• 23. Juni 2022 · 09:21 Uhr

"Klima-Verbrechen": Deshalb wirft Kanada Sebastian Vettel "Heuchelei" vor

Wie Sebastian Vettel beim Formel-1-Rennen in Montreal den Zorn der kanadischen Politik auf sich gezogen hat und wie er seine Umwelt-Aktion begründet

(Motorsport-Total.com) - Sebastian Vettel ist mit seiner neusten Umwelt-Aktion bei der kanadischen Politik angeeckt. Denn Vettels Protest gegen den Abbau von Ölsand in der kanadischen Provinz Alberta wurde von der dortigen Energieministerin Sonya Savage als "Heuchelei" bezeichnet.

Sebastian Vettel mit Aktionsshirt in Kanada

Sebastian Vettel mit seinem Aktionsshirt beim Kanada-Grand-Prix 2022 Zoom Download

Was also hat sich Vettel dabei gedacht, als er beim Kanada-Grand-Prix 2022 in Montreal mit einem speziellen T-Shirt und einem besonderen Helmdesign ins Formel-1-Fahrerlager gegangen ist?

Der viermalige Weltmeister erklärt, es sei aus eigenem Antrieb passiert. "Mich hat niemand kontaktiert. Ich lese einfach viel über das Thema, weil sich da vieles tut. Und ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir einfach viel mehr mitbekommen."

Weshalb Vettel den Ölsand zum Thema gemacht hat

Er habe daher beschlossen, auf das Ölsand-Thema aufmerksam zu machen. O-Ton Vettel: "Was in Alberta passiert, ist ein Verbrechen. Denn dort werden viele Bäume gefällt. Im Prinzip zerstört man alles, nur um Öl zu fördern. Die Art und Weise, wie das beim Ölsand geschieht, ist furchtbar für die Natur. Und Kanada stößt seit Beginn des Projekts auch deutlich mehr Treibhausgase aus."

Um diese Botschaft zu übermitteln, entwarf Vettel ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Stoppt den Abbau von Ölsand. [Das ist] Kanadas Klima-Verbrechen." Passend dazu verwendete er in Kanada ein Helmdesign, das unter anderem eine Öl-Pipeline zeigt.

Denn ihm geht die Ausbeutung der Natur in dieser Form gegen den Strich, sagt Vettel: "Soweit ich gelesen habe, existiert das Projekt seit etwa 20 Jahren. Ich glaube, der Premierminister sagte, dass kein anderes Land diese Ressourcen ungenutzt im Boden belassen würde."

Vettel will ein "Bewusstsein schaffen"

"Jedes Land und jede Person mag seine Meinung und Haltung haben. Meine persönliche Meinung ist: Ich widerspreche da. Die Wissenschaft belegt, dass fossile Treibstoffe endlich sind. Wir leben in einer Zeit, in der das nicht mehr erlaubt sein sollte und nicht mehr passieren dürfte."

Er wolle mit seiner Aktion "ein Bewusstsein dafür schaffen", meint Vettel. Denn er denke, vielen Menschen "in Kanada und in der ganzen Welt" sei nicht klar, was dort passiere.

"Dann ist [die Aktion] nur eine kleine Geste", sagt Vettel. "Ich denke da an künftige Generationen und die Welt, die wir ihnen hinterlassen. Da ist es nur fair, sich um diese Welt zu kümmern und sie nicht zu zerstören."

Wie die kanadische Politik darauf antwortet

Bei Savage als Energieministerin von Alberta kommen weder die Aktion noch Vettels Äußerungen gut an. Die Politikerin kritisierte Vettel in den sozialen Netzwerken scharf, und mit diesen Worten: "Ich habe ja viel Heuchelei mitbekommen über die Jahre, aber das hier schießt den Vogel ab."


