• 14. April 2017 · 16:39 Uhr

Bernie Ecclestone stichelt gegen Liberty: "Ich war ein Idiot!"

Er ist wieder da: Bernie Ecclestone übt bei seinem Bahrain-Besuch Kritik an Liberty Media, tut dies aber auf seine typisch ureigene Art und Weise ...

(Motorsport-Total.com) - Er ist wieder da: Die Langstreckenflüge nach Australien und China schenkte sich der entmachtete Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, aber beim Grand Prix von Bahrain (Formel 1 2017 live im Ticker) ist er erstmals nach Ende seiner mehr als 40-jährigen Regentschaft wieder vor Ort. Und zwar auf Einladung des Königshauses, das er einst dazu überredet hat, ab 2004 einen Grand Prix zu veranstalten.

Christian Horner, Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone im Gespräch mit seinem Trauzeugen Christian Horner Zoom Download

Und Ecclestone freut sich darüber, dass der Sport wieder spannender ist als noch 2016: "Gut, dass Ferrari wieder so stark ist", sagt er. "Wenn Ferrari und Red Bull wieder vorne sind, interessiert es auch die Öffentlichkeit mehr." Ein Journalist fragt, auf wen er setzen würde, wenn er ein Pfund hätte. Antwort: "Auf Lewis." Nachsatz: "Aber zum Glück habe ich mehr als ein Pfund!"

Der 86-Jährige präsentiert sich bei seinem ersten Formel-1-Besuch 2017 so, wie man ihn kennt: nach außen hin stoisch gelassen, immer mit bitterschwarzem Humor. Und mit dem einen oder anderen Seitenhieb. Unser Vor-Ort-Reporter will wissen, ob die geplante Reduktion von 21 auf 20 Rennen der richtige Schritt sei. Ecclestone antwortet: "Mir scheint, dass sie Dinge nicht nur des Geldes wegen tun. Ich schon."

Ecclestone wollte Geld, Liberty will Fans

Libertys Kalender-Idee sei "gut", sagt er - lässt das Lob aber nicht ohne süffisanten Kommentar in Richtung seines Nachfolgers Chase Carey stehen: "Ich habe versucht, für die Anteilseigner der Firma Geld zu verdienen. Mir scheint, das ist nicht der Antrieb, den Chase hat. Er will die Zuschauer glücklich machen."

Bernie Ecclestone, Chase Carey

Bernie Ecclestone: Sein Nachfolger Chasey Carey tut ihm leid Zoom Download

Daraus könnte man zwischen den Zeilen mit etwas Fantasie herauslesen: "Dieses Milliardenbusiness finanziert sich nicht von selbst, und ich habe einen verdammt guten Job darin gemacht, Geld zu verdienen. Liberty wird schon noch merken, wie gut ich meinen Job gemacht habe." Was er so nicht gesagt, aber vielleicht gedacht hat.

"Ein paar Jahre lang", sagt Ecclestone, "kannst du den Aktionären ja erzählen, dass es nächstes Jahr besser wird." Langfristig prognostiziert er, dass Liberty "erst in ein paar Jahren merken wird", dass sie Möglichkeiten für einen Return on Investment nicht genutzt haben. Und dann werde es Kritik geben. "Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut stecken, heutzutage für eine börsennotierte Firma abliefern zu müssen. Chase tut mir leid, weil er das muss", sagt Ecclestone.

Aus eins mach drei ...

Die Tatsache, dass Liberty drei Manager einsetzt, um seinen alten Job zu machen - Carey, Sean Bratches und Ross Brawn -, könnte man als Kompliment empfinden. Er selbst, von uns darauf angesprochen, lacht darüber: "Ich war ein Idiot!" In Kontakt steht er mit seinen Nachfolgern selten: "Sean habe ich noch nie getroffen. Mit Ross habe ich dieses Jahr zehn Minuten gesprochen. Ich kenne ihn aber von früher. Und Chase tut mir leid, weil er ins kalte Wasser geworfen wird."

Obwohl er offiziell immer noch Berater der Formel 1 ist, habe ihn Liberty noch "nie um was gebeten", behauptet Ecclestone. Außer heute in Bahrain: "Am Morgen habe ich über ein oder zwei Themen mit Chase gesprochen." Über welche, das will er nicht verraten.

Plötzlich auf der Seite der Streckenbetreiber

Auf die Frage, ob ihm die Formel 1 fehlt, entgegnet er: "Es ist merkwürdig." Und nutzt auch diese Gelegenheit, einen Nadelstich gegen Liberty zu setzen. Seine Coups wie Bahrain, Abu Dhabi oder Aserbaidschan spülen hunderte Millionen in die Kassen. Jetzt, wo das nicht mehr seine Kassen sind, schlägt er sich plötzlich auf die Seite der Streckenbetreiber, denen er jahrelang all das Geld abgeknöpft hat.


Fotostrecke: Ecclestone: So sieht er seine Weggefährten

"Ich musste diese Leute davon überzeugen, diese Strecke zu bauen. Viele andere Strecken auch. Dafür fühle ich mich ein wenig verantwortlich", sagt er in Anspielung auf das Königshaus von Bahrain. "Und ich habe ihnen für das, was wir bieten, zu viel abgeknöpft. Wenn sie mich also heute etwas fragen, versuche ich zu helfen. Das hat nichts mit Liberty zu tun, aber unter meiner Kontrolle haben wir nicht die Show geboten, für die diese Leute bezahlt haben."

Erst Königshaus von Bahrain, dann Putin in Russland

Man darf annehmen: Wäre Ecclestone selbst noch an der Macht, würde er nicht finden, dass die Rennstrecken zu viel bezahlen. Tatsache ist aber auch: Viele der Strecken, die er einst in die Formel 1 gebracht hat, können sich ihr Rennen heute nicht mehr leisten. "Weil du als Geschäftsmann zu gut bist", sagt einer. Ecclestone grinst: "Vielleicht. Ich bin halt ein Gebrauchtwagenhändler."

"In der Formel 1 hatte ich immer Glück."Bernie Ecclestone
Das nächste Mal sehen werde man ihn schon in Russland. Nach der Einladung des Königshauses von Bahrain folgt er dort dem Ruf von Präsident Wladimir Putin. Mit den starken (und teilweise umstrittenen) Männern der großen Politik verstand sich Ecclestone immer schon prächtig. Die Aufregung der politisch Korrekten darüber konnte er nie nachvollziehen.

Auf die Frage, was sein größter Fehler war, antwortet Ecclestone mit einer Gegenfrage: "In der Formel 1 oder im Leben?" Denn während er im Privatleben so manchen Rückschlag überstehen musste, etwa die gescheiterte Ehe mit Slavica, sagt er über sein Berufsleben: "In der Formel 1 hatte ich immer Glück."

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