• 21. August 2023 · 16:14 Uhr

Peter Bayer im Porträt: So tickt der neue CEO von AlphaTauri

Wie der Österreicher Peter Bayer vom Snowboard- und Musikfestivalmanager in die Formel 1 kam und was seine Ziele bei AlphaTauri sind

(Motorsport-Total.com) - Als Peter Bayer im Juni als neuer CEO von AlphaTauri bekannt gegeben wurde, wurde seine Einstellung im Formel-1-Paddock weithin als guter Schachzug der Red Bull-Organisation anerkannt. Sein Name mag in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt gewesen sein, aber innerhalb des Sports hatte er sich dank seiner Zeit bei der FIA unter dem damaligen Präsidenten Jean Todt viel Respekt verschafft.

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Peter Bayer war bei der FIA, bevor er den Job bei AlphaTauri annahm Zoom Download

Der 52-jährige Österreicher hat einen bewegten Lebenslauf, denn er war in verschiedenen Sportarten tätig, bevor er seinen Weg in den Motorsport fand. Daher bringt er eine faszinierende Bandbreite an Erfahrungen für die Aufgabe mit, die politischen und kommerziellen Aspekte des Teams in Faenza zu überwachen.

Der 1971 geborene Bayer war in seiner Jugend ein Formel-1-Fan und verfolgte mit seinem Vater die Rennen im ORF. "Niki Lauda war ein Nationalheld, er war größer als alles andere in Österreich", erinnert er sich. "Ich weiß, wir haben Mozart und andere berühmte Leute, aber Niki war für mich einfach ein unglaublicher Mensch."

Nach dem Abschluss seines BWL-Studiums hoffte Bayer, einen Job im Motorsport zu bekommen, aber er hatte keine Kontakte und keinen Zugang, und ein Anruf im Büro von Bernie Ecclestone mit der Bitte um Rat führte zu nichts. Stattdessen nahm sein Leben eine andere Richtung.

"Damals verbrachte ich viel Zeit mit Skifahren, Snowboarden und Klettern", erinnert er sich. "Und ich lernte einige Leute kennen, die sagten: 'Komm und arbeite mit uns', weshalb ich der International Snowboard Federation beitrat. Und das war eine großartige Erfahrung. Ich habe schnell verstanden, dass es eine Nische gibt, in der viele kommerzielle Partner in solche Dinge einsteigen wollen, weil sie damit ein jüngeres Publikum erreichen können."

Anfänge als Manager im Snowboardsport

"Snowboarding war eine Mischung aus Sport, Kultur, Lifestyle, Musik und Mode. Wir organisierten Snowboarding-Events und fügten dann Musikfestivals hinzu. Der nächste Schritt war, dass ich 2005 mein eigenes elektronisches Musikfestival namens Soundcity ins Leben rief, das eines der beiden größten in Österreich war."

Sein Engagement im Wintersport führte dazu, dass er mit dem Internationalen Olympischen Komitee an einem neuen Projekt arbeiten konnte: "Das IOC hat die Olympischen Jugendspiele ins Leben gerufen, um für ein jüngeres Publikum relevant zu bleiben. Es begann 2010 in Singapur, und dann 2012 in Innsbruck bei den ersten Winterspielen, bei denen ich als CEO fungierte."

Nach einem Treffen mit dem Geschäftsmann und stellvertretenden Vorsitzenden der Olympischen Spiele in London, Sir Keth Mills, wechselte Bayer 2013 in den Segelsport, wo er unter anderem an der Ocean-Masters-Serie und dem America's Cup teilnahm. Dann ergab sich zufällig eine Gelegenheit, im Motorsport zu arbeiten.

Wie Jean Todt auf Bayer aufmerksam wurde

"Jean Todt steht Christophe de Kepper, dem Generaldirektor des IOC, sehr nahe", sagt Bayer. "Er war auf der Suche nach einem neuen Generalsekretär für die FIA. Und er rief Christophe an, der sagte: 'Nun, ich kenne da jemanden.'"

"Ich lernte Jean kennen, und er hat mich drei Monate lang ausgequetscht. Ich musste viele Sitzungen absolvieren, viele Präsentationen halten, weil er sicher sein wollte, dass ich den Motorsport verstehe. Offensichtlich hatte ich keinen anderen Hintergrund als meine Leidenschaft für diesen Sport."

"Ich musste für ihn eine Präsentation erstellen, in der ich die Stärken und Schwächen aller Meisterschaften, ihre Strukturen und die von ihnen verwalteten Mittel analysierte. Ich glaube, ich habe es richtig gemacht und Jean und den Weltrat davon überzeugt, mich zu wählen."

