• 13. August 2019 · 12:10 Uhr

"Best of the Rest": McLarens erfolgreicher Neuanfang 2019

Bei McLaren hat sich in den vergangenen zwölf Monate eine Menge geändert - Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Team offenbar in die richtige Richtung bewegt

(Motorsport-Total.com) - Zwölf Monate können manchmal einen großen Unterschied machen. Nach dem Großen Preis von Ungarn 2018 ging McLaren als WM-Siebter in die Sommerpause und fuhr den eigenen Ansprüchen - wieder einmal - hinterher. Ein Jahr später liegt das Traditionsteam auf Rang vier und ist in der WM eindeutig das beste Mittelfeldteam. Der Vorsprung auf die Verfolger beträgt bereits knapp 40 Zähler.

Lando Norris, Carlos Sainz

Lando Norris und Carlos Sainz schaffen es im Mittelfeld regelmäßig an die Spitze Zoom Download

In diesem einen Jahr hat sich in Woking eine Menge geändert. Andreas Seidl wurde beispielsweise als neuer Teamchef installiert, James Key ist neuer Technikchef, und im Auto sitzen nicht mehr Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne sondern Carlos Sainz und Lando Norris. Die Saison 2019 ist für McLaren in vielerlei Hinsicht ein Neustart. Und der geht aktuell genau in die richtige Richtung.

"Ich kann mir vorstellen, wie die Stimmung in den Vorjahren mit all den Problem war, die es mit der Performance gab", erklärt Teamchef Seidl und verrät, dass man momentan eine "großartige Atmosphäre" in Woking habe. Das hat natürlich auch mit den Ergebnissen zu tun. "Im vergangenen Jahr gab es gewisse Schwächen des Autos", erinnert Seidl. 2019 sei das "ganze Paket" besser als im Vorjahr.

Keine Panik nach schwachem Start

Das Team habe im Winter einen "großartigen Job" gemacht, und schon bei Tests vor der Saison sei es "viel besser" gelaufen. "Die Zuverlässigkeit war viel besser, und wir kamen mit einem Auto nach Melbourne, das in der Lage war, es direkt in Q3 zu schaffen. Das war kein Zufall. Wir haben in jedem Rennen gezeigt, dass wir um die Top 10 kämpfen können", zeigt sich Seidl zufrieden.


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"Es ist natürlich gut, dass wir [in der WM] all diese Punkte in der Tasche haben, obwohl wir nicht bei allen Rennen das viertschnellste Auto hatten", erklärt er. Denn der MCL34 ist keinesfalls das dominierende Auto im Mittelfeld, was man angesichts des WM-Standes vermuten könnte. Vielmehr war McLaren einfach konstanter als die Konkurrenz und hat weniger Fehler gemacht.

"Schlecht" war laut Sainz lediglich der Saisonstart. In den ersten drei Rennen blieb der Spanier komplett ohne Punkte, Teamkollege Norris schaffte nur in Bahrain den Sprung in die Top 10. Doch ab da sei die Entwicklung "sehr positiv" gewesen, so Sainz. "Der Schlüssel war es, nach den ersten drei Rennen nicht zu überreagieren", erklärt er. Nach China lag McLaren mit mageren acht Punkten nur auf WM-Rang sechs.

Sainz fühlt sich wohl und überzeugt sportlich

Trotzdem blieb man ruhig - und startete anschließend durch. "Seit Baku ist es eine sehr starke Saison", berichtet Sainz. Bezeichnend: Seitdem blieb McLaren lediglich in Kanada ohne WM-Zähler, in allen anderen Rennen punktete man mindestens mit einem Auto. Zum Vergleich: Das Renault-Werksteam blieb im gleichen Zeitraum ganze fünfmal komplett ohne Punkte.


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Und laut Sainz seien auch die ersten drei Rennen nicht wirklich schlecht gewesen, "aber irgendwie hat das Ergebnis nie gepasst." Er erinnert: "Ehrlich gesagt war ich in Australien in FT1, FT2 und FT3 sehr schnell. In Bahrain war ich in der Quali sehr schnell und kämpfte gegen Max [Verstappen] um ein Top-5-Ergebnis." Sainz selbst liegt aktuell auf Rang sieben der WM und ist damit "Best of the Rest" unter den Fahrern.

Kein Wunder, dass er mit seiner ersten Saison bei McLaren bislang zufrieden ist. "Ehrlich gesagt habe ich bei McLaren weniger Zeit zur Anpassung gebraucht als bei Renault", verrät er und erklärt, dass er zusammen mit dem Team im Winter einen Plan entwickelt habe, damit er sich möglichst schnell einleben kann. Offenbar zahlte sich das aus. Teamkollege Norris ist als WM-Zehnter bester Rookie.

Noch immer weit von der Spitze weg

Teamchef Seidl warnt das ganze Team allerdings davor, nun abzuheben. "Die Wahrheit ist, dass wir [von den Spitzenteams] noch immer überrundet werden, wenn es ein normales Rennen ist", erinnert er und erklärt: "Es liegt also noch immer eine Menge harte Arbeit vor uns." Für McLaren sei es wichtig, "konzentriert zu bleiben, weiter zu pushen und mehr und mehr Updates an die Strecke zu bringen."


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Ziel sei es, den vierten Platz in der WM bis zum Saisonende zu halten. Mercedes, Ferrari und Red Bull werde man unter normalen Umständen nicht herausfordern können. "Die Autos vor uns sind so weit weg von uns, dass es momentan nicht realistisch ist, sie einzuholen", weiß Seidl. Das gilt übrigens auch für 2020. "Wir sollten nicht überschwänglich werden und davon träumen, im nächsten Jahr um Rennsiege oder so zu kämpfen", stellt er klar.

Ein konkretes Ziel gibt er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aus. Er betont lediglich, dass man 2020 "den nächsten Schritt" gehen wolle. "Im nächsten Jahr werden wir das erste Auto unter der kompletten Führung von James Key haben", erinnert er und erklärt: "Es ist gut, dass die Updates funktionieren. Hoffentlich können wir beim Auto jetzt den nächsten Schritt machen - auch für das kommende Jahr. Darauf liegt mein eigentlicher Fokus."

Noch kein kompletter Fokus auf 2020

"Die Herausforderung in der zweiten Saisonhälfte wird es sein, den richtigen Punkt zu finden, an dem wir alle Ressourcen auf das neue Auto verlagern", erklärt Seidl und ergänzt: "Wir wissen, dass es in der Formel 1 keine Magie gibt. Man muss hart arbeiten, fokussiert bleiben, und das versuche ich zusammen mit dem Team." Aktuell ist dieser Punkt aber noch nicht gekommen.


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2019 wird es weitere Updates für den MCL34 geben. Denn Seidl erinnert daran, dass Platz vier trotz des aktuellen Vorsprungs noch längst nicht sicher sei. Er verweist auf das Chaosrennen in Hockenheim und erklärt: "Es braucht nur ein verrücktes Rennen, wo zum Beispiel Hülkenberg Zweiter wird, während wir ohne Punkte bleiben. Dann hätten wir heute eine ganz andere Diskussion."

Auch Sainz warnt davor, sich im Kampf um WM-Rang vier zu sicher zu fühlen. "Falls wir während der Saison keinen großen Schritt machen, um [vom Mittelfeld] wegzukommen, wird es immer bessere und schlechtere Rennen geben", warnt er. Umso wichtiger wird es für McLaren sein, die Rennen auch weiterhin so fehlerfrei auszuführen wie in der ersten Saisonhälfte.

Weitere Motorenstrafen drohen

"Unsere Fahrer machen einen großartigen Job. Es kommt alles zusammen, und dadurch holen wir alle diese Punkte", erklärt Seidl. Sainz gibt das Lob zurück und erklärt, dass das ganze Team - vor allem an den Rennsonntagen - auf einem "sehr hohem Niveau" arbeite. Das sei wichtig, weil es im Mittelfeld in diesem Jahr so eng zugehe und sich die Kräfteverhältnisse mit jedem Wochenende verschieben könnten.


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Zudem drohen McLaren weitere Motorenstrafen. Beide Piloten haben die erlaubten Limtis jeweils schon erreicht oder sogar überschritten. "Im ersten Rennen ging mein erster Motor nach zehn Runden kaputt", erinnert Sainz und erklärt, dass es wegen der Motorensituation "keine einfache erste Saisonhälfte" gewesen sei. Seidl betont trotzdem die gute Zusammenarbeit mit Renault.

"Wir haben eine großartige Beziehung zu Renault", stellt er klar. "Natürlich ist es eine schwierige Phase, die wir momentan haben. Mit all den Motorenproblemen bei beiden Teams, besonders in Deutschland. Aber da stecken wir zusammen drin", erklärt er und ergänzt, dass es eine "transparente Partnerschaft" und einen "offenen Dialog" gebe. Nach der Sommerpause werde man die neue Ausbaustufe des Motors (Spec C) erhalten.

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