• 21. März 2016 · 16:44 Uhr

"Dann kam Stille...": So wirkt das neue Funkverbot

Wie die Funkeinschränkungen Mercedes in Melbourne beinahe um den Sieg brachten und wie es die Fahrer und die Ingenieure am Kommandostand herausforderte

(Motorsport-Total.com) - Die erste Grand Prix unter den radikalen Funkeinschränkungen ist über die Bühne gegangen: Große Dramen bleiben aus, aber die neue Regelung trieb manchen Ingenieuren an der Boxenmauer die Schweißperlen auf die Stirn - und das ausgerechnet beim Siegerteam Mercedes: Der Kommandostand durfte dem späteren Sieger Nico Rosberg weder sagen, dass die Temperaturen beim Bremssattel kritisch sind, noch dass der linke Hinterreifen vor dem Einbrechen ist. Nur mit Glück hatten beide Probleme keine Konsequenzen, und der Silberpfeil-Pilot sah als Erster das Ziel.

Toto Wolff, Paddy Lowe

Funkverbot: Wolff und Lowe mussten Rosberg im Dunkeln tappen lassen Zoom Download

"Wir hätten Nico beinahe aus dem Rennen genommen", erklärt Mercedes-Motosportchef Toto Wolff, dass die Regelung seine Wirkung nicht verfehlt hat. "Nach all diesen Jahren, in denen wir alle Informationen an den Fahrer durchgegeben haben und so das Auto optimierten und auch über die Distanz brachten, führt diese Funkeinschränkung definitiv zu Situationen, die der Ingenieur nicht mehr unter Kontrolle hat."

Große Einschränkung für die Ingenieure

Die Renningenieure mussten sich bei der Premiere in Australien laut Wolff mehrmals auf die Zunge beißen: "Wir würden den Fahrern gern so viel sagen, wie sie das Auto optimieren könnten, oder etwas über die Reifen. Das alles können wir nicht mehr. Es lässt nun mehr Fehler zu. Das war wohl auch das Ziel. Es ist schwierig, wenn man Kontrollfreak ist..."

Am Sonntagvormittag war das Reglement noch einmal nachgebessert worden: Während es bis dahin hieß, dass nur eindeutig sicherheitsrelevante Dinge vom Kommandostand kommuniziert werden dürfen, erlaubte Rennleiter Charlie Whiting auf Anfrage der Teams auch Diskussionen über die Strategie.

Doch wie fühlt sich ein Grand Prix nun im Vergleich zu früher aus Sicht des Fahrers an? Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der sich selbst nicht als "der große Plauderer am Boxenfunk" bezeichnet, weil er im Cockpit gerne seine "Ruhe" hat, erkannte in Australien klare Unterschiede.

Wie Ricciardo das Funkverbot im Cockpit erlebte

"Einmal habe ich mein Team gefragt, auf welchen Reifen der Williams unterwegs ist", erinnert er sich. "Dann kam Stille. Ich glaube, mein Renningenieur wollte gerade herausfinden, ob er mir das sagen darf oder nicht. Das war interessant." Williams-Technikchef Pat Symonds bestätigt, dass die Einschränkungen bei den Teams noch für Unsicherheit sorgen: "Wir waren wirklich vorsichtig, mit dem was wir gesagt haben. Auch damit nichts als verschlüsselte Nachricht verstanden wird."

Vor dem Boxenstopp gab Ricciardo seinem Team via Funk durch, wie der Zustand der Reifen ist und dass er den Frontflügel gerne steiler stellen lassen würde. "In der Vergangenheit war das eher ein Gespräch, und der Renningenieur stellte mir Fragen. Jetzt ist es eher die Verantwortung des Fahrers", vergleicht Ricciardo.


Fotostrecke: F1 Backstage: Melbourne

Außerdem musste er nach dem Restart ein paar Abläufe ohne Funkanweisungen durchführen. "Da ging es um das Spritmanagement nach dem Restart und das Aufladen der Batterie", präzisiert er. Sein Fazit: "Es ist keine Hexerei, aber in einem hektischen Rennen kann man schnell etwas vergessen."

Vettel will nicht Memory spielen

Während die Ingenieure also teilweise auf Nadeln sitzen, sehen die Piloten im Cockpit keinen so großen Unterschied. "Man hat das Gefühl, dass man die Sache etwas mehr kontrolliert", findet Rosberg, der wegen des Verbots beinahe ausgeschieden wäre. "Jetzt liegt es mehr an uns, was cool ist. Die Fans wollen doch nicht, dass wir quasi die Handpuppen der Ingenieure sind."

"Man kann sich die Frage stellen, ob wir hier sind, um richtig Gas zu geben, oder um Memory zu spielen."Sebastian Vettel
Teamkollege Lewis Hamilton ist froh, dass er nun endlich die Motoreneinstellungen selbst kontrollieren darf und nicht mehr auf eine Anweisung aus der Box warten muss. Abgesehen davon "wäre die Änderung eigentlich nicht notwendig gewesen", sagt er. Ferrari-Star Sebastian Vettel sieht ebenfalls keine allzugroße Änderung, "außer, dass wir uns jetzt viel mehr merken müssen. Man kann sich aber die Frage stellen, ob wir hier sind, um richtig Gas zu geben, oder um Memory zu spielen."

Außerdem erfuhr Vettel wegen der Einschränkungen erst nach dem Rennen, warum Teamkollege Kimi Räikkönen ausgeschieden war, als ihm die Journalisten von einem Feuer an der Airbox berichteten. "In der Vergangenheit war es schön, zu erfahren, was das Problem war, aber mir wurde nur gesagt, dass er ausgeschieden ist", erklärt der viermalige Weltmeister.

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