• 08. Dezember 2020 · 10:52 Uhr

Ralf Schumacher: "Eigenartig", was bei Ferrari mit Vettel passiert

Vor dem letzten Formel-1-Rennen von Sebastian Vettel mit Ferrari analysieren Ralf Schumacher und Timo Glock, warum die Saison 2020 für die Paarung so schief lief

(Motorsport-Total.com) - Mit dem Grand Prix von Abu Dhabi geht für Sebastian Vettel das bisher schwierigste Formel-1-Jahr seiner Karriere zu Ende. Nur ein einziges Mal schaffte es der Ferrari-Pilot in dieser Saison aufs Treppchen - als Drittplatzierter in Istanbul. Die meiste Zeit fuhr er im unterlegenen SF1000 der Konkurrenz hinterher.

Sebastian Vettel

Sebastian Vettel und Ferrari: Das war 2020 keine wirkliche Einheit mehr Zoom Download

Seine Abschiedstournee bei Ferrari, wo er sechs Jahre verbrachte, hatte sich der Deutsche sicher anders vorgestellt. Doch mit Verkündung der Trennung noch vor Saisonbeginn war von Anfang an der Wurm drin, wie Ralf Schumacher anmerkt.

"Sebastian ist halt ein Mensch wie alle. Wenn man Fahrer ist, dann muss man ein Umfeld haben, das funktioniert. Da möchte man sich wohl fühlen, da möchte man sich aber auch gebraucht und gewollt fühlen", sagt der Formel-1-Experte bei einem Medientalk des Abosenders 'Sky'. "Und das hat Ferrari ja nun derart ungünstig gelöst. Dafür müssten sie eigentlich noch einen Pannemann kriegen."

Situation bei Ferrari auch für Vettel "zu viel"

Es sei von Beginn an "eine verkorkste Saison" gewesen, hält Schumacher fest. "Manche Dinge waren klar. Die Fahrfehler, die er gemacht hat, die waren darauf zurückzuführen, dass selbst ein viermaliger Weltmeister, der so erfahren ist, trotzdem mehr will und unter Druck ist und ihm die ganze Situation zu viel ist."

Das zeige, "wie menschlich die Formel 1 ist", findet Schumacher. Zwischenzeitlich habe Vettel aber auch wieder Rennen gezeigt, "die super waren". Umso verwunderlicher sei zuweilen der Unterschied zu seinem Teamkollegen Charles Leclerc gewesen.


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Zuletzt qualifizierte er sich in Sachir als starker Vierter, während Vettel nicht über Startplatz 13 hinauskam. "Charles ist sicherlich auch ein Ausnahmetalent à la Verstappen, Hamilton - oder Russell jetzt", sagt der Experte. "Aber wie kann der im ersten Sektor so schnell sein mit dem Ferrari, der ja nun nachweislich nicht den besten Motor hat. Da denk ich mir, es ist schon eigenartig, aber sei's drum."

Schumacher deutet Ungleichbehandlung an

"Also ich glaube, dass Sebastian da keinen einfachen Stand hat", ergänzt Schumacher und nährt den Verdacht, "dass man ihm zumindest auch nicht mehr alles - da bin ich mir ziemlich sicher - mitteilt, was es gibt, und vielleicht auch nicht mehr alles geben kann, was es gibt. Zumindest sah es in Bahrain beim Qualifying so aus."

Ob der schlechten Leistungen, auch im Vergleich zu Leclerc, stand im Laufe der Saison des Öfteren die Vermutung im Raum, dass Vettel womöglich benachteiligt wird und beide Piloten nicht das gleiche Material erhielten. Doch Ferrari dementierte.

Sebastian Vettel

Das zweite Rennen in Bahrain beendete Vettel außerhalb der Punkteränge Zoom Download

Dass im italienischen Traditionsrennstall generell etwas schiefläuft, sei trotzdem offensichtlich, urteilt Timo Glock. "Es ist nicht umsonst so, dass es sehr, sehr oft interne Wechsel gibt. Also gewisse Dinge laufen etwas unrund", findet der TV-Experte, der die kommende Saison bei Sky im Wechsel mit Schumacher analysieren wird.

Glock: Vettel braucht ein Umfeld, das passt

"Das beste Beispiel ist Mercedes: Man hat über Jahre hinweg ein Team kreiert, die Leute motiviert und bei sich gehalten, und das ist das Resultat. Ich glaube, du kommst nie vorwärts, wenn du jedes Jahr gefühlt dein Team von links auf rechts drehst. Das wird nicht funktionieren und das ist bei Ferrari momentan so ein bisschen das Problem."

Was Vettel betrifft, stellt auch Glock fest: "Er ist jemand, das haben wir ja schon bei Red Bull gesehen, der ein Umfeld braucht, das passt. Und das war es bei Ferrari auf keinen Fall mehr. Also wenn du reingehst in die Box und du hinterfragst jeden Schritt, den du da machst oder den jemand an deinem Auto macht." Da habe es, erinnert sich Glock, "ja immer mal wieder so eine verdeckte Aussage" gegeben.

"Mein Auto ist halt einfach nicht schneller. Das andere fährt irgendwie schneller oder solche Aussagen. Da weißt du schon, wo die Richtung hingeht. Ich glaube, er ist jetzt einfach froh, wenn Abu Dhabi rum ist und er ein neues Kapitel anfangen kann."

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