• 06. August 2021 · 15:36 Uhr

Motorenzukunft, VW-Einstieg: Nächster CEO-Gipfel soll Klarheit schaffen

Rund um das Europafinale der Formel 1 könnte eine Entscheidung darüber fallen, wie der zukünftige Antriebsstrang ab der Saison 2026 aussehen wird

(Motorsport-Total.com) - Eine Einigung in der Diskussion darüber, wie der Antriebsstrang der Zukunft in der Formel 1 aussehen wird, ist in greifbare Nähe gerückt. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' könnte rund zehn Wochen nach dem großen Motorengipfel der Hersteller-CEOs in Spielberg Mitte September ein weiteres CEO-Meeting endlich für Klarheit sorgen.

Toto Wolff und Ola Källenius

Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Daimler-CEO Ola Källenius Zoom Download

Nachdem sich die Entscheider in der Formel 1 monatelang im Kleinklein technischer Details verloren hatten, stellten in Spielberg die CEOs der beteiligten Automobilkonzerne die Weichen neu. Entscheidend für den neuen Schwung, der seither in die Diskussion gekommen ist, war der Ansatz, zuerst den Kostenrahmen zu klären und erst danach in die technischen Details zu gehen.

Das hat Früchte getragen. Zuletzt fanden die Gespräche auf Ebene der CTOs statt, also der Technikvorstände in den Konzernen. Die tüfteln gemeinsam mit ihren Ingenieuren gerade jene Rahmenbedingungen aus, die Mitte September den CEOs, also der allerhöchsten Ebene, präsentiert werden sollen. Und die größten Stolpersteine sind dabei bereits eliminiert.

Die Eckpunkte sind weitgehend Konsens. Der V6 bleibt, soll aber in seiner Bedeutung stark reduziert werden. Das könnte zum Beispiel durch ein enges Korsett an regulativen Vorgaben und ein hohes Maß an Standardisierung erfolgen. Geometrien, Gewicht, Oberflächen: Mit Einschränkungen in diesen Bereichen können auf Verbrennerebene Millionen gespart werden.

Wolff: Über das Niveau wird noch diskutiert

In einem Punkt seien sich alle Verhandlungspartner einig: "Es muss einen finanziellen Rahmen geben, den man nicht überschreitet. Da wird noch über das Niveau diskutiert", sagt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. In welche Richtung es gehen könnte, zeichnet sich bereits ab. Kostet ein aktueller Formel-1-Motor rund zwei Millionen Euro, so soll in Zukunft eine Halbierung anvisiert werden.

Verhandelt wird darüber von "den Topjungs in den Konzernen", wie Wolff gegenüber 'Motorsport-Total.com' bestätigt. Und die Streitthemen werden immer weniger. Einer der wenigen verbliebenen Punkte, die derzeit noch diskutiert werden, ist der E-Turbo. Mercedes ist auf dem Gebiet Branchenführer und würde dementsprechend gern an der Komponente festhalten.

Doch wegen mangelnder Serienrelevanz im PKW-Bereich ist der E-Turbo für andere Hersteller weniger bedeutsam. Ferrari und Renault (Alpine) sind kompromissbereit. Für Red Bull ist sowieso jeder komplexe Technologiebereich, der wegfällt, positiv. Und Volkswagen wünscht sich Änderungen am Antriebsformat, um im Falle eines Einstiegs schneller Anschluss zu finden.

Die teilweise arg verhärteten Fronten wurden in den vergangenen Wochen aber aufgeweicht. Beim E-Turbo könnte man sich als Kompromiss darauf einigen, die Komponente nicht ganz zu eliminieren, sie aber zu standardisieren. So könnte man Entwicklungskosten sparen. Andere Themen sind gesetzt. Etwa der Umstieg auf 100 Prozent synthetisches Benzin (E-Fuels).


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So gut wie gestorben ist inzwischen der Vorschlag, gepusht in erster Linie vom Volkswagen-Konzern, mit dem Elektromotor die Vorderachse zu speisen und somit de facto einen Allradantrieb zu schaffen. Allrad ist für viele der Beteiligten zu wenig Formel-1-DNA. Stattdessen stehen andere Ideen im Raum, um das Thema Elektrifizierung mehr als bisher in den Vordergrund zu rücken.

Systemleistung bleibt, Verbrenner-PS werden reduziert

Die Systemleistung soll bei rund 1.000 PS bleiben, die Bedeutung des V6-Verbrenners zurückgedrängt werden. Das bedeutet zwangsläufig, dass die Energierekuperation mehr in den Vordergrund rücken wird. Und das soll der Zuschauer auch merken. Zum Beispiel, wenn die Autos komplett elektrisch durch die Boxengasse fahren. Ganz anders als bei den aktuellen Hybridmotoren, die oft nicht als solche wahrgenommen werden.

Konsens herrscht inzwischen auch darüber, dass die Formel 1 für ein gut durchdachtes Antriebsreglement mit einer gründlich ausgetüftelten Budgetobergrenze etwas mehr Zeit braucht als zunächst angenommen. Daher könnten die neuen Motoren erst 2026 kommen und nicht wie ursprünglich angedacht 2025.

Viele Fragen also, die noch zu klären sind. Aber es bleiben nur noch wenige Streitpunkte. Wolff sagt: "Vom technischen Reglement, wie dieser Motor aussehen kann, muss man versuchen, einen Kompromiss zu erzielen zwischen den jetzigen Teilnehmern - da sind wir dreieinhalb an der Zahl - und den zukünftigen, die sich anschließen wollen. Das wird gerade diskutiert."

Und zwar, so berichten es mehrere der beteiligten Parteien, in derzeit positiver Atmosphäre. Der Spielberg-Gipfel hat den Zug, der zu entgleisen drohte, wieder auf Schiene gebracht. Und seither ist auch ein Volkswagen-Einstieg wieder wahrscheinlicher geworden. In Wolfsburg hatte der eine oder andere mit dem Thema Formel 1 bereits abgeschlossen.

Jetzt ist eine Einigung auf eine für alle Hersteller tragfähige Antriebszukunft in greifbare Nähe gerückt, und damit auch ein Einstieg des Volkswagen-Konzerns. Ob dann die VW-Marke Audi kommen würde oder Porsche, oder womöglich sogar beide, wie seinerzeit in Le Mans auf der Langstrecke, da sind derzeit alle Varianten offen.

Bis dahin sind die wichtigen Themen noch zu Ende zu diskutieren. Stand heute deutet vieles darauf hin, dass es bereits Mitte September bei einem zweiten CEO-Gipfeltreffen Klarheit geben könnte. Das Europafinale in Monza wäre ein logischer Termin, um sich noch einmal zu treffen. Monza war in der Vergangenheit immer schon ein beliebtes Pflaster bei den großen Automobilbossen ...

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