• 14. März 2021 · 07:46 Uhr

Heck unruhig: Diese Regeländerung bereitet Mercedes Kopfzerbrechen

Der Einschnitt in den Unterboden könnte Mercedes mehr schmerzen als Red Bull, darauf deuten zumindest die Erkenntnisse der ersten beiden Testtage in Bahrain hin

(Motorsport-Total.com) - Nach zwei Tagen bei den Wintertests in Bahrain besteht zumindest Hoffnung, dass die Formel-1-WM 2021 spannender werden könnte als in den vergangenen Jahren. Denn Red Bull hat laut Motorsportkonsulent Helmut Marko den besten Saisonstart seit Einführung der Hybrid-Ära (das war 2014) erwischt, und gleichzeitig scheint Mercedes mehr denn je zu straucheln.

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Valtteri Bottas fuhr zwar nach dem zeitraubenden Getriebeproblem am Freitag am Samstag Tagesbestzeit (1:30.289 Minuten) und sprach anschließend von einem "viel besseren" Testtag als zum Auftakt; doch das streikende Getriebe zog einfach zum Mercedes-Kundenteam Aston Martin weiter, wo es Sebastian Vettel den Vormittag kostete.

Dazu leistete sich Lewis Hamilton am Samstagmorgen einen seiner seltenen Fahrfehler, als er den W12 im Kiesbett parkte. Das lag nicht nur am Wind, wie im TV-Kommentar zunächst vermutet wurde: "Das Heck fühlt sich nach der Regeländerung nicht besonders gut an. Wir versuchen da noch, den Sweetspot zu treffen", räumt der siebenmalige Weltmeister ein.

Das Dreieck, das per Reglement vor den Hinterreifen aus dem Unterboden geschnitten wurde, scheint Mercedes mehr wehzutun als Red Bull. Es war Mercedes' große Stärke, mit "low Rake" (also einem flachen Anstellwinkel) den hinteren Bereich des Unterbodens abzudichten und dort Abtrieb zu generieren. Verringert man dort die Fläche, trifft das die am härtesten, die dort am besten waren.

Horner: Kleine Änderung, große Auswirkung?

"Kleine Regeländerungen können in der Formel 1 manchmal große Auswirkungen haben", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Dass Hamilton am Samstag ausgerechnet das Heck weggegangen ist, deutet auf weniger Abtrieb als bisher ausgerechnet in jenem Bereich hin, in dem sich die Regeländerungen am meisten auswirken.

Vorteil Red Bull? "Wir bluffen nur", witzelt Bottas - um dann etwas ernster anzufügen: Der Freitag sei "nicht perfekt" gewesen, und Hamiltons Dreher am Samstag "passiert auch anderen Fahrern. Aber es stimmt: Wir sind nicht da, wo wir mit dem Auto hinwollen. Das ist Tatsache. Hoffentlich kommen wir bis zum ersten Rennen noch hin."


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Der 31-jährige Finne präzisiert: "Eines der großen Probleme mit unserem Auto ist das Heck. Das ist ziemlich unberechenbar und verzeiht nicht viel. In Kombination mit den neuen Reifen, die aufs Rutschen ziemlich anfällig sind, ist das nicht einfach. Jetzt müssen wir versuchen, da mehr Ruhe ins Auto zu kriegen und so Pace zu finden."

Dass das gelingen wird, davon ist Horner überzeugt: "Mercedes ist ein Team von hoher Qualität. Vor zwei Jahren hatten sie bei den Wintertests auch Probleme, und dann sind sie uns allen beim ersten Rennen in Melbourne um die Ohren gefahren. Ja, ihr Auto sah die ersten zwei Tage auf der Strecke nicht besonders gut aus. Aber das kann sich sehr schnell ändern."

Im Moment ist Red Bull Klassenprimus. Während Mercedes noch nicht mal einen ordentlichen Longrun absolviert hat, hat der RB16B schon eine ganze Renndistanz hinter sich. Und das war die bisher konstanteste und schnellste des gesamten Tests. Neuzugang Sergio Perez (am Samstag P8) sagt: "Ich gewöhne mich langsam ans Auto. Und ich kann das Potenzial sehen."

Wurz: Start von Mercedes war bisher "suboptimal"

Mercedes hingegen braucht am Sonntag einen reibungslosen Testabschluss, denn: "Die werden das sicher lösen können. Aber die verlorene Zeit, auch wenn die Testbedingungen schlecht sind, die kriegst du nimmer zurück", sagt Formel-1-Experte Alexander Wurz in einem Video-Interview, das in voller Länge auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de zu sehen ist.


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Die bisher verlorene Zeit, wegen Getriebeproblemen und Hamiltons Dreher, "fehlt ganz klar", erklärt Wurz, und stuft Mercedes' Start in die Wintertests als "suboptimal" ein: "Wenn du zu wenig fährst, bist du hinten nach. Dann kannst du die Longruns nicht fahren, dann kannst du all diese Assessments nicht machen und gehst halt mit ein bissl weniger Vorbereitung ins erste Rennen hinein."

"Wir sehen die Konkurrenz - Red Bull hat einen guten Auftritt gemacht. Es ist keine 'gmahde Wiesn' für Mercedes, obwohl sie für mich immer noch die Favoriten sind. Denn sie haben einen großen Technikvorsprung aus dem Vorjahr mitgenommen. Aber man sieht: In der Formel 1 dreht sich das Blatt oftmals so schnell wie der Wind hier in Bahrain."

Gleichzeitig ist es laut Wurz ein gutes Zeichen, dass der 2020 noch so instabile Red Bull trotz teilweise widriger Testbedingungen in Bahrain stabil auf der Straße zu liegen scheint: "Autos, die sich da noch halbwegs gut anfühlen, sind relativ robust gegen starke Windböen oder auch das Rutschen des Autos. Das ist einmal ein echt gutes Zeichen für Red Bull und Max Verstappen."

Wurz schränkt ein: "Wären sie mit wesentlich weniger Sprit, mit den weicheren Reifen zur besten Zeit draußen gewesen, dann würde sich diese Aussage relativieren. Also: Schwer zu sagen - aber Tendenz auf jeden Fall mal stark. Und das ist gut, denn starker Red Bull gegen Mercedes, vielleicht Dreikampf mit anderen Überraschungsteams, das könnte dann wirklich spannend werden!"

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