• 20. Dezember 2020 · 14:01 Uhr

Daimler-CEO befürchtet nach Anteilsreduktion keine Machtkämpfe

Obwohl die Daimler AG nicht mehr Mehrheitseigentümer des Mercedes-Teams in der Formel 1 ist, bewertet CEO Ola Källenius das neue Set-up mit Ineos als Gewinn

(Motorsport-Total.com) - Eddie Jordan, seit seinem spektakulären Volltreffer beim Schumacher-Comeback das Orakel der Formel 1, lag diesmal nur teilweise richtig. Am 13. September hat er in der 'Mail on Sunday' vorhergesagt, dass sich der Daimler-Konzern teilweise zurückziehen und seinen Anteil am Mercedes-Werksteam von 60 auf rund 30 Prozent reduzieren wird.

Toto Wolff und Jim Ratcliffe

Jim Ratcliffe und Toto Wolff bei der Präsentation des Ineos-Sponsorings Zoom Download

Auch mit dem Einstieg des Chemiekonzerns Ineos lag Jordan richtig, aber in den entscheidenden Details lag seine Prognose dann doch weit daneben. So ist Toto Wolff nicht ausgestiegen, sondern hat seine Anteile ganz im Gegenteil leicht aufgestockt und seinen Vertrag als Teamchef verlängert, und Ineos hat auch nicht 70 Prozent erworben, sondern nur 33,3.

Welchen Preis Ineos dafür zahlen musste, entzieht sich unserer Kenntnis. Geht man von einer Bewertung von geschätzt 500 Millionen Euro für die Firma aus (Motorenfabrik in Brixworth nicht enthalten), wäre ein Drittel der Anteile knapp 170 Millionen wert. Doch das ist aktuell nur Gegenstand von Spekulationen und nicht verifizierbar, solange die Beteiligten nicht darüber sprechen.

Dass der Einstieg nur der Anfang eines langfristigen Transaktionsprozesses sein könnte, mit dem Fernziel eines Daimler-Totalrückzugs und eines reinrassigen Ineos-Teams, das auch den Namen der Marke trägt, schließen alle Beteiligten aus. Die Konstellation mit je einem Drittel der Anteile zwischen Daimler-Konzern, Wolff und Ineos ist demnach erstmal in Stein gemeißelt.

Ratcliffe mit einem Drittel der Anteile zufrieden

Doch Ineos-Frontmann Jim Ratcliffe gilt als Visionär und Macher von großen Sportprojekten. Ihn nicht wenigstens zu fragen, ob er sich vorstellen könnte, eines Tages sein eigenes Team zu haben, wäre fahrlässig. Doch Ratcliffe stellt klar, dass er das "überhaupt nicht" vorhabe: "Ich bin erfreut über die Konstellation mit je einem Drittel. Es ist eine sehr harmonische Beziehung."

Und eine, die gewisse Risiken birgt. Der Daimler-Konzern war in der Vergangenheit schon einmal 40-Prozent-Shareholder bei McLaren. Ron Dennis und Mansour Ojjeh hielten damals je 30 Prozent. Was dazu führte, dass Daimler bei wesentlichen Entscheidungen schmerzhafte Kompromisse eingehen musste, weil man gegen die Achse Dennis-Ojjeh mit 40:60 das Nachsehen hatte.

Eine solche Konstellation könnte drohen, sollten Wolff und Ratcliffe gemeinsame Ziele verfolgen, die mit jenen von Daimler nicht kompatibel sind. Doch solche Befürchtungen werden als Panikmache von außen eingestuft: "Wir haben gemeinsame Interessen. Jede Partnerschaft basiert auf Vertrauen unter den handelnden Personen", gibt Daimler-CEO Ola Källenius Entwarnung.

Wie gut abgesichert sind die Daimler-Interessen?

Zumal in Gesellschaftsverträgen immer die Möglichkeit besteht, Schutzmechanismen einzuziehen, die verhindern, dass einer der Gesellschafter bei besonders sensiblen Entscheidungen von den anderen überstimmt werden kann. Die Sperrminorität von normalerweise 25 Prozent plus ein Anteil ist hier zum Beispiel eine sehr wichtige Hürde.

Doch solche rechtlichen Spitzfindigkeiten werden gar nicht relevant sein, glaubt Källenius, denn: "Jetzt geht nicht nur die Geschäftsbeziehung mit Toto, sondern auch seine Rolle als Motorsportchef bei uns so viele Jahre zurück. Das heißt, wir sind sehr auf einer Linie. Und mit Jim haben wir jemanden gefunden, der ähnlich denkt, der einen extrem hohen Anspruch hat."

"Wenn man sieht, was er mit seiner Firma in den letzten 20 Jahren gemacht hat, das ist schon mehr als bemerkenswert. Auch das Engagement von Ineos in Top-Sportarten, ob das jetzt America's-Cup-Racing ist oder Radsport oder Fußball, und so weiter, da sind wir alle auf einer Linie."

"Selbstverständlich gucken wir, dass die Marken der zwei Industriepartner sehr gut repräsentiert werden und dass die immer geschützt sind", antwortet Källenius auf die von 'Motorsport-Total.com' gestellte Frage nach Schutzmechanismen im Gesellschaftervertrag. "Aber ich sehe in unserem Gesellschaftervertrag weder Probleme noch irgendetwas. Ist alles gut."

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