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"Ein Rennfahrer beschwert sich über Ölsand, wird aber selbst von Aston Martin gesponsert, das von Saudi Aramco finanziert wird. Saudi Aramco wiederum ist der weltweit größte Ölproduzent. Es heißt, diese Firma sei der größte einzelne CO2-Ausstoßende, und zwar seit 1965."

Deshalb dreht Savage den Spieß um und meint: "Statt das Ölsand-Projekt zu dämonisieren, das auf dem Weg ist zur Klimaneutralität, sollten die Leute erst einmal ihren eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren. Vielleicht mit einem Tretauto in der Formel 1?"

So reagiert Vettel auf den Vorwurf der Heuchelei

Vettel nimmt diese Antwort auf seine Aktion hin und sagt: "Das ist in Ordnung. Ich bin nur etwas enttäuscht, dass sich Politiker auf die persönliche Ebene begeben. Denn es geht nicht nur um mich, es geht um das große Ganze."

"Und ich bin ein Heuchler bei dem, was ich arbeite. Wir alle haben unterschiedliche Leidenschaften. Das ist nun mal, wie ich meine Leben bestreite."

Dann verweist der Ex-Champion auf die Bemühungen der Formel 1, die Fahrzeuge nachhaltiger zu gestalten, "ohne auf fossile Treibstoffe angewiesen zu sein", so formuliert es Vettel.

"Diese Zukunft ist spannend. Und wichtig ist doch, dass wir diesen Schritt machen und rauskommen aus den fossilen Brennstoffen, damit wir unser Leben auf erneuerbare Energien stützen können. Darum geht es mir."

Vettel: Warum am Sonntag plötzlich ohne Spezialhelm?

Aber ging es ihm auch am Rennsonntag in Kanada noch darum? Dann trat Vettel plötzlich nicht mehr mit seinem besonderen Helmdesign an, sondern in den normalen Farben. Auf die Frage, warum das so war, sagte Vettel bei 'Sky' schlicht: "Da möchte ich jetzt nichts dazu sagen. Ich habe ja mehr als einen Helm."

'Sky' wiederum berichtete, Vettel sei von seinem Formel-1-Team Aston Martin gebeten worden, das Spezialdesign am Sonntag nicht zu verwenden - mutmaßlich als Reaktion auf die Äußerungen der kanadischen Energieministerin Savage.

Ob er sich also dem Druck des Teams gebeugt habe, wird Vettel gefragt. Antwort: "Noch irgendwelche anderen Fragen?" Und Vettel lacht, dann ist das Interview vorbei.

Was Teamchef Mike Krack dazu sagt

Teamchef Mike Krack aber stellt sich den Fragen der Journalisten - und verneint, dass Aston Martin Vettel den Aktionshelm untersagt habe.

Weiter meint Krack: "Er wollte Aufmerksamkeit erregen mit dem Shirt und dem Helm. Irgendwann hat er entschieden, er hat diese Aufmerksamkeit geschaffen. Das wars. Dann hat er wieder darauf verzichtet. Er kann ja nicht jeden Tag das gleiche Shirt tragen, das können auch wir nicht."

Ob es Vettels eigene Entscheidung gewesen sei, wird Krack gefragt. Antwort: "Er informiert uns normalerweise lange im Voraus über das, was er vorhat. Und dann stimmen wir uns ab, wie es gemacht werden kann. In der Vergangenheit war es meist eine Sache für den Freitag oder für Freitag und Samstag." Und: "Er kann frei entscheiden. Wir sprechen darüber."

Wenn Vettel also gewollt hätte, so die Abschlussfrage an den Teamchef von Aston Martin, dann hätte er auch am Sonntag den Spezialhelm tragen können? Krack bejaht und sagt: "Er ist ein freier Mann!"

Als solcher hat Vettel in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrfach Stellung bezogen zu bestimmten Themen. In Ungarn etwa warb er mit einem Regenbogen-Shirt für mehr Diversität, beim ersten Miami-Grand-Prix machte er auf den steigenden Meeresspiegel aufmerksam.

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