir waren die Ersten, die sich sowas getraut haben. Dann sind die anderen nachgezogen, in kleinerem Ausmaß. Trotzdem werden wir immer kritisiert, dass wir angeblich unsere Fahrer fallen lassen."

"Das stimmt nicht. 95 Prozent der Leute, die wir ausmustern, fahren DTM, GT, Formel E und verdienen viel mehr Geld als sie jemals in einem normalen Beruf verdienen könnten. Manchmal über 15 Jahre hinweg. Und das mit dem Sport, den sie lieben. Dafür haben wir die Basis geschaffen."

Frage: "Die meisten fahren ja sogar nach der Trennung noch mit Red-Bull-Logo am Helm."
Marko: "Weil wir sie teilweise noch unterstützen. Das wird individuell entschieden."

Marko: Was ihm Vettel vor dem Rücktritt geschrieben hat

Frage: "Wann hat Sie Sebastian Vettel angerufen und Ihnen erzählt, dass er aufhört? Hat er Sie überhaupt angerufen?"
Marko: "Vettel schreibt neuerdings Briefe. Handgeschrieben. Ich bin stolzer Besitzer eines solchen Briefes."

"Es hat sich abgezeichnet. Er sitzt in keinem wettbewerbsfähigen Auto und ich glaube, er hat die Perspektive, dass das Auto nächstes Jahr regulär auf das Podium fahren kann, nicht gesehen. Und bei den Topteams ist kein Platz frei."

"Er will sehen, wie seine Kinder aufwachsen. Ich finde seine Rede, die er auf Instagram veröffentlicht hat, sehr gut. Er hat andere Prioritäten und eine andere Weltanschauung. Dann geht es nicht, dass du für eine Marke fährst, die gesponsort wird von einer arabischen Mineralölfirma. Aston Martin ist eine Luxusmarke mit Acht- und Zwölfzylindern. Das ist nicht glaubwürdig, und dann ist das die logische Konsequenz."

"Ich bin sicher, dass sich jetzt verstärkt um das Thema Umweltschutz kümmern wird."

Frage: "Können Sie sich vorstellen, dass er ein Comeback gibt, so wie Michael Schumacher?"
Vettel: "Nein. Ich glaube, das ist endgültig."

Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo, Helmut Marko

Denkwürdiger Moment: Helmut Marko und Sebastian Vettel in Abu Dhabi 2010 Zoom Download

Frage: "Als er von Ferrari weggegangen ist, haben Sie ihm geraten, ein Jahr Pause zu machen. Hat er Sie diesmal auch konsultiert?"
Marko: "Er hat in seiner Karriere genug geleistet und er weiß, dass es bei uns keinerlei Möglichkeiten gibt. Als er damals von uns weggegangen ist, hatten wir keinen konkurrenzfähigen Motor und kein konkurrenzfähiges Gesamtpaket."

"Unsere Philosophie ist, wie auch im Fußball, junge Talente zu fördern. Im Fußball ist es genauso. Da hat Red Bull eine Akademie. Ich würde mir wünschen, dass wir unsere Talente im Motorsport auch verkaufen und so viel Geld damit verdienen können. Für Sainz hätten wir sicher einiges gekriegt, und für einige andere auch."

Wie sich Marko an seine erste Begegnung mit Vettel erinnert

Frage: "Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Vettel?"
Marko: "Er war ein unscheinbares Buberl. Mit einem halben Kilo Eisen im Mund. Ich glaube, es war in der Formel BMW in Deutschland, und er ist für ein deutsches Team gefahren. Er hat damals 18 von 20 Rennen gewonnen, und dass er nicht alle gewonnen hat, hat ihn wahnsinnig geärgert. Da haben wir schon gesehen, dass der etwas Besonderes ist."

"Aber er hatte eine ganze Flut von Verträgen. Sein Vater hat alles unterschrieben, wenn er ein paar Mark dafür gekriegt hat. Bis wir das alles aussortiert hatten, hat es ein bisschen gedauert."

Frage: "Er stand ja auch bei BMW unter Vertrag. Wie haben Sie ihn da rausbekommen?"
Marko: "Die hätten ein Cockpit zur Verfügung stellen müssen. Das ist nicht passiert."

Frage: "Wird Adrian Newey noch den Red-Bull-Porsche für 2026 bauen?"
Marko: "Newey baut unser aktuelles Auto und unser Hypercar RB17. Der ist speziell für die Rennstrecke, ohne Straßenzulassung. Das Extremste, was man kaufen und was ein normaler Mensch fahren kann. Wenn sein Vertrag ausläuft, werden wir reden."

Frage: "Wann läuft der aus?"
Marko: "Über Vertragsdetails wird nicht gesprochen."

Marko: "Ich bin noch nicht im Grab!"

Frage: "Sie sind 79 Jahre alt. Wie sieht Ihre eigene Zukunft aus?"
Marko: "Obwohl das viele gern hätten, bin ich noch nicht im Grab! Ich bin geistig und körperlich gut beisammen. Ich mache das, solang es mir Spaß macht. Ich bin finanziell unabhängig und müsste diesen Job nicht machen. Wenn's passt, dann passt's."

Frage: "Können Sie sich überhaupt vorstellen, einmal in Rente zu gehen?"
Marko: "Ich habe ein ziemlich umfangreiches Immobilienportfolio, um das ich mich kümmern muss. Restaurierung, Entwicklung und dergleichen. Das ist kommerziell ausgerichtet, aber in landschaftlich schöne Orte eingebettet, oder auch in alten und historischen Gebäuden. Die meisten Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Ich werde nicht in einen Pensionsschock verfallen oder Tauben füttern gehen. Ich habe auch außerhalb des Motorsports viele Projekte."

Frühaufsteher immer um 7:00 Uhr im Büro

Frage: "Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tagesablauf aus?"
Marko: "Ich fange früh an und bin um spätestens 7:00 Uhr im Büro. Ich habe effiziente, junge Leute. Auch Quereinsteiger. So, bis Mittag bin ich also im Büro. Dann suche ich irgendwelche Baustellen auf und sehe dort nach dem Rechten oder gehe in den Wald."

"Ich habe einen Mischwald mit Werthölzern. Kirsche, Nuss, Eiche, Anteil mehr als 20 Prozent. Die Steiermark ist das waldreichste Bundesland Österreichs, aber der Wertholzanteil liegt im Schnitt nur bei sieben, acht Prozent."

"Am Abend kommen dann die Einzeltelefonate. So läuft das sechs, sieben Tage die Woche. Ich mache aber zum Beispiel keine Einstellungsgespräche mehr für meine Hotels. Das ist meine Work-Life-Balance."

Frage: "Kochen Sie selbst?"
Marko: "Nein. Ich frühstücke in meinem Hotel, das gleich neben meinem Büro ist, und Abendessen gehe ich ins Restaurant."

Frage: "Und mit der Motorsäge im Wald, das ist Ihr Ausgleich?"
Marko: "Ja, und dient der körperlichen Ertüchtigung. Früher war ich mit der Motorsäge noch nicht so geschickt. Jetzt, wo ich es kann und wo ich die beste Ausrüstung habe, mache ich es kaum noch."

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