• 18. September 2023 · 08:22 Uhr

Schützenhilfe für Sainz: So opferte Leclerc sein eigenes Rennen in Singapur

Charles Leclerc berichtet, dass er in Singapur von Anfang an nur als Wasserträger für Carlos Sainz eingeplant war - Das habe er sich allerdings selbst zuzuschreiben

(Motorsport-Total.com) - "Das war ehrlich gesagt nicht der Plan", antwortet Charles Leclerc nach dem Großen Preis von Singapur 2023 auf die Frage, ob er die Pace gehabt, um das Rennen zu gewinnen. Seine Aufgabe sei es nämlich von Anfang an nur gewesen, seinen Teamkollegen zu schützen.

Carlos Sainz und Charles Leclerc beim Formel-1-Rennen in Singapur 2023

Charles Leclerc opferte sein eigenes Rennen für den Sieg von Carlos Sainz Zoom Download

Der Plan von Ferrari sei schon vor dem Rennen "sehr klar" gewesen, "und darum ging ich auch auf den Soft [beim Start]", verrät Leclerc, der sich als Dritter qualifiziert hatte. In der ersten Reihe standen Teamkollege Carlos Sainz und Mercedes-Pilot George Russell.

Während Sainz und Russell auf Medium-Reifen starteten, wählte Leclerc die Softs. "Ich habe es mir in letzter Minute anders überlegt, um sicherzugehen, dass ich im ersten Stint vor George bin, denn es war klar, dass es für Carlos von Vorteil ist", so der Monegasse.

Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur sagt über den Start: "Der Plan war es, Russell zu überholen, nicht Carlos. Wir wussten, dass die Position auf der Strecke in Singapur entscheidend ist, und die beste Möglichkeit, Carlos zu schützen, war es, Charles hinter ihm zu haben."

Der Plan ging perfekt auf, weil Leclerc Russell am Start überholte und Ferrari damit beide Autos an der Spitze des Feldes hatte. "Darum haben wir Charles an einem Punkt auch gebeten, etwas langsamer zu fahren, um uns gegen einen Undercut von Russell zu schützen", verrät Vasseur.

Am Funk bekam der Monegasse zunächst die Anweisung, drei Sekunden Luft nach vorne zu lassen, später waren es dann sogar fünf. "Ich wusste, dass es ein schwieriges Rennen für mich werden würde. Im ersten Stint ging es nur darum, Carlos zu beschützen", betont Leclerc bei Sky.

Warum Leclerc keinen zweiten Stopp einlegte

Er verrät, der Plan sei es eigentlich gewesen, später im Rennen vor Sainz zu stoppen "und zu versuchen, den zweiten Platz zu halten." Doch das funktionierte nicht. "Leider hatte ich mit dem Safety-Car nicht viel Glück", betont Leclerc.

Denn der Ferrari-Plan wurde in dem Moment über den Haufen geworfen, als nach einem Unfall von Logan Sargeant in Runde 20 das Safety-Car kam. So musste die Scuderia dann beide Piloten direkt nacheinander an die Box holen. Leidtragender war dabei Leclerc.

Wegen Verkehr in der Boxenstraße verlor er mehrere Sekunden beim Stopp - und dadurch zwei Positionen an Russell und Lando Norris. "Da hab ich im Prinzip das Rennen verloren", erklärt der Monegasse, der nach dem Ende der Safety-Car-Phase auch noch einen Fehler machte.


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So fand er sich, als sich das Feld wieder sortiert hatte, nur noch auf Rang fünf hinter Sainz, Russell, Norris und Lewis Hamilton wieder. Als dann später noch einmal das virtuelle Safety-Car eingesetzt wurde, nutzten das die beiden Mercedes-Piloten zu einem weiteren Stopp.

Leclerc verrät: "Über Funk sagten sie mir, ich solle das Gegenteil von Lewis vor mir machen. Lewis fuhr an die Box, also musste ich draußen bleiben." So kam er zwischenzeitlich wieder auf P3 nach vorne, hatte im Kampf gegen die Mercedes-Piloten auf frischen Medium-Reifen aber keine Chance.

Leclerc nach dem VSC noch einmal Schutzschuld für Sainz

Das Rennen beendete er schließlich auf Platz fünf, wo er laut eigener Aussage aber auch gelandet wäre, wenn er selbst unter dem VSC auch noch einmal gestoppt hätte. "Ich glaube nicht, dass es ein 'Gamechanger' gewesen wäre", stellt er klar.

Und auch Vasseur erklärt: "Ich kann die Strategie von Mercedes verstehen, weil sie hinten waren, [...] und sie hatten einen neuen Satz Mediums." Leclerc dagegen hatte keine neuen Mediums mehr und wäre nach dem Stopp ohnehin noch immer hinter den Mercedes-Piloten gewesen.


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Stattdessen nutzte Ferrari die Chance lieber, Leclerc temporär noch einmal vor die beiden Mercedes-Fahrer zu bringen und ein weiteres Mal als "Schutz", so Vasseur, für Sainz an der Spitze einzusetzen. Letztendlich konnte der Spanier das Rennen bekanntlich auch gewinnen.

Leclerc sieht die Verantwortung dafür, am Sonntag nur Wasserträger für seinen Teamkollegen gewesen zu sein, übrigens bei sich selbst. Er betont: "Es hätte an mir gelegen, [im Qualifying] einen besseren Job zu machen, um in einer anderen Position zu sein."

Hätte er selbst nämlich auf Pole gestanden, wären die Rollen womöglich vertauscht gewesen.

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