• 28. Mai 2024 · 12:06 Uhr

Anderes Layout, neue Kurven? Was Monaco für mehr Action braucht

Ein Grand Prix zum Einschlafen, so empfanden es selbst die Fahrer dieses Jahr in Monaco - Über Gegenmaßnahmen wird diskutiert, dabei könnte es so einfach sein

(Motorsport-Total.com) - Der diesjährige Grand Prix von Monaco hat unweigerlich zu einer erneuten Debatte darüber geführt, was die Formel 1 tun muss, um die Spannung im Fürstentum zu erhöhen. Denn mit den größeren und schwereren Boliden gibt es in den engen Straßen noch weniger Rad-an-Rad-Duelle als bisher.

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Hintereinander herfahren statt überholen: Das war Monaco 2024 Zoom Download

Gelegentlich wurde gefordert, dass die Streckenführung geändert werden müsse, um irgendwo eine echte Überholmöglichkeit zu schaffen. Die Ideen reichten von möglichen Änderungen an der "Nouvelle Chicane", die man breiter und schärfer machen könnte, bis hin zur Installation gänzlich neuer Kurven.

Eine Idee, über die oft gesprochen wurde, besteht darin, die Autos in der Portier-Kurve links abbiegen und ein Stück die Straßen am Strand entlang fahren zu lassen, bis sie über eine längere Gerade (und eine DRS-Zone) zurück in die Schikane gelangen.

Auf die Frage, ob eine Überarbeitung der Strecke möglich sei, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Ich weiß nicht. Monaco lässt ja immer wieder Land aufschütten."

"Ich denke, dass es etwas ist, das wir gemeinsam mit der Formel 1 in Betracht ziehen sollten, weil es ein so großartiger Ort ist. Es gibt hier so viel Geschichte, aber alles entwickelt sich weiter. Die Autos sind jetzt so groß. Wenn man sie mit den Autos von vor zehn Jahren vergleicht, sind sie fast doppelt so groß."

"Es ist also etwas, das wir als Sport gemeinsam mit dem Promoter überlegen müssen, wie wir eine Überholmöglichkeit einführen können", mahnt Horner. Denn: "Es ist kein richtiges Rennen, wenn man drei oder vier Sekunden hinter der Pace herfährt, weil das andere Auto keine Chance zum Überholen hat."

"Wir müssen überlegen, ob wir etwas machen können, das einen Überholbereich oder zumindest die Möglichkeit zum Überholen schafft, denn die Top 10 sind genau so, wie sie in der Startaufstellung standen. In den Top 10 gibt es keinen einzigen Überholvorgang."

Wie Reifenstrategie das Monaco-Rennen killt

Aber eine drastische Änderung wie die Schaffung zusätzlicher Kurven wäre nicht nur enorm teuer, sondern würde auch nicht garantieren, dass die Rennen besser werden. Überholen ist in der modernen Formel 1 schwierig, und es gibt viele Strecken, auf denen die Überholmöglichkeiten sehr begrenzt sind.

Das diesjährige Monaco-Rennen wurde vor allem aufgrund der Umstände der roten Flagge in der ersten Runde zu einer Prozession, bei der es darum ging, so langsam wie möglich zu fahren, um die Reifen zu schonen und einen Reifenwechsel zu vermeiden.

Wie Mercedes-Pilot George Russell einräumte, brachte es nichts, noch schneller zu fahren, denn damit riskierte man nur Ärger im späteren Rennverlauf.

Monaco ist nicht der einzige Fall, in dem die Reifenstrategie das Potenzial für ein spannendes Rennen zunichte gemacht hat. In der jüngeren Vergangenheit kam es öfter vor, dass ein frühes Safety-Car den ersten Stopp erzwang, und das Rennen dann nur noch aus Reifenmanagement bis zum Zielstrich bestand.

Die Formel 1 ist sich sehr wohl bewusst, dass der Schlüssel zu einem guten Rennen und zu Überholmanövern darin liegt, einen Leistungsunterschied zwischen den Autos in den verschiedenen Phasen eines Grands Prix zu gewährleisten - und der beste Weg, um das zu erreichen, ist die Reifenstrategie.

Russell: Warum nicht nur mit weichen Reifen fahren?

Monaco ist fast immer ein Einstopprennen, weil der geringe Energiebedarf der Strecke bedeutet, dass die aktuellen Reifen das gesamte Rennen durchhalten können und ein Undercut ziemlich ineffektiv ist. Das bedeutet, dass es insgesamt nur sehr begrenzte Möglichkeiten gibt, die Strategie zu ändern.

Es fehlt also definitiv die Art von Gefahr, die man auf anderen Rennstrecken hat, wo die Autos ihre Reifen stärker abnutzen. So verwundert es nicht, dass Lewis Hamilton nach dem Rennen darauf hinwies, dass der Kern des Problems in den Reifen lag.


Fotos: F1: Grand Prix von Monaco 2024


"Letztendlich denke ich, dass unsere Reifen ein ganzes Rennen durchhalten können", sagte er. "Die Reifenmischung ist hier zu hart. Man muss Wege finden, das Rennen aufzupeppen, vielleicht drei Pflichtstopps oder so, um es etwas aufzupeppen."

Die Fahrer zu mehreren Boxenstopps zu zwingen, könnte allerdings als zu künstlich angesehen werden und das Rennen zu sehr zu einer Lotterie machen, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit darin steckt, sich die Startplätze ganz vorne zu sichern.

Hamiltons Mercedes-Teamkollege George Russell schlägt deshalb eine einfachere und logischere Lösung vor, nämlich in Monaco nur mit weichen Reifen zu fahren.

"Ein weicher Reifen würde nicht das ganze Rennen über halten. Und man müsste vielleicht sogar zwei Stopps einlegen. Jemand könnte es mit einem Stopp versuchen. Ich denke, das ganze Wochenende auf weichen Reifen zu fahren, würde eine Menge Probleme lösen", bringt der Brite seine Reifenidee ins Spiel.

Was alles für den Vorschlag von Russell spricht

Tatsächlich wäre es eine Herausforderung, nur mit den weichen Reifen zu fahren, und es würde zu einer Vielzahl unterschiedlicher Strategien im Feld führen. Es könnte sogar Überholmanöver ermöglichen, und der Undercut wäre eine starke Option.

Es gäbe mehr Möglichkeiten für die Teams, ihre Karten zu spielen und aggressiv mit ihren Stopps umzugehen, und es würde sicherstellen, dass es für die Fahrer keine Möglichkeit gäbe, zu Beginn des Rennens Reifen zu montieren und zu erwarten, dass sie ohne Stopps bis zum Ende des Rennens damit durchkommen.

Eine solche Änderung würde auch keine Millionbeträge für den Bau neuer Kurven, keine komplexen Simulationen und keine Homologation durch die FIA erfordern.

Stattdessen könnte eine einfache Abstimmung im Sportlichen Beratungsausschuss und anschließend in der Formel-1-Kommission genügen, um eine Regeländerung voranzutreiben, die nur für dieses eine Rennen gilt. Denn Tatsache ist: Das Sportliche Reglement der Formel 1 enthält bereits eine Monaco-Klausel.

Sie erlaubt es, ein Rennen über 260 Kilometer statt der sonst üblichen 305 Kilometer zu fahren. Warum also nicht auch eine spezielle Regel, die besagt, dass die Formel 1 nur für dieses eine Rennen nicht mehr die drei vorgeschriebenen Reifenmischungen verwendet, sondern ausschließlich die Soft-Reifen?

Nur wenige würden sich einer solchen Idee widersetzen, vor allem, weil es kaum weniger spannend werden könnte als das, was am vergangenen Wochenende zu sehen war.

Max Verstappen sagte über die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren: "Insgesamt ist das Wochenende wirklich cool, nur der Sonntag ist leider ein bisschen langweilig. Wenn wir einen Weg finden können, das Rennen ein bisschen besser zu machen, warum nicht? Das wäre meine bevorzugte Lösung."

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