• 17. Juni 2022 · 21:17 Uhr

Neue Strebe & große Aussparung: Mercedes experimentiert im großen Stil

Mercedes nutzt einige neue Freiheiten am Unterboden für einige Experimente, die das Porpoising in den Griff bekommen sollen - Hamilton mit "mehr Kopfschmerzen"

(Motorsport-Total.com) - Mercedes hat neue Freiheiten bei der Modifizierung seines Autos genutzt, die durch den Vorstoß der FIA, das Porpoising in der Formel 1 zu unterbinden, möglich geworden sind. Denn die FIA hat im Zuge einer Technischen Richtlinie einige Regeln bezüglich des Unterbodens für das Wochenende gelockert, um den Umgang mit dem Porpoising zu erleichtern.

Mercedes W13 beim Formel-1-Rennen in Kanada 2022

Mercedes hat in Kanada etwas an seinem Unterboden getan Zoom Download

Die FIA hofft, dass die Änderungen dabei helfen, den Unterboden zu versteifen, weil das Verbiegen eine der Ursachen für das Porpoising war. Teams dürfen jetzt vor der Unterboden-Strebe eine zusätzliche zweite anbringen, um den Unterboden steifer zu machen.

Darüber hinaus wäre es den Teams gestattet, die Oberfläche am Unterboden etwas dicker zu gestalten, auch wenn es normalerweise nicht den Regeln für Krümmung und Volumen entsprechen würde.

Obwohl die Teams erst am Donnerstag über die Änderungen informiert wurden, fährt Mercedes schon im ersten Freien Training mit einer zweiten Strebe am Auto von George Russell.

Mercedes-Unterboden

Der Mercedes-Unterboden mit der Halterung für die Strebe Zoom Download

Neben der zusätzlichen Strebe hat Mercedes auch den Winkel der hinteren Spurstange überarbeitet, um das Problem des Porpoising zu lösen. Das leicht veränderte Design zielt darauf ab, die Spurstange besser auf die lokale Strömungsrichtung auszurichten - das sollte dem Auto helfen, bei einer höheren Fahrhöhe mehr Abtrieb zu erzeugen.

Das könnte Mercedes dabei helfen, das Auto so leistungsfähig wie möglich zu machen, ohne dass es so nah am Boden fährt, dass das Auto dauernd auf der Straße aufsitzt

Wolff: "Ist unsere Aufgabe, das in den Griff zu bekommen"

Auch Lewis Hamilton ist im Training mit einem experimentellen Unterboden-Design unterwegs, das eine recht große Aussparung hinter den vorderen Leitelementen am Unterboden besitzt. Das macht das Team laut Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff aber nicht ganz freiwillig.

"Jeder kann sehen, auch wenn er kein Ingenieur ist, dass ein großes Loch im Boden Abtrieb kostet, aber es ist unsere Aufgabe, das Problem in den Griff zu bekommen", sagt er. "Wir wollen nicht, dass unsere Fahrer dieser Situation ausgesetzt sind. Und deshalb versuchen wir es ja auch. Wir möchten es nicht tun und den ultimativen Abtrieb im Unterboden behalten, aber es geht nicht."


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Auch dass Mercedes für die Vergleichstests ein Freies Training opfern muss, hält Wolff für nicht ideal, aber notwendig: Es gibt leider keine Testfahrten mehr, aber das Problem drängt", sagt der Österreicher. "Wir können nur im Training Dinge ausprobieren, weil sich das Problem im Windkanal nicht richtig nachbilden lässt."

"Also muss selbst ein Team von der Größe von Mercedes ein Freies Training nutzen, den Unterboden verändern und sehen, was er in Echtzeit macht, denn die Simulationen geben kein genaues Bild", so Wolff.

Hamilton hilft gerne mit Experimenten

Hamilton selbst sagt, dass er Mercedes gerne mit weiteren Experimenten hilft, um mehr über das Auto zu lernen - auch wenn das Risiko besteht, dass mal ein Experiment danebengeht und für eine schlechte Form sorgt.

Aussparung am Mercedes von Lewis Hamilton

Am Auto von Lewis Hamilton ist eine große Aussparung zu sehen Zoom Download

"Heute haben wir etwas relativ Extremes", sagt er. "Und wenn es nicht funktioniert, ist es definitiv deutlich langsamer, weil es weniger Abtrieb hat. Aber das ist meine Rolle."

"Ich nehme diese Verantwortung ernst, und auch wenn es an manchen Wochenenden nicht ideal war und uns oft zurückgeworfen hat, weil wir ein oder zwei Sessions verloren haben, ist das in Ordnung, denn schließlich werden wir es schaffen, und ich bin stolz, Teil dieses Prozesses zu sein", so Hamilton.

Hamilton mit mehr Kopfschmerzen

Der Brite ist froh, dass die FIA etwas gegen das Porpoising zu unternehmen versucht. In Baku hatte er über starke Rückenschmerzen geklagt und stieg mit sichtbaren Problemen aus dem Auto aus. Laut ihm würden die Fahrer dabei mit bis zu 10g auf den Geraden belastet werden.

"Wenn du bei einer Bodenwelle 10g erfährst, wie ich es im letzten Rennen erlebt habe, ist das eine schwere, schwere Belastung für den unteren und oberen Teil deines Nackens", sagt er und meint, dass er nach den Rennen mehr Zeit zum Erholen braucht. "Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun. Aber die Prellungen können schon ziemlich schwerwiegend sein."


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Auch klagt Hamilton seit dem Wechsel auf die neuen Autos über deutlich mehr Kopfschmerzen: "Was die Mikro-Gehirnerschütterungen angeht, so hatte ich in den letzten Monaten definitiv mehr Kopfschmerzen, aber ich war deswegen noch nicht bei einem Spezialisten", sagt er. "Ich nehme das nicht so ernst und habe einfach Schmerzmittel genommen."

Hamilton betont aber weiter, dass körperliche Gesundheit für die Fahrer an oberster Stelle steht: "Wir haben einen fantastischen Sport, aber Sicherheit muss das Wichtigste sein", so der Mercedes-Pilot.

"Ich spüre, dass ich diese Woche definitiv etwas kleiner bin. Meine Bandscheiben sind aktuell nicht in der besten Verfassung. Langfristig ist das nicht gut", sagt er. "Es gibt Dinge, die wir für alle Fahrer verbessern können. Es gibt keinen Grund für langfristige Verletzungen."

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