• 12. März 2021 · 16:15 Uhr

Split-Unterboden am W12! Ist Mercedes schon wieder allen voraus?

Mercedes wartet bei den Formel-1-Testfahrten in Bahrain mit einem Unterboden auf, der die Konkurrenz erzittern lassen sollte

(Motorsport-Total.com) - Kurzzeitig schien es so, als würde Aston Martin Sebastian Vettel tatsächlich eine Unterboden-Geheimwaffe zur Verfügung stellen. Doch alles änderte sich auf einen Schlag, als Valtteri Bottas zum ersten Mal mit seinem Mercedes W12 aus der Box fuhr.

Mercedes W12, Unterboden

Mercedes hat einen spektakulären Unterboden mit nach Bahrain gebracht Zoom Download

Die Getriebeprobleme am Freitagvormittag mögen Mercedes zurückgeworfen haben, doch der Unterboden ist mal wieder allen anderen Teams mindestens einen Schritt voraus. Experten und Techniker staunten nicht schlecht, wie elaboriert die Lösung aus Brackley ist.

So weist der Unterboden des Mercedes mit nicht weniger als fünf Wellen noch mehr auf als derjenige von Aston Martin. Die Wellen sorgen zunächst einmal dafür, dass mehr Fläche zur Verfügung steht, die das Reglement den Teams im hinteren Bereich des Unterbodens durch den diagonalen Ausschnitt genommen hat.

Außerdem lenken sie Luft nach oben, die dann im Bereich des Flaschenhalses aufgefangen wird (Region des roten Pfeiles). Die Luft wird hier für den Diffusor vorbereitet, der anders geformt ist als in der Vergangenheit.


Formel-1-Test 2021 in Sachir - Technik

Der nach oben zeigende Bauch des Diffusors wölbt sich zur Fahrzeugmitte hin deutlich stärker als außen. Im Bild ist das klar unterhalb der Radaufhängung zu erkennen. Dieser Effekt wird durch die Ausbuchtung am Seitenkasten (roter Pfeil) noch verstärkt. Mercedes hat hier eindeutig die Region des Flaschenhalses priorisiert.

Atemberaubender Heckbereich am Unterboden

Zurück zum Unterboden: Mercedes hat ihn neben den fünf Wellen obendrein auch noch in mehrere Sektionen aufgesplittet. Eine derartig weitreichende Lösung hat kein anderes Team mit nach Sachir gebracht.

Den Unterboden in mehrere Sektionen aufzuspalten, ergibt Sinn. Ein großes Einzelstück sorgt immer dafür, dass die Luft an manchen Stellen nicht wie gewünscht wirkt. Mit der Aufteilung in mehrere Bereiche arbeitet jeder Teilbereich genauso, wie er arbeiten soll.

Ein besonderes Augenmerk hat Mercedes auf den Bereich vor dem Hinterreifen gelegt. Auch hier wartet der "schwarze Silberpfeil" mit einer Lösung auf, die Mercedes bislang für sich exklusiv hat. Zunächst einmal ist das Ende des Unterbodens nach oben gebogen. Doch es weist zusätzlich Flügelwerk auf, das in dieser Form an keinem anderen Auto zu sehen ist.


Fotos: Formel-1-Test 2021 in Sachir


Es handelt sich um eine Reihe senkrechter Streben, die durch ein "Dach" miteinander verbunden sind. Jede einzelne dieser stehenden Finnen spielt mit Luft auf ihre eigene Art und Weise. Weil der Unterboden zum Hinterreifen hin ansteigt, wird zusätzlich Luft von diesen Finnen "eingesammelt", als wenn er flach wäre.

Was in diesem Bild aufgrund des fehlenden Kontrasts schwer zu erkennen ist: Die Unterseite des Unterbodens knickt vor dem Hinterreifen abrupt nach unten ab (blauer Pfeil). Normalerweise sieht man solche Formen an einem Rennwagen selten, da sie auf den ersten Blick Auftrieb produzieren.

Lewis Hamilton

Am ersten Testtag hatte Mercedes Zuverlässigkeitsprobleme Zoom Download

Der Gurney-artige Abriss sorgt allerdings dafür, dass die Luft nicht gegen den rotierenden Reifen "prallt", sondern nach unten abgelenkt wird, wo sie sich besser in die Reifenrotation einfügt.

Im Bild oben wieder besser zu erkennen sind weitere, in Fahrtrichtung stehende Finnen auf der Oberseite des hinteren Unterbodens. Die inneren drei bereiten den Luftstrom, der den Flaschenhals des Fahrzeugs "verpasst" hat, für die Oberseite des Diffusors vor. Die äußeren versuchen, Luft in Richtung der Bremsbelüftung zu leiten, wo weiterer Flügelsalat wartet (der allerdings für die Formel-1-Saison 2021 beschnitten wurde).

Sollte Mercedes seine Zuverlässigkeitsprobleme in den Griff bekommen, ist davon auszugehen, dass sie wieder das Maß der Dinge sind. Zumal Red Bull bislang keine eigenen spektakulären Lösungen präsentiert hat, die dem Mercedes-Werk ebenbürtig wären.

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