• 21. August 2020 · 09:40 Uhr

Erklärt: So kam die Formel 1 zu ihrem Fahrer-Speed-Ranking

Jarno Trulli und Heikki Kovalainen in den Top 10: Ross Brawn und Rob Smedley erklären, wie das im Speed-Ranking kam und wie das System generell funktioniert

(Motorsport-Total.com) - Die kürzlich von der Formel 1 in Zusammenarbeit mit Amazon Web Services (AWS) veröffentlichte Liste der schnellsten Formel-1-Piloten hat für einige Kritik gesorgt. Nicht nur dass Fahrer vor 1983 nicht berücksichtigt wurden, auch dass mit Heikki Kovalainen oder Jarno Trulli überraschende Namen in den Top 10 standen, angesehene Qualifying-Experten wie Mika Häkkinen oder Juan Pablo Montoya aber nicht, hat für hochgezogene Augenbrauen gesorgt.

Heikki Kovalainen, Jarno Trulli

Überraschend in den Top 10: Heikki Kovalainen und Jarno Trulli Zoom Download

Sportchef Ross Brawn und Technik- und Datenexperte Rob Smedley versuchen nun, Licht ins Dunkel zu bringen und zu erklären, wie die Liste der Piloten zustande kam. "Es gab ein oder zwei Überraschungen, aber wenn man tiefer eintaucht, ergibt das durchaus Sinn", betont Brawn bei 'formula1.com'. "Es gab zahlreiche Diskussionen, aber wenn man die Methodik versteht, werden die Leute es verstehen."

Der Grundplan ist, dass Teamkollegen im Qualifying miteinander verglichen werden: "Gleicher Tag, gleiche Situation, gleiche Möglichkeit", so Brawn. Die ganze Zeit werden die Daten erhoben, und wenn ein Fahrer das Team wechselt, erhält man neue Daten. Schlägt Fahrer A Fahrer B in einem Team und schlägt dann Fahrer B Fahrer C in einem anderen, dann ist A logischerweise auch schneller als C.

Und mit genügend Informationen kann man dann auch virtuelle Paarungen erstellen - etwa Jean Alesi und Pascal Wehrlein - und errechnen, wer wahrscheinlich gewinnen würde.

Warum Trulli und Kovalainen in den Top 10 sind

"Man bekommt dieses komplexe Netzwerk an Fahrern, und mit den virtuellen Verbindungen können wir ein Confidence-Level aufbauen, das uns sagt, wie akkurat die Verbindungen in dem Netzwerk sind", sagt Smedley. "Es geht nicht nur um den Abstand zwischen Teamkollegen über eine Saison, sondern es wird auch die Exaktheit eingebracht, indem man das Netzwerk nutzt."


Fotostrecke: Historische Studie: Die 10 schnellsten Formel-1-Fahrer

Ein großer Diskussionspunkt waren etwa die Plätze acht und neun für Heikki Kovalainen und Jarno Trulli, die zusammen gerade einmal fünf Pole-Positions vereinen. Trulli galt als genialer Qualifyer, konnte laut dem ehemaligen Renault-Ingenieur und -Sportchef Steve Nielsen aber nie mehr als fünf Runden am Stück abliefern. "Darum wurde er nie Weltmeister", sagt Brawn.

Doch er möchte den Italiener nicht kritisieren, sondern nur erklären, warum er in dieser Liste so weit vorne ist. "Es geht um den schnellsten Fahrer, und dass einige nicht Weltmeister waren, liegt daran, dass ihr anderes Skill-Set nicht stark war." Das hatte auch Auswirkungen auf Kovalainen: Weil Trulli in seinen Blütejahren so stark war, bei Lotus aber von Kovalainen geschlagen wurde, steht der Finne so weit oben.

Dank Datenanalyse: Hülkenberg fast bei Mercedes

Brawn gibt sogar zu, dass er als Teamchef bei Mercedes mit Datenanalyse gearbeitet hat, und dass dadurch beinahe Nico Hülkenberg (Platz zwölf) bei den Silberpfeilen gelandet wäre. "Lewis war nach Michael die logische Entscheidung, aber wir haben zahlreiche Analysen zu anderen Fahrern gemacht und sind dann bei Nico Hülkenberg gelandet", sagt er.

Chefstratege James Vowles habe Hülkenbergs komplette Karriere analysiert - doch am Ende hieß die Fahrerpaarung Hamilton und Nico Rosberg.


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In Zukunft möchten die beiden auch Daten von vor 1983 benutzen, um etwa Juan Manuel Fangio oder Jackie Stewart in das System zu bringen. Das Problem: Diese sind handgeschrieben und müssen erst eingepflegt werden. "Das kann gemacht werden, ist aber eine Kapazitätsfrage", so Brawn.

Zum Schluss betont Smedley, dass diese Liste in keinster Weise als definitiv und nicht anfechtbar angesehen werden sollte. "Es geht darum, etwas zu präsentieren, das wir für ziemlich objektiv halten", sagt er. "Es geht um Mathe, Physik, Daten und maschinelles Lernen - und dann darüber zu diskutieren und zu argumentieren."

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