Als er das Amt im März 2017 antrat, erhielt Bayer einige interessante Ratschläge von seinem unmittelbaren Vorgänger Jean-Louis Valentin, der in die reale Weltpolitik wechselte. "Am ersten Tag sagte er mir: 'Peter, dein Fokus liegt auf der Verwaltung, dem Rallyesport und der WEC'", erinnert sich Bayer. "Lass dich nicht auf die Formel 1 ein, das gibt nur Ärger!"

"Ich brauchte drei Jahre, um das volle Vertrauen von Jean zu gewinnen. Aber nach drei Jahren übergab er mir die Schlüssel und sagte: 'Motorsport, du leitest ihn, ich kümmere mich um andere Dinge.' Das hat mir offensichtlich die Tür geöffnet. Ich habe mich sehr von der Verwaltung und dem Absegnen wegbewegt und bin zu einem proaktiveren Managementstil übergegangen."

"Ich würde sagen, 80 Prozent meiner Zeit habe ich damit verbracht, mit den Veranstaltern der Meisterschaft an der künftigen strategischen Ausrichtung zu arbeiten. Ich habe viel mit Alejandro Agag über die Zukunft der Formel E gesprochen. Ich habe die Verhandlungen geführt, um die Formel E zu einer Weltmeisterschaft zu machen."

"Ich verhandelte Promotion-Vereinbarungen für die Rallye-Raid-Weltmeisterschaft und eine Erweiterung der Rallye-Weltmeisterschaft und brachte die Rallye-Europameisterschaft und Rallycross mit den deutschen Veranstaltern unter ein Dach. Das war mein tägliches Geschäft."

Formel 1: Drahtzieher hinter den Kulissen

In der Formel 1 war er eng in die Entwicklung des neuen Finanzreglements und des Kostendeckels eingebunden und half bei der Festlegung des Motorenpakets für 2026. "Das Finanzreglement war sehr, sehr wichtig für uns", sagt er. "Die ursprüngliche Idee kam von Chase Carey (damals CEO der Formel 1; Anm. d. Red.), und ich habe verstanden, was Chase damit erreichen wollte."

"Und aufgrund meines geschäftlichen Hintergrunds hatte ich auch das Gefühl, dass wir es tatsächlich umsetzen können. Denn letztlich ist die Buchhaltung ein sehr präzises Geschäft, genau wie die Ingenieursarbeit."

"Beim Motorenreglement mag es merkwürdig sein, dass ich das Projekt leitete, aber wir begannen mit einer strategischen Gruppe von Leuten, nämlich Ola Kälennius [Mercedes], John Elkann [Ferrari], Oliver Blume [VW/Porsche], Markus Duesmann [VW/Audi], Luca de Meo [Renault], Jean Todt und Stefano Domenicali."

"Das waren die führenden Köpfe des Motorsports, die zusammenkamen und sagten: 'Okay, was können wir tun? Wie können wir das relevant und gleichzeitig attraktiv halten?' Und da haben wir angefangen, die strategische Ausrichtung des Motors zu definieren. Dann ging es um technische Details, aber meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass alles, was die Ingenieure sich ausdachten, mit dem strategischen Ziel übereinstimmte."

Warum es zum Bruch mit dem FIA-Präsidenten kam

Bayer wurde zu einem so angesehenen Akteur, dass er 2021 den Titel des Formel-1-Exekutivdirektors zu seiner umfassenderen FIA-Rolle hinzufügte. Als Todts letzte Amtszeit als FIA-Präsident zu Ende ging, wurde Mohammed bin Sulayem im Dezember 2021 auf zum neuen Präsidenten einer Plattform gewählt, die die Schaffung einer CEO-Rolle bei der FIA vorsah.

Bin Sulayem hatte sein eigenes Team und seine eigenen Vorstellungen, und das Gesicht von Bayer passte nicht mehr dazu. Er verließ die Organisation im Mai letzten Jahres.

"Als Mohammed gewählt wurde, habe ich nie verstanden, wie sie das Unternehmen eigentlich strukturieren wollten", sagt er. "Also habe ich mich sehr auf den Formel-1-Job konzentriert. Aber dann kam der Tag, an dem ich ein bisschen besser verstand, wohin die Reise geht."

