• 03. April 2016 · 21:38 Uhr

Red Bull etabliert sich als dritte Kraft: "Glas halbvoll"

Wenig Power, aber wenig Abtrieb: Ricciardo trotz fliegendem Frontflügel souveräner Vierter, Kwjat mit toller Strategie für Katastrophen-Qualifying entschädigt

(Motorsport-Total.com) - Red Bull hat es offenbar gelernt, kleinere Formel-1-Brötchen zu backen: Schließlich zeigt sich das Team mit den Rängen vier und sieben für Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat beim Bahrain-Grand-Prix am Sonntag hochzufrieden, zumal auf der Powerstrecke in der Wüste nur wenige Experten mit den Dunkelblauen rechneten: "Beide Fahrer haben tolle Arbeit geleistet, indem sie das Potenzial des Autos genutzt haben", lobt Teamchef Christian Horner 'Motorosport-Total.com' sein Pilotenduo.

Daniel Ricciardo, Daniil Kwjat

Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat standen sich gegenseitig nicht im Weg Zoom Download

Das Erfolgsgeheimnis der Brausetruppe, die sich 2016 wieder zur dritten Kraft im Feld gemausert zu haben scheint, ist nicht der nach wie vor schwachbrüstige Renault-Hybrid im Heck des RB12. "Der Antrieb ist besser geworden", räumt Horner ein, sieht die Stärken des Autos jedoch in anderen Bereichen. Stichwort: Chassis. "Unser Auto ist stabil auf der Bremse. Wir konnten weniger Abtrieb fahren. Die meisten sind mit einem 'Monkey Seat' unterwegs gewesen, was von viel Abtrieb zeugt."

Dabei begann das Rennen in Bahrain für Ricciardo alles andere als brillant: "Ich kam nicht wirklich gut weg, dann wurde es in der ersten Kurve eng. Ich wollte das ausnutzen, kam aber etwas unter die Räder. Dabei wurde mein Frontflügel beschädigt." Im Tohuwabohu hatte er Feindkontakt mit Valtteri Bottas und Lewis Hamilton, der ihm den Verlust eines großen Kohlefaserteils - offenbar einer Endplatte - bescherte. "Ich dachte, ich könnte daraus Kapital schlagen, dass sie sich berührt hatten. Dann machte ich mir Sorgen, dass ich den Flügel tauschen muss", erinnert sich Ricciardo.

Als er mit den Williams mithielt, waren die Bedenken ad acta gelegt. "Die bessere Entscheidung", blickt er auf den ausgelassenen Nasenwechsel zurück. "Ich hatte eine Beschädigung, aber die hat mich nicht so stark beeinträchtigt wie gedacht." Nach vielen Zweikämpfen entschied sich Red Bull im letzten Stint, dem Australier Medium-Reifen aufzuziehen - so komfortabel war Platz vier zu diesem Zeitpunkt abgesichert. Williams war niedergerungen, Haas noch nicht in Schlagdistanz.

Ein Sonderlob gibt es von Horner für Kwjat. "In Sachen Reifenabbau waren wir gut unterwegs, mit starken Überholmanövern hat er sich dann nach vorne gearbeitet", erklärt er das Rezept des Russen, der sich von Startplatz 15 noch WM-Punkte holte. Die Qualifying-Probleme gehen offenbar auf die Kappe des Teams, schließlich klagte Kwjat über einen Dienstwagen, der unkontrollierbar schien: "Er war mit dem Auto bei Hitze glücklich. Als die Temperatur dann fiel, sind wir - in dem Wissen, wie empfindlich die Reifen sind - vielleicht nicht genug mit den Bedingungen gegangen."


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Umso besser ging die Rennstrategie auf. "Am Anfang hatte ich Probleme, weil wir unseren Stint etwas verlängern wollten", meint Kwjat über die Taktik, möglichst lange mit Soft auf der Bahn zu bleiben und dafür die Pneus zu schonen. Das zahlte sich später aus: "Am Ende ist aber unsere Zeit gekommen, und ich konnte ein paar Überholmanöver zeigen. Wir haben uns nach der Enttäuschung gut zurückgekämpft. Das Team hat bei der Strategie die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich reise in dem Glauben ab, dass das Glas halbvoll und nicht halbleer wäre."

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