• 30. Juni 2019 · 18:27 Uhr

Verstappen vs. Leclerc: Starker Fight um den Sieg - mit einem Schönheitsfehler

Max Verstappen und Charles Leclerc liefern den Zuschauern in Spielberg einen harten Kampf - Sportlich könnte das Duell am Ende aber komplett ohne Wert sein

(Motorsport-Total.com) - Es war die Entschädigung für das zähe Rennen in Frankreich eine Woche zuvor. Max Verstappen und Charles Leclerc lieferten sich in Spielberg ein hartes Duell um den Sieg und einen der wohl besten Kämpfe der Formel-1-Saison 2019. Erst in der 69. der 71 Rennrunden zog Verstappen am Ferrari vorbei. Es ist einige Zeit her, dass ein Formel-1-Rennen erst so spät entschieden wurde.

Max Verstappen, Charles Leclerc

War das Manöver von Max Verstappen gegen Charles Leclerc sauber? Zoom Download

Doch die Königsklasse wäre 2019 nicht die Königsklasse, wenn nicht auch dieses Duell einen Schönheitsfehler hätte. Denn gegen Verstappen wurde wegen des Manövers in Kurve 3 eine Untersuchung eingeleitet. Ihm droht eine nachträgliche Strafe. "Das ist hartes Racing. Ansonsten müssten wir zu Hause bleiben", winkt Verstappen ab - und hat damit so ziemlich alle Formel-1-Experten auf seiner Seite.

"Wir sollten sie kämpfen lassen", findet selbst Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Doch es gibt ein Problem. "Die aktuellen Regeln erlauben so etwas nicht", erinnert Binotto und verweist auf die Situation in Kanada, als Sebastian Vettel im Duell mit Lewis Hamilton eine Fünf-Sekunden-Strafe bekam. "Auf der Strecke war es ein fantastischer Kampf. Aber die Regeln sind klar", so Binotto.

Hat Verstappen Leclerc abgedrängt?

"Es geht darum, eine Kollision verursacht und einen Fahrer von der Strecke gedrängt zu haben", erklärt er. Die Sichtweise von Ferrari ist nachvollziehbar. Wenn Vettel in Kanada bestraft wurde, dann wäre es nach Meinung der Italiener inkonsequent, Verstappen in Spielberg ohne Strafe davonkommen zu lassen. Das sieht wenig überraschend auch Leclerc selbst so.

"Für mich war es ziemlich klar", zuckt er die Schultern und erklärt: "Ich muss es mir von außen noch einmal ansehen, um die ganze Situation zu verstehen. Aber meiner Meinung nach hat er mir beim ersten Versuch eine Autobreite Platz gelassen - im zweiten dann nicht mehr." Denn bereits eine Runde zuvor setzte Verstappen zum Überholmanöver an - ebenfalls in Kurve 3.

Da ging noch alles glatt und Leclerc blieb vorne. Eine Runde später versuchte es der Niederländer dann etwas aggressiver noch einmal. "Ich hatte keinen Kontakt erwartet", berichtet Leclerc und verrät, dass er beim ersten Mal eine "bessere Traktion" am Kurvenausgang hatte und die Kurve deswegen wieder so anging wie eine Runde zuvor. Doch dieses Mal lief es anders.

"Beim zweiten Mal bremste ich etwas tiefer in die Kurve", verrät Verstappen und gesteht: "Wir hatten Mitte und ausgangs der Kurve auch leichten Kontakt. Aber meiner Meinung nach ist das Racing." Der Niederländer beteuert: "Ich habe die Lenkung nie aufgemacht." Er habe Leclerc nicht absichtlich von der Strecke gedrängt. "Wir alle wissen, dass es in dieser Kurve eine Kuppe gibt", erklärt er.

"Dann können wir alle nach Hause gehen ..."

Dadurch habe er etwas Untersteuern gehabt. Zudem erklärt er: "Ich bin vorne." Leclerc sei selbst schuld gewesen, dass er von der Strecke abgekommen sei. "Er hat versucht, außen wieder vorbeizukommen. Aber das ist nicht möglich", erklärt Verstappen. "Es ist hartes Racing. Es ist besser, als sich gegenseitig zu folgen und ein langweiliges Rennen zu haben, oder?", so der Niederländer.

Doch der Fall Vettel/Hamilton zeigt, dass es bei der Entscheidung der Rennkommissare nicht zwingend Rolle spielt, ob Absicht im Spiel ist oder nicht. Klar ist nur, dass sich beide Seiten im Recht sehen. "Wir vertrauen den Rennkommissaren", erklärt Binotto. Für Helmut Marko ist es der Zwischenfall auf der anderen Seite gar nicht erst wert, darüber zu sprechen. "Zwischenfall? Das ist Racing", winkt er auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' ab.


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"Ich bin bei Max. Wenn man das in der Formel 1 nicht machen darf, dann können wir alle nach Hause gehen", erklärt auch der unabhängige TV-Experte Martin Brundle. Und Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagt bei 'Sky': "[Max] ist komplett daneben, er ist komplett innen. An diesem Punkt hat er keinen anderen Weg mehr. Leclerc muss die Kurve irgendwann aufgeben."

"Er sticht innen rein, es ist sauber, er ist direkt daneben. Leclerc lenkt aggressiv ein, aber was soll [Max] da machen?", zuckt Horner die Schultern und erklärt: "Das ist die Formel 1. Es ist hartes Racing zwischen zwei Jungs der Zukunft. Wenn sie Max diesen Sieg hier wegnehmen, dann stehlen sie der Formel 1 etwas. Das ist genau das, was wir brauchen. Wir brauchen dieses Racing, wenn die Fahrer Rad an Rad kämpfen."

Verstappen mit spektakulärer Aufholjagd

Denn wegen der drohenden Strafe wird schnell vergessen, dass es ein wirklich starkes Duell auf der Strecke war - mit dem eigentlich niemand mehr gerechnet hatte. "Insgesamt war das Rennen gut, aber ich hatte mehr Verschleiß [bei den Reifen] als gedacht. Aus diesem Grunde ist Max herangekommen", erklärt Leclerc, der eigentlich einen komfortablen Vorsprung an der Spitze hatte.

"Als er Sebastian überholt hat, da war bereits klar, wie schnell er sein kann", ergänzt Binotto, der das Unheil im Form des Red Bulls von hinten kommen sah. Verstappen habe auf den harten Reifen nach dem Boxenstopp eine bessere Performance gehabt. "Ich dachte, das Rennen wäre schon vorbei, aber wir haben einfach hart weitergepusht", berichtet Verstappen selbst.


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"Ich denke, dass Red Bull heute insgesamt sehr schnell war. Sie hatten die Reifen besser im Griff als wir", erklärt Leclerc, für den Verstappens Manöver nicht überraschend kam. Denn es war ihm klar, dass es auf dem Red-Bull-Ring nur in Kurve 3 oder 4 funktionieren kann. "Ich wusste, dass er es hier probieren würde, wenn er eine Chance bekommt", verrät Leclerc.

Die großen Sieger des Duells waren derweil auch die Fans am TV und vor Ort an der Strecke - eigentlich. Denn sollte es nachträglich noch eine Strafe gegen Verstappen geben, wäre der großartige Kampf auf der Strecke am Ende sportlich komplett ohne Wert gewesen.

UPDATE: Verstappen wurde für den Vorfall nicht bestraft, er behält damit seinen Rennsieg.

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