• 21. Dezember 2020 · 17:12 Uhr

Gerhard Berger: Ferrari nur mit Lauda und Schumacher Weltklasse

Sebastian Vettels Ständchen zum Ferrari-Abschied hinterließ auch bei Gerhard Berger bleibenden Eindruck - Seine Einschätzung zum Erbe Vettels bei der Scuderia

(Motorsport-Total.com) - Auch wenn die Beziehung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari mit der für beide Parteien schlechtesten Formel-1-Saison seit langem endete, stellte der Deutsche beim Saisonfinale in Abu Dhabi unter Beweis, dass er im Guten geht - mit einem selbst gedichteten Ständchen, das er während seiner Auslaufrunde trällerte.

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Gerhard Berger lobt Sebastian Vettels Abschiedsgeste gegenüber Ferrari Zoom Download

Für Gerhard Berger ein Zeichen dafür, welch feiner Kerl Vettel ist. "Ein stilvoller Abgang", urteilt der einstige Formel-1-Pilot bei 'ServusTV'. "Ich kann den Sebastian überhaupt gut leiden. Er ist einer der ganz cleveren Kerle in der Formel 1."

"Ich habe ihn erlebt, wo er ganz jung war, damals bei Toro Rosso, als er das erste Rennen gewonnen hat", erinnert sich Berger. "Ich halte sehr viel von ihm und das war auch eine gute Geste. Weil man fährt für Ferrari - und für Ferrari zu fahren, ist etwas Besonderes." Und das unabhängig davon, ob sich die erhofften Erfolge auch einstellen.

Ferrari nur mit Lauda und Schumacher top

Der Österreicher, der in den 80er und 90er Jahren selbst sechs Saisons bei Ferrari absolvierte, weiß: "Natürlich ist es immer sehr schwierig, mit den Italienern dann den endgültigen Erfolg zu haben. Ich selbst habe es sechs Jahre lang versucht und war zwar immer wieder vorne dabei, aber die Weltmeisterschaft haben wir nicht gewonnen."

"Sebastian, viermal Weltmeister bei Red Bull, hat es aber auch bei Ferrari nicht geschafft, sie ganz nach oben zu bringen. So richtig das Ferrari-Team auf die Erfolgsspur gebracht haben in der Zeit, wo ich das beobachte, zwei Leute: Das waren Niki Lauda, der es geschafft hat, die wirklich auf Spur zu bringen, und Michael Schumacher."


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Bei Kimi Räikkönen, 2007 letzter Ferrari-Weltmeister, "war auch ein bisschen Zufall dabei", sagt Berger. "Aber das Ferrari-Team zu steuern, mit der italienischen Mentalität, so toll wie sie ist, ist eine schwierige Sache, ist nicht jedermanns Sache."

Große Geste auch gegenüber Charles Leclerc

"Und Sebastian hat es leider auch nicht geschafft. Trotzdem hat er sich ordentlich verabschiedet. Und die Geste an Leclerc war auch gut", erinnert er an den Helmtausch und die handschriftlichen Worte, die Vettel auf seinem Exemplar hinterließ. Er bezeichnete Leclerc als "talentiertesten Fahrer", den er in 15 Formel 1 erlebt habe.

Berger pflichtet bei: "Ich muss sagen, Leclerc ist ein außerordentlich guter Pilot. Von dem wird man auch noch ein bisschen was hören." Allerdings sieht er auf den Monegassen erst einmal eine Durststrecke zukommen. "Weil ich kann mir nicht vorstellen, dass Ferrari aus dieser Sackgasse über Nacht herausfindet", so der Ex-Pilot.

"Ich glaube schon, dass sie sich die nächsten zwei, drei Jahre wieder verbessern werden und auch wieder auf die Erfolgsstraße einbiegen werden. Aber momentan sind sie schon relativ weit hinten." Die Weltmeisterschaft 2020 beendete Ferrari nur als Sechster.

Was Berger Vettel bei Aston Martin zutraut

Damit landete die Scuderia noch hinter Racing Point - Vettels künftigem Team, dann im Aston-Martin-Outfit. "Man muss sagen, es ist schon eine sehr starke Mercedes-Kopie und dadurch hat man ein bisschen einen Vorteil gehabt", bewertet Berger die Performance des "rosa Mercedes" in der abgelaufenen Formel-1-Saison.

"Das könnte nächstes Jahr wieder ein wenig abflachen. Ich würde nächstes Jahr auch einen starken McLaren sehen. Das wird im direkten Kampf wieder so sein wie heuer." Im Ringen um Platz drei hatte am Ende McLaren die Nase, wenn auch knapp, vorn.

"Daher wird es für Sebastian nicht einfach werden, dort wirklich auf Weltmeisterschaft zu fahren", prognostiziert Berger für dessen erstes Jahr bei Aston Martin. "Aber das ein oder andere Rennen vielleicht vorne mitzukämpfen, sehe ich schon. Und für Sebastian, der noch so gerne fährt und so gerne dabei ist, ist es eine tolle Geschichte."

Als viermaliger Weltmeister müsse Vettel ohnehin niemandem mehr etwas beweisen, findet Berger. Vettels letzter Titel liegt sieben Jahre zurück: Mit Red Bull dominierte er die Jahre 2010 bis 2013. Bei Ferrari wurde er zweimal Vizeweltmeister (2017/18).

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