"Ich war einfach nicht mehr so engagiert. Ich hatte eine riesige Verantwortung unter Jean, und die wurde irgendwie in kleine Stücke zerlegt. Gleichzeitig braucht man in der Formel 1 sehr viel Energie, man ist rund um die Uhr im Einsatz. Und ich denke, man muss sich über seine Position absolut im Klaren sein, die Leute müssen wissen, wer man ist."

"Ich hatte das Gefühl, dass die neuen Leute, die hierher kamen, die neuen Manager, die neuen Berater, alle hatten natürlich eine Meinung. Ich bin ein sehr aufgeschlossener und ruhiger Mensch, aber wenn ich merke, dass etwas nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle, kann ich ziemlich direkt sein. Und das führte zu einigen Diskussionen mit den Leuten um Mohammed, und am Ende waren sich beide einig, dass das so keinen Sinn macht."

Wie Bayer bei AlphaTauri landete

Bayer war in der Folgezeit als Berater für das IOC und für das Formel-1-Projekt von Audi tätig, bevor sich die Gelegenheit für AlphaTauri ergab. An den ersten Gesprächen war auch Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz beteiligt, bevor er im Oktober 2022 verstarb.

Die Gespräche kamen Anfang des Jahres wieder in Schwung, als Red Bull einen Neustart von AlphaTauri unter neuem Management anstrebte, wobei Franz Tost durch einen geteilten CEO/Teamchef ersetzt werden sollte. Bayer wird von Laurent Mekies in letzterer Rolle unterstützt.

"Ich denke, es ist wirklich ein Zweimannjob", sagt Bayer. "Wenn man nicht seit 20 Jahren im Geschäft ist wie Franz oder Christian [Horner] oder Toto [Wolff], dann hat man vielleicht eine Struktur, die das unterstützt. Aber für ein mittelgroßes bis kleines Team ist die Komplexität der Unterstützung von Technik, Finanzen, Medien, Werbung und Politik, wenn man effizient sein will, zu groß für einen einzelnen Mann."

Die Aufgabenteilung mit seinem ehemaligen FIA-Kollegen Mekies ist klar: "Er kümmert sich um das Rennteam, die Technik und den Sport, was sein Hauptaugenmerk ist. Ich kümmere mich um das Kommerzielle, das Geschäftliche und die Strategie. Und dann machen wir gemeinsam das Finanzreglement."

Zu Bayers aktuellen Aufgaben gehören die Vorbereitungen für eine Namensänderung des Teams für 2024, die Vorbereitung eines Wechsels zu Red Bull Powertrains und Ford als Antriebseinheit im Rahmen der neuen Regeln für 2026 und die Sicherstellung, dass Faenza enger als bisher mit Red Bull Racing zusammenarbeitet.

Was Red Bulls Auftrag an Bayer ist

"Für mich war die wohl wichtigste Botschaft der Aktionäre, dass AlphaTauri nicht verkauft wird", sagt er. "Wir haben also Stabilität. Ich schätze, es gibt zwei Gründe. Einer ist eine emotionale Bindung an das Team, und es macht absolut Sinn, den jüngeren Bruder in der Familie zu haben, der sich um die Entwicklung junger Fahrer kümmert."

"Das wird so bleiben, also bleibt der Zweck bestehen, dass wir junge Talente finden. Wir werden das vielleicht noch ein bisschen ausbauen und etwas strukturierter in diese Bereiche gehen. Und gleichzeitig heißt es, dass wir Synergien finden, eng mit Red Bull Racing zusammenarbeiten und das technische Reglement ausnutzen, was wir derzeit nicht tun. Die Ergebnisse sprechen für sich."

"Aber auch auf der kommerziellen Seite, bei der Personalentwicklung, bei der Ausbildung von Ingenieuren und Managern gibt es so viele weitere Dinge, die wir gemeinsam tun können. Und das ist wirklich der strategische Schwerpunkt, an dem ich arbeite."

Die Verlegung des britischen Forschungs- und Entwicklungsstandorts von AlphaTauri von Bicester nach Milton Keynes ist eine der diskutierten Optionen, die die Aufmerksamkeit der Konkurrenten auf sich ziehen wird, aber Bayer besteht darauf, dass ein solcher Umzug kein Thema werden wird.

"Es geht um die chinesischen Mauern, die man dazwischen baut", sagt er. "Schauen Sie sich zum Beispiel Haas und Ferrari an. Ich denke, Laurent und ich bringen diese Erfahrung mit. Leute, wir wollen definitiv nichts Illegales tun. Aber wir wissen auch, dass bestimmte Dinge möglich sind, weil wir sehen, dass es links und rechts passiert."

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