• 10. April 2024 · 14:50 Uhr

Carlos Sainz lässt Audi zappeln: Hofft er auf Mercedes oder Red Bull?

Der scheidende Ferrari-Fahrer Carlos Sainz ist derzeit in Topform und daher eine der interessantesten Figuren in einem Transferpoker mit vielen Variablen

(Motorsport-Total.com) - Hinter den Kulissen der Formel 1 hat die "Silly Season", also der Poker um die Cockpits fürs nächste Jahr, früher als je zuvor begonnen. Und neben "Königsfigur" Max Verstappen, der trotz Red-Bull-Vertrag beharrlich von Toto Wolff umgarnt wird, gehört auch Carlos Sainz zu den attraktiveren Fahrern, deren Zukunft noch nicht sicher geklärt ist.

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Helmut Marko und Carlos Sainz kamen am Sonntag in Suzuka gemeinsam in den Paddock Zoom Download

"Leider habe ich keine Ahnung, wo ich nächstes Jahr fahren werde", sagt der 29-jährige Spanier, der seinen Platz bei Ferrari Ende 2024 an Lewis Hamilton abgeben muss, im Interview mit Sky.

Gegenüber DAZN ergänzt er: "Man kann es so und so sehen. Einerseits ist es schade, nächstes Jahr nicht weitermachen zu können, weil es mit Ferrari gerade so gut läuft. Auch in der Zusammenarbeit mit meinen Ingenieuren und Mechanikern. Das nicht fortsetzen zu können, nervt ein bisschen."

"Aber andererseits öffnet sich dadurch die Möglichkeit, zu einem anderen Team zu wechseln, mit dem ich hoffentlich um die WM kämpfen kann. Das habe ich bei Ferrari jetzt seit drei oder vier Jahren versucht. Es ist an der Zeit, wichtige Entscheidungen zu treffen und zu sehen, welche Möglichkeiten es gibt. Aber die Leute wissen, dass ich verfügbar bin - und dass ich schnell fahren kann", sagt Sainz.

Sainz: "Reden mit fast allen Teams"

Der scheidende Ferrari-Pilot gilt als absoluter Wunschkandidat von Audi-Chef Andreas Seidl. Audi drängt auf eine rasche Entscheidung, würde den Vertrag lieber heute als morgen machen. Aber Sainz hat weniger Eile. Er weiß, dass er auch bei Mercedes und Red Bull Chancen besitzt. Und wird wohl nicht für Audi unterschreiben, solange er von den beiden Teams keine Absagen vorliegen hat.

Darüber hinaus werden ihm auch zu Aston Martin lose Kontakte nachgesagt. Sein Vater Carlos sen. hat zuletzt bei fast allen Teams, die theoretisch in Frage kommen könnten, vorbeigeschaut und mit Smalltalk Verfügbarkeit signalisiert. Und Lawrence Stroll könnte auf Fahrersuche sein, sollte Fernando Alonso sein Team verlassen.

"Es stimmt, dass wir mit mehreren Teams reden. Eigentlich mit fast allen", bestätigt Sainz. "Ich muss mich einfach auf meinen Job konzentrieren und mir selbst und allen anderen beweisen, dass ich Leistung abliefere, wenn ich ein starkes Auto habe." Aber: "Es hängt auch von anderen Leuten in anderen Teams ab, was sie haben möchten. Sie wissen, dass ich verfügbar bin."

Mercedes: Kommt Sainz, wenn Verstappen absagt?

Das gilt vor allem für Mercedes. Toto Wolff, heißt es in der Gerüchteküche, wartet derzeit ab, ob er nicht doch Verstappen bekommen kann. Wenn der Coup gelingt, ist für Sainz kein Platz. Aber wenn nicht, dann gilt Sainz plötzlich als Topfavorit auf die Hamilton-Nachfolge. Weil er gleich schnell ist wie, aber pflegeleichter als Alonso, sagen viele im Paddock.

Und dann ist da noch Red Bull. Sainz begann seine Karriere 2015 und 2016 bei Red Bulls damaligem B-Team Toro Rosso. Während der Saison 2017 wechselte er zu Renault. Sein erster Teamkollege bei Toro Rosso: Max Verstappen. Eine Zeit, die nicht immer einfach war.

Einerseits sportlich: Verstappen hatte Ende 2015 49 Punkte geholt, Sainz nur 18. In den ersten vier Saisonrennen 2016 stand es 13:4 für Verstappen, ehe der zu Red Bull Racing befördert wurde. Die Sainz' waren damals hinter den Kulissen nicht happy, fühlten sich hinter den Verstappens, denen von Helmut Marko der rote Teppich ausgerollt wurde, als zweite Geige.

Red Bull: Sind die alten Konflikte schon gelöst?

Das sorgte für Konflikte, die letztendlich zur Trennung führten. Denn Sainz sen. wollte nicht mitansehen, wie Verstappen tun und lassen konnte, was er wollte, während sein Sohn sich anstrengte, den fairen Teamplayer zu geben. Und Marko empfand Sainz sen. als einen jener lästigen Väter, die sich besser nicht in die Karrieren ihrer Söhne einmischen sollten.

Gräben, die inzwischen zugeschüttet sind. In Suzuka unterhielt sich Sainz jun. sowohl mit Marko als auch mit Chefingenieur Paul Monaghan. Jetzt sagt Marko: "Sainz ist sicher auch ein Name, den man berücksichtigen muss. Er kam durch Red Bull in die Formel 1 und hat damals bei Toro Rosso ein sehr gutes Jahr gehabt."

Die Chancen auf ein Red-Bull-Cockpit sind dann am größten, wenn Verstappen zu Mercedes wechselt. Wenn Verstappen bleibt, was aktuell die Vertragskonstellation ist, dann müsste Sergio Perez rausgeschmissen werden, damit es für den Spanier eine Chance geben könnte.

Schumacher sicher: Perez hat keine Zukunft bei Red Bull

Sky-Experte Ralf Schumacher sagt: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass Perez da keine Chance mehr bekommt. [...] Er kann, wenn alles läuft, zwar mal kurz an Verstappen heranreichen oder in die Nähe kommen. Aber dann sieht man im Rennen: Das sind zwei Welten, mit dem gleichen Auto. Und das kann sich ein Team auf Dauer nicht leisten."

"Sainz ist auf dem Markt, Alonso ist auf dem Markt. Es kommen vielleicht auch neue, junge Leute rein. Da ist jetzt einiges, was passiert. Es gibt ja immer noch im Hintergrund diese Geschichte: Was macht Max Verstappen? Ist die Unruhe im Team jetzt da? Bleibt das alles so?"

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"Dann gibt's ja das Gerücht, dass sich eventuell bei Red Bull auch intern in der Firma einiges tut, dass man Österreich verlässt und mit dem ganzen Tross in Richtung Dubai geht, um Steuern zu sparen und so weiter. Da ist noch viel Brennstoff, und das kann natürlich auch Einfluss auf die Fahrerpaarung nehmen."

Ralf Schumacher: Verstappen ist bei Red Bull gesetzt

"Aber im Moment würde ich sagen: Max Verstappen ist auch noch für das nächste Jahr gesetzt, auch wenn Mercedes sich das anders wünschen würde", sagt Schumacher und betont, dass er aktuell Sainz als Teamkollegen zu Verstappen holen würde, denn: "Sainz ist gewohnt, neben starken Leuten zu sitzen. Und auch Verstappens Zeit wird da irgendwann einmal zu Ende gehen."

"Das weiß er, und ein Rennfahrer glaubt ja grundsätzlich immer, dass er der Beste ist. Sonst würde er das ja nicht tun. So glaubt dann auch Sainz, dass er Verstappen schlagen kann. Und eins darf man nicht unterschätzen: Er hat eine hohe Rennintelligenz. Die Frage ist nur, wie er mit dem Konzept zurechtkommt, ob er auch diese Autos, die eher übersteuernd als untersteuernd zu fahren sind, die Verstappen mag, ob die ihm auch liegen."

"Im Moment hat er auf jeden Fall einen Lauf. Und ich glaube, er ist jetzt etwas befreiter. Er weiß, dass er nicht mehr um das Cockpit bei Ferrari kämpfen kann/muss, sondern er will jetzt einfach sein Bestes geben, um die beste Situation für das nächste Jahr zu erreichen. Das befreit einen Fahrer, glaube ich, auch oft", sagt Schumacher.

Zu prognostizieren, wo Sainz am Ende landen wird, ist in einer "Silly Season" mit so vielen Variablen derzeit unmöglich. Klar ist eins: Bei Audi könnte er jederzeit unterschreiben, wenn er möchte. Doch er will offenbar erst noch abwarten, ob sich nicht vielleicht woanders noch eine bessere Chance ergeben könnte - und lässt Audi daher zappeln.

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