• 14. Dezember 2020 · 12:33 Uhr

Beinahe Mechaniker überfahren: Warum gab's dafür keine Strafe?

Dass ein angebliches Langsamfahren von Carlos Sainz in der Boxengasse untersucht wurde, ein Zwischenfall um Lance Stroll aber nicht, sorgt für Unverständnis

(Motorsport-Total.com) - Eine Entscheidung der FIA-Rennkommissare sorgt auch einen Tag nach dem Grand Prix von Abu Dhabi noch für Unverständnis bei so manchem Beobachter. Gegenstand der Kritik ist eine Szene während der Safety-Car-Phase, als es zwischen Carlos Sainz (McLaren) und Lance Stroll (Racing Point) in der Boxengasse beinahe zu einem folgenschweren Unfall gekommen wäre.

Lance Stroll

Der Boxenstopp von Lance Stroll wäre beinahe in die Hose gegangen Zoom Download

Sainz bog während der Gelbphase vor Stroll in die Box ab und war in der Boxenstraße für einen Zeitraum von weniger als einer Sekunde mit etwas weniger als den erlaubten 80 km/h unterwegs. Weil McLaren einen Doppelstopp plante und Lando Norris vor ihm lag, sah das im ersten Moment so aus, als habe er absichtlich Abstand genommen, um seinen Mechanikern mehr Zeit zu verschaffen.

Tatsächlich fanden die Kommissare bei ihrer Datenanalyse heraus, dass Sainz Stroll dabei um maximal 0,6 Sekunden verzögert hat. Grenzwertig, aber keineswegs gefährlich - und daher laut Einschätzung der Kommissare zu nichtig für eine Strafe. Doch der Zwischenfall wurde noch während des Rennens offiziell angezeigt und nach dem Rennen penibel genau untersucht.

Für Verwirrung sorgt in diesem Zusammenhang, dass das Losfahren von Stroll ein paar Sekunden später nicht einmal eine Untersuchung hervorrief. In der Hoffnung, möglicherweise eine Position gegen Sainz zu gewinnen, wurde dem Kanadier die Freigabe zum Losfahren erteilt, obwohl Racing Point ganz offensichtlich klar war, dass das eng werden könnte.

Denn am Boxenfunk plärrte Strolls Renningenieur Brad Joyce nicht weniger als siebenmal (!) "Blend!", um ihn darauf hinzuweisen, nicht nach links in die sogenannte "Fast-Lane" zu wechseln, weil dort gerade Sainz daherkam. Also musste sich Stroll ein wenig weiter rechts halten als üblich - und fuhr so beinahe einen Mechaniker aus der benachbarten Alfa-Romeo-Box über den Haufen.

Obwohl nur Zentimeter fehlten, zog das nicht einmal eine Untersuchung nach sich. FIA-Rennleiter Michael Masi kann das auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' nicht schlüssig erklären. Die Kommissare Garry Connelly, Achim Loth, Mika Salo Mohamed Al Hashmi hätten sich die Situation zwar angeschaut, sagt er, "aber es nicht als 'unsafe Release' eingestuft".

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