• 17. November 2020 · 10:02 Uhr

Verstappen zu ungeduldig: Helmut Marko erklärt, was schiefgelaufen ist

Ein Frontflügel-Problem hat Max Verstappens Rennen in Istanbul beeinträchtigt, aber Helmut Marko bleibt dabei: Der 23-Jährige sei auch zu ungeduldig gefahren

(Motorsport-Total.com) - Wenn Regenspezialist Max Verstappen bei einem Grand Prix wie jenem in der Türkei nur 1,6 Sekunden vor seinem Teamkollegen Alexander Albon ins Ziel kommt, kann irgendetwas nicht hundertprozentig gestimmt haben. Und so war es auch, wie die Analyse des Red-Bull-Teams nach dem Rennen in Istanbul ergeben hat.

Max Verstappen

Max Verstappen gibt zu, dass Istanbul keines seiner besten Rennen war Zoom Download

"Bei uns ist eigentlich alles schiefgelaufen", sagt der Sechste des Rennens (Rückstand auf Sieger Lewis Hamilton: 44,9 Sekunden) im Interview mit dem 'Telegraaf'. "Es hat sich herausgestellt, dass mein Frontflügel total falsch eingestellt war. Auf einer Seite war er um sieben Grad flacher als unser Set-up eigentlich vorgesehen hatte. Das ist ziemlich viel."

Aber wie konnte das einem erfahrenen Team wie Red Bull passieren? Zumal Verstappen bis zu seinem zweiten Boxenstopp in der 18. Runde zu den schnellsten Fahrern im Feld gehörte, phasenweise sogar der mit Abstand Schnellste war. Erst nach dem Boxenstopp konnte er die anfängliche Pace nicht mehr gehen.

Der Fehler war der Red-Bull-Crew beim zweiten Boxenstopp passiert. Motorsportkonsulent Helmut Marko klärt auf Anfrage von 'Motorsport-Total.com' auf: "Wir haben in Istanbul einen neuen Frontflügel verwendet. Beim dem geht das Gewinde zum Verstellen in die andere Richtung als beim alten. Da ist eine falsche Verstellung erfolgt."

Verstappen wollte steileren Frontflügel

Verstappen hatte nach seinem Dreher hinter Sergio Perez bei seiner Crew eine Verstellung des Frontflügels "bestellt". Um mit dem Fahrverhalten auf die frischen Reifen und die trockener werdende Strecke zu reagieren, wollte er einen steiler eingestellten Frontflügel haben.

Doch während die Mechaniker auf einer Seite des Flügels das Gewinde in die richtige Richtung drehten (steiler), drehten sie es auf der anderen Seite in die falsche Richtung (flacher). "Es ist nur auf einer Seite passiert", bestätigt Marko.

Ergebnis: "Danach hat fast nichts mehr funktioniert", ärgert sich Verstappen. "Normal verstellst du ein Grad hier oder da, in der Größenordnung. Aber sieben Grad ist viel. Was willst du da als Fahrer noch tun?" Nach dem Boxenstopp sei er hinter anderen Autos festgesteckt: "Der Asphalt war lächerlich rutschig. Und mit so einem Set-up kannst du nichts mehr ausrichten."

Allerdings: Als er hinter Perez abflog, war der Frontflügel noch nicht asynchron eingestellt. "Das war erst nach dem Dreher", stellt Marko gegenüber 'Motorsport-Total.com' klar. "Wenn du in der Kurve so nahe ranfährst, ist klar, dass du den Anpressdruck komplett verlierst."

Bereits zuvor hatte der Österreicher in einem TV-Interview mit 'Sky' kritisiert, dass Istanbul "nicht der beste Tag unserer jungen Herren" war: "Beide haben die Reifen überfahren. Und man hat dann gesehen, dass die Routiniers wie Hamilton oder Perez anfangs ihr Tempo gefahren sind. Sie haben die Reifen am Leben erhalten und sind mit einem Stopp durchgekommen."

Hülkenberg: Verstappen weiß das selbst am besten

Nico Hülkenberg analysiert bei 'ServusTV', dass mit dem Dreher "ein bisschen Hektik reingekommen ist, und da ist ihm das Rennen wirklich durch die Finger geglitten". Der Deutsche ergänzt: "Ich glaube, mit ein bisschen Abstand wird Max selber auch sehen, dass da vielleicht die eine oder andere Sache am Anfang besser hätte machen können."


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Was Verstappens zweiten Dreher betrifft, möglicherweise irritiert durch den vor ihm abfliegenden Alfa Romeo von Kimi Räikkönen, wirbt Hülkenberg für Verständnis: "Das kann passieren. In der Kurve bergab sowieso. Da verliert man für einen Moment so ein bisschen den Bodenkontakt."

Für Marko steht fest, dass Verstappen in Istanbul "etwas mehr Geduld" benötigt hätte. Der 23-Jährige habe in der Anfangsphase nicht die gleiche Ruhe an den Tag gelegt wie etwa Hamilton: "Er hat halt gesehen, dass Stroll da vorne wegfährt. Aber dadurch, dass es kein DRS gab, war das Überholen de facto unmöglich."

Also riskierte Verstappen zu viel - und wurde dafür bestraft. "Ich muss sagen, dass das sicher nicht mein bestes Rennen war", räumt er im 'Telegraaf' ein. Perez habe er eigentlich gar nicht überholen wollen: "Es ist nicht so, dass ich zu ungeduldig war. Ich konnte an dem Punkt einfach nichts tun. Ich wollte nur dranbleiben, aber auf einmal untersteuerte ich neben die Strecke."

In Sachen Fahrer-WM eine ungenutzte Chance. Hamilton hätte Verstappen ohnehin nicht mehr einholen können. Aber auf Valtteri Bottas hätte er wertvollen Boden gutmachen können. Der Niederländer hat vor den letzten drei Rennen 27 Punkte Rückstand auf den Finnen. Im Falle eines Sieges wären es nur noch zehn gewesen.

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