• 14. April 2019 · 14:11 Uhr

Kwjat behauptet: Kommissare haben verstanden, dass sie zu streng waren!

Die beiden McLaren-Piloten schieben den Schwarzen Peter der Startkollision zu Daniil Kwjat, doch der sieht die Strafe nicht ein - Selbst die Kommissare sollen zweifeln

(Motorsport-Total.com) - Ein kleiner Kontakt in der ersten Runde führte dazu, dass gleich drei Piloten ihre Chance auf Punkte beim Großen Preis von China (Formel 1 2019 live im Ticker) in die Tonne werfen konnten. Ausgangs von Kurve vier kollidierten Daniil Kwjat (Toro Rosso) sowie die beiden McLaren von Lando Norris und Carlos Sainz miteinander, was das Rennen von allen drei Piloten im Grunde zerstörte.

Daniil Kwjat, Carlos Sainz, Lando Norris

Lando Norris wurde durch eine unglückliche Kettenreaktion ausgehebelt Zoom Download

Was war passiert? Sainz geriet in die Mangel zwischen Norris und Kwjat. Norris war in der Kurve etwas weit draußen und kam wieder auf die Strecke zurück. Rechts von ihm befand sich Kwjat, der in der Kurve etwas nach außen getrieben wurde und den McLaren berührte. Der Toro Rosso hob leicht ab und drehte sich in Norris, der ebenfalls recht spektakulär ausgehoben wurde.

Zwar konnten alle Piloten zunächst weiterfahren, doch bei den McLaren wurde ein Zwischenstopp in der Box fällig. Und weil das Team Probleme hatte, die Nase an Sainz' Auto zu wechseln, musste Norris hinter ihm sehr lange warten.

Kwjat ohne Verständnis für die Strafe

Der Schuldige der Kollision war schnell ausgemacht: Daniil Kwjat bekam für den Zwischenfall eine Durchfahrtsstrafe aufgebrummt, was dieser jedoch nicht nachvollziehen kann: "Ich stimme der Strafe nicht zu", sagt er. "Es war eine typische Szene für Runde 1. So etwas passiert. Darum verstehe ich es nicht."

Hinter verschlossenen Türen wollte er noch einmal mit den Rennkommissaren reden. Und glaubt man seinen Aussagen, dann waren auch die Stewards nach dem Meeting nicht mehr unbedingt von ihrer ausgesprochenen Strafe überzeugt: "Ich glaube, sie haben verstanden, dass sie heute etwas streng waren. Das konnte ich in den Gesprächen nach dem Rennen spüren", sagt der Russe - etwas ändern wird sich aber dadurch natürlich nichts.

Carlos Sainz ist hingegen bei der Meinung der Rennkommissare und sieht in Kwjat den Schuldigen. "Ich verstehe seine Frustration. Das kann passieren, aber es ist die erste von 56 Runden", sagt der Spanier und versteht nicht, wieso Kwjat nicht etwas geduldiger war. "Es ist ein langes Rennen, und man muss sein Lenkrad nicht öffnen, wenn man weiß, dass zwei McLaren neben einem sind. Ich denke, dass er wusste, dass wir da sind."

Sainz: Das Rennen hat 56 Runden

Ein Problem mit dem Russen persönlich habe er aber nicht. Er verweist nur darauf, dass man das Rennen nicht in der ersten Runde gewinnen muss. "Man muss geduldig sein. Das haben Lando und ich gemacht", sagt er und sieht in Alexander Albon das beste Beispiel: "Sein Teamkollege ist von der Box aus in die Punkte gekommen."

Den Vorwurf von Untersteuern oder einem geöffneten Lenkeinschlag will Kwjat aber nicht auf sich sitzen lassen: "Es war am Kurvenausgang, und mein Auto fuhr schon komplett geradeaus", unterstreicht er. "Es waren drei Autos in einer Kurve, und eines kam ziemlich hart auf die Strecke zurück. Das andere Auto war daher eingeklemmt, und ich bin etwas abgehoben, weil mich das Auto von hinten getroffen hat. Dann bin ich in das Auto von Norris gefahren."

Norris selbst ist etwas unschlüssig, was diese Szene angeht. Er weiß nur eines: "Ich bin der Unschuldige dabei, würde ich sagen!" Norris spricht im ersten Moment von einem Rennunfall, verlässt sich aber im Zweifel auf die Kommissare: "Ich kann nicht sagen wer Schuld hat, aber wenn die Stewards das sagen, dann ist es schade, weil er im Grunde unsere beiden Autos aus dem Rennen um Punkte genommen hat", lautet sei Urteil über Kwjat. "Wenn ein Kerl das Rennen von beiden McLaren ruiniert, dann ist das frustrierend."

Norris: Pace von Sainz macht Mut

Dabei hat der Rookie auch ein wenig zur Situation beigetragen, weil er ziemlich weit raus auf den Kunstrasen kam. "Das halbe Auto war drauf, die andere Hälfte nicht", meint er. "Ich bin nicht aggressiv wieder auf die Strecke gekommen. Ich habe einfach meine Linie gehalten - dann kam der Kontakt."

Fakt ist, dass keiner der drei Beteiligten als Gewinner hervorgegangen ist. Norris und Kwjat stellten ihre Boliden vorzeitig ab, Sainz wurde als 14. noch gewertet. "Das ist nicht, worauf wir gehofft haben", hadert Norris, der sich unter anderem Schäden an Frontflügel und Unterboden einfing. "Mein erster Ausfall in der Formel 1 ...", sagt er.

Positiv sieht er jedoch die Pace von Sainz trotz des Vorfalls. Die Pace für Punkte sei definitiv da gewesen, zumal der Spanier selbst gar keine großen Schäden davontrug. "Das einzig Blöde war, dass wir den Medium-Reifen nicht mehr verwenden konnten. Der sollte unser Rennreifen sein", sagt Sainz. "Ich musste also einen superlangen Stint auf Hart machen, der aber sehr beeindruckend war."

Kwjat gibt freiwillig auf

Nach den beiden Ausfällen von Melbourne war es für ihn schon der dritte beeinträchtigte Grand Prix in Folge. "Es passiert immer etwas, das nicht in meiner Hand liegt", ärgert er sich. Doch er ist sicher, dass noch gute Dinge kommen werden: "Ich fühle mich wohl im Auto und wohl im Team." Der Rest komme dann von allein.

Und Kwjat? Auch für ihn war es nach Bahrain die nächste Enttäuschung. "Für uns ist das eine kalte Dusche", sagt er. Denn auch bei ihm sei die Pace trotz beschädigtem Auto sehr stark gewesen. "Es ist sehr, sehr unschön, diese Pace nicht umsetzen zu können - zum zweiten Mal in Folge jetzt", sagt er. "Unser Auto hatte viel Abtrieb verloren."

Das und der Fakt, dass Kwjat nach der Durchfahrtsstrafe weit zurücklag, zwang ihn letzten Endes zur Aufgabe. "Es gab keinen Grund mehr", sagt er. "Wir sind bereits beim zweiten Motor und wollten Kilometer sparen."

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