• 26. April 2019 · 13:36 Uhr

Nach Gullydeckel-Vorfall in Baku: Claire Williams "extrem verärgert"

George Russell wird am zweiten Freien Training in Baku nicht teilnehmen, das bestätigt das Team - Schaden auch am Antrieb wahrscheinlich

(Motorsport-Total.com) - Pech im Unglück, so lässt sich die Situation des Williams-Teams am besten beschreiben. Der finanziell angeschlagene Rennstall erlebt im ersten Freien Training in Baku ein Desaster. George Russells FW42 kollidierte mit einem Gullydeckel. Nun ist klar, dass der Brite auch das zweite Freie Training (Formel 1 2019 live im Ticker!) verpassen wird, weil sein Chassis getauscht werden muss.

Claire Williams

Claire Williams kann das Pech ihres Teams kaum fassen Zoom Download

Das Ersatzchassis wird nach dem kuriosen Zwischenfall nun von der Williams-Mannschaft aufgebaut, damit Russell am Samstag wieder mitfahren kann. Laut FIA-Reglement darf er am zweiten Freien Training nicht teilnehmen. Nach einem so großen Umbau ist ein Einsatz erst am Tag darauf möglich.

Zusätzlich zum Schaden am Unterboden, der bei dem Kontakt mit dem Gullydeckel in viele Teile zerfetzt wurde, könnte noch ein weiterer Schaden an der Mercedes-Antriebseinheit hinzukommen. Das würde bedeuten, dass Russell ohne Eigenverschulden näher an eine Startplatz-Strafe heranrückt.

Williams bereits 2016 Opfer in Baku

Noch mehr Unheil könnte also auf das bereits stark gebeutelte Team zukommen. Williams-Teamchefin Claire Williams ist dementsprechend frustriert: "Ich denke, dass wenn man ein Auto auf die Rennstrecke schickt, man nicht davon ausgeht, dass es in dieser Weise von der Rennstrecke beschädigt wird."

"Ich bin natürlich extrem verärgert", gibt sie gegenüber 'Motorsport-Total.com' zu. "Das Wichtigste ist aber, dass George okay ist und dass das keinen größeren Unfall ausgelöst hat." Nach dem Abbruch wurden alle Gullydeckel - immerhin über 300 - auf der Rennstrecke überprüft. (So reagiert die Formel 1 auf den Vorfall!)

"Wir müssen mit der FIA und der FOM sprechen, damit wir sichergehen, dass das nicht noch einmal passiert", stellt Williams klar. Außerdem habe dieser Zwischenfall "ernsthafte finanzielle Auswirkungen" für das Privatteam. Nun muss die Frage geklärt werden, wer für den Schaden aufkommt.

Das bereits angeschlagene Team hatte schon zu Saisonbeginn mit wenigen Ersatzteilen zu kämpfen. Nun ist Russells Chassis gebrochen, was einen großen Schaden ("das geht nicht in die zehn- sondern hunderttausende Dollar") bedeutet. "Das Chassis ist beschädigt, daher müssen wir auf Nummer drei umrüsten."

"Wir verlieren Zeit heute Nachmittag, außerdem müssen wir womöglich das Energierückgewinnungssystem ersetzen, was ebenfalls Folgen hat. Das ist einfach nicht okay", kommentiert Williams sichtlich verärgert. Hinzukommt, dass das Team bereits abgeschlagen am Ende des Feldes fährt und mit Robert Kubica in der zweiten Session einen Piloten einsetzt, der noch nie in Baku gefahren ist.

Ironie des Schicksals: Williams stand bereits zweimal im Fokus eines ähnlichen Zwischenfalls. Rubens Barrichello erlebte 2010 in Monaco einen Unfall, nachdem er sich den linken Hinterreifen an einem losen Gullydeckel in Kurve 1 aufgeschlitzt hatte.

Wer bezahlt den Schaden? Haas macht Mut

Vor drei Jahren just auf derselben Strecke wie heute Russell wurde Valtteri Bottas im Williams Opfer eines Gullydeckels. Dies war demnach nicht der erste Vorfall dieser Art in Aserbaidschan.

"Dasselbe ist uns hier schon 2016 passiert mit Valtteri, das war damals aber nicht so ernst. Aber dennoch war es ziemlich signifikant", erinnert sich Williams. Der Fall von Romain Grosjean 2017 in Malaysia könnte ihr jedoch Hoffnung geben.


Fotos: Grand Prix von Aserbaidschan


Nachdem sein Auto aufgrund einer losen Drainage stark beschädigt wurde, forderte Haas von der Versicherung des Streckenbetreibers eine Kompensationszahlung für den entstandenen Schaden. Nach einer einjährigen Wartezeit schließlich wurde das Geld dem US-Team überwiesen.

Williams werde nun ebenso versuchen, für den entstandenen Schaden Geld zu fordern: "Ich gehe davon aus, dass entsprechende Gespräche stattfinden werden."

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