• 14. März 2021 · 23:08 Uhr

Mercedes nach Bahrain-Test: "Wir sind nicht so schnell wie Red Bull"

Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin sieht sein Team nach drei Testtagen in Bahrain im Renntrimm hinter Red Bull zurück - Dreher von Lewis Hamilton zum Abschluss

(Motorsport-Total.com) - Mercedes beendet die Testfahrten in Bahrain mit einem fast reibungslosen dritten Tag. Dennoch liegt das Weltmeister-Team im Distanz-Vergleich auf dem letzten Rang. Einen solch durchwachsenen Saisonauftakt haben die Silberpfeile in der Hybridära noch nie erlebt. Daten zeigen außerdem, dass Rivale Red Bull im Renntrimm mächtig aufgeholt hat.

Valtteri Bottas

Mercedes bildet das Schlusslicht im Distanz-Ranking Zoom Download

Weltmeister Lewis Hamilton beendete die dreitägigen Testfahrten nach seiner Session mit "guter Zuverlässigkeit" auf dem fünften Rang im Gesamtklassement, seine Bestzeit war eine Sekunde langsamer als jene von Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Der Brite weiß, dass die Gefahr der Bullen in dieser Saison gewachsen sein könnte.

Das österreichisch-britische Team sei ein ganz anderes Kaliber als noch 2020, glaubt Hamilton. Die Favoritenrolle will Verstappen aber nicht annehmen. "Ich denke nicht, dass wir die Favoriten sind." Die Daten zeigen aber: Red Bull könnte die Mercedes-Dominanz in dieser Saison brechen.

Wo Red Bull nach den Wintertests vor Mercedes liegt

"Wir konnten bei der Balance mit mehr Sprit an Bord einige Fortschritte verzeichnen und das Auto verhielt sich berechenbarer. Aber wir können an den Daten erkennen, die wir über die letzten Tage gesammelt haben, dass wir bei der Rennpace noch nicht so schnell sind wie Red Bull", stellt Chefingenieur Andrew Shovlin fest.

Zumindest im Longrun scheinen die Bullen derzeit also die Nase vorn zu haben. Ein "verworrenes Bild" zeige sich hingegen in der Quali-Simulation. "Wir haben nicht genug Boden gutgemacht und müssen uns jetzt unseren Ansatz ansehen, da heute zu viele Autos bei der Pace vor uns lagen."

Während Valtteri Bottas am Vormittag an der Abstimmung im Longrun arbeitete, durfte Hamilton am Nachmittag nach Rennsimulationen auch Quali-Runden mit weniger Sprit und weicheren Pneus fahren. Doch wieder war der siebenfache Champion mehrfach neben der Ideallinie zu finden.


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In der Aufwärmrunde auf dem weichsten Pirelli-Reifen (C5) unterlief ihm in der letzten Kurve ein Fehler, er drehte sich erneut. Wieder schien die Instabilität im Heck dafür verantwortlich zu sein, über die sich beide Mercedes-Piloten in den vergangenen beiden Tagen beklagten.

"Heute haben wir Fortschritte gemacht, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen", kommentiert Hamilton den letzten Tag. "Ich kann keinen klaren Bereich ausmachen. Es fühlt sich einfach so an, dass wir uns auf einer Runde überall verbessern müssen."

"Ich fühle mich immer noch nicht vollkommen wohl", berichtet Bottas nach seinem letzten Testeinsatz am Vormittag. Aber: "Wir haben Fortschritte mit dem Set-up des Autos gemacht, konnten es besser verstehen und es dazu bringen, sich besser zu verhalten. Aber dennoch müssen wir mehr Arbeit verrichten."

Mercedes ist Schlusslicht im Distanz-Vergleich

Der Finne war schon am Samstag nicht "hundert Prozent" glücklich über die Balance des Autos. Zumindest habe Mercedes aber Schritte vorwärts gemacht, die "in die richtige Richtung" gegangen sind. "Mit dem Team war das definitiv der herausforderndste Start in eine Saison, was die Testfahrten angeht", merkt er an.

Den Saisonbeginn hat er sich anders vorgestellt, dieser sei keineswegs "ideal" verlaufen. Schon am Freitag erlebte Mercedes einen herben Rückschlag, ein Getriebeprobleme bedeutete praktisch keine Runden am Vormittag. Am Samstag kämpfte Hamilton mit dem W12 und drehte sich schließlich ins Kiesbett.

Am Sonntag schien für Mercedes bis zur Mittagspause alles bestens zu laufen, doch größere Umbauarbeiten verzögerten den Arbeitsbeginn von Hamilton am Nachmittag. Daher konnte der Brite insgesamt an den drei Tagen nur 154 Runden drehen (833,5 Kilometer), ebenso viele wie Teamkollege Bottas.

Im Distanz-Vergleich der Teams liegt Mercedes mit 304 Runden (1.645,3 Kilometer) auf dem letzten Platz. "Ich denke, wir haben ordentlich aufgeholt. Wir haben zwar nicht ganz die Distanz geschafft, die wir uns für die drei Tage vorgenommen haben, aber eigentlich liegen wir nicht weit daneben", kommentiert Bottas.

Am Sonntag habe er das geplante Programm vollständig abspulen können. "Wir hatten schon in den vergangenen Jahren bei den Wintertests nicht immer die beste Pace. Bis zum ersten Rennen konnten wir uns aber jedes Mal steigern", betont außerdem Ingenieur Shovlin.

Vergleicht man die Testsieger der vergangenen Jahre mit den Konstrukteurs-Weltmeistern, dann fällt auf: Mercedes war nur 2013, 2015 und 2020 auch bei den Wintertests an der Spitze zu finden. In den meisten Jahren krönte sich Ferrari zum Winterkönig. Dementsprechend mit Vorsicht sind die Ergebnislisten der Testfahrten zu bewerten.

"Diesmal erwartet uns jedoch jede Menge Arbeit. Denn uns bleibt nicht viel Zeit, bevor wir hier das erste Rennen fahren. Entsprechend haben wir uns ein Programm zurechtgelegt, um einige unserer Probleme besser zu verstehen", ergänzt Shovlin.

Mercedes werde "jeden Stein umdrehen", um in den kommenden zehn Tagen mehr Speed zu finden. "Ich habe das volle Vertrauen in das Auto und das Team, dass wir das Potenzial [zum Titelgewinn] haben", merkt Bottas an.

"Ich denke, dass das Gesamtpaket derzeit noch nicht ganz da ist, was die Performance betrifft. Aber ich habe keinen Zweifel, dass wir hart daran arbeiten werden, um [die Leistung] schlussendlich zu finden." In den kommenden Tagen wird Mercedes die gesammelten Daten analysieren und im Rahmen eines Filmtags am W12 weiterarbeiten